weltwärts schauen

Richtig hinsehen - global handeln

Junge-afrikanische-Mütter mit ihren Kleinkindern vor dem Mutter-Kind-Heim der "Foundation Stamm/Burundikids"in Burundi
Auch das gehört dazu: Ausgestoßenen und schwangeren Frauen helfen
Foto: Philipp Ziser

Die Berliner Gymnasiastin Vivian Hauff hat sich auf der Tagung „undjetzt?“ in Potsdam umgeschaut. „undjetzt?“  trägt dazu bei, das Netzwerk der Akteure und Aktiven in der Entwicklungszusammenarbeit dichter zu knüpfen. Vivian hat mit  jungen Teilnehmern gesprochen, die einen Freiwilligendienst im Ausland in einem Entwicklungsprojekt hinter sich haben. Sie hat einige Stimmen zusammengefasst, die, wie sie sagt, auch bei ihr Interesse und Neugier geweckt haben. Hier ihr Bericht: 

Florentine Schmalhaus, 22, ist nach dem Abitur für 12 Monate nach Mumbai gegangen und arbeitete dort mit Behinderten. Sie hatte schon immer ein großes Interesse an anderen Kulturen und war vor allem von Asien fasziniert.

„Indien wirkte zuerst sehr hektisch auf mich, ist aber viel ruhiger als man denkt“, sagt sie.“ Die Menschen dort haben mich sehr herzlich empfangen und waren mir gegenüber ehrlich, interessiert und freundlich.“

Florentine ist dort aufgrund der Armut erst richtig bewusst geworden, wie dankbar sie hier in Deutschland dafür sein kann, dass Wasser und Essen zur Selbstverständlichkeit gehören. „Außerdem gibt es hier so viele Hilfen und Möglichkeiten; man ist für alle Eventualitäten abgesichert."

Für sie war es „das schönste Jahr meines Lebens.“ Ihrer Meinung nach geht sie nun viel ruhiger in vielen Situationen vor, da in Indien vieles gelassener abläuft. Sie hat sich fest vorgenommen, sich auch zukünftig aktiv an der Entwicklungszusammenarbeit zu beteiligen.

Mit Bildung aus der Armut

weltwärts-Heimkehrer Kai auf der Konferenz von Jugendlichen Heimkehrern in PotsdamBild vergrößern Kai hat in Simbabwe und Südafrika geholfen Foto: Vivian Hauf

Kai ist 21 Jahre alt und war für sechs Monate in Simbabwe und Südafrika. Seine Liebe für Afrika ist schon früh entflammt, da er schon als Kind mit seinen Eltern durch dieses Land gereist ist.

Er hat mitgeholfen, Farmen aufzubauen und arbeitete in einem Aidswaisenhaus. Diese Erfahrungen ließen ihn HIV und die Armut in Afrika bewusster werden. Auch er ist gleich zu Beginn auf freundliche Menschen gestoßen, die trotz ihrer Armut ihr Schicksal meistern, ohne ständig zu klagen. Sein Vorsatz: Er wollte helfen, genau hinsehen und nicht mehr weggucken.

Kai hat herausgefunden, dass Bildung der einzige Weg aus der Armut ist. Daher hat er sich auch für ein Mitwirken bei einer Hilfsorganisation entschieden, die Workshops, Vorträge, Afrika Festivals und vieles mehr organisiert. Außerdem will sie den Menschen in Not durch ihre „Arbeit neue Hoffnung schenken“ und die Bildung fördern. Zusätzlich weist Kai seine Mitmenschen in Deutschland auf die Probleme Afrikas hin und motiviert zum Helfen.

Erfülltes Leben trotz Armut

Silvan Schaffner, 20, ist nach dem Abitur für sechs Monate nach Brasilien gegangen. Dort hat er mit Jugendlichen gearbeitet und sie während ihrer Freizeit betreut. Er wurde schnell eingebunden und hat festgestellt, dass die Menschen gar nicht aus ihrer Heimat weg wollen. „Sie haben ein erfülltes, von sozialen Kontakten geprägtes Leben, trotz ihrer Armut.“

Silvan empfindet wie Florentine. Auch er habe gelernt mit Dingen ruhiger umzugehen und hat nun eine positivere Einstellung gegenüber dem Leben selbst. Er hat sich entschlossen, seine Erfahrungen weiterzugeben, indem er bei einer „Non-Profit-Organisation (NGO)“ für Jugendliche arbeitet.

Mission an die Welt

weltwärts-heimkehrerin Margit Wirth auf der Konferenz von Jugendlichen Heimkehrern in PotsdamBild vergrößern Margit Wirth war für ein Jahr in Costa Rica. Foto: Vivian Hauf

Margit Wirth, 23, wollte nach dem Abitur unbedingt Deutschland verlassen und ist für zwölf Monate nach Costa Rica in eine „Mission an die Welt“ gegangen. Sie hat dort in einer Kindertagesstätte gearbeitet und Vorschulunterricht gegeben. „Auch mich haben die Menschen dort sehr freundlich empfangen und warmherzig aufgenommen.“

In ihr haben sich durch dieses Freiwilligenjahr Offenheit und Verständnis für die Vielfalt der Kulturen entwickelt. Auch Reiselust und die Neugier, auf fremde Menschen, andere Kulturen und Traditionen zuzugehen, wurden bei ihr geweckt. Sie meint, in Deutschland sei man privilegiert. „Man muss gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und die Chancen, die sich einem hier bei uns im Lande diesbezüglich bieten, nutzen.“ Heute spricht sie vor Jungendgruppen, um ihre Erfahrungen und Erlebnisse ihres Freiwilligendienstes in Costa Rica weiterzugeben.

Foto aus Potsdam von einer BMZ-Konferenz von Jugendlichen HeimkehrernBild vergrößern Informationsstände und Hilfsorganisationen begleiteten die Konferenz Foto: Vivian Hauf

Auch Margits Schilderungen und Engagement sprechen dafür, dass diese jungen Menschen durch ihren Einsatz über die Entsendeorganisationen viel soziale und kulturelle Kompetenz erworben haben.

Die Einsätze und Schilderungen der heimgekehrten Jugendlichen zeugen von gesellschaftlicher Verantwortung. Sie haben mich überzeugt. Nach meinem Abitur werde ich versuchen, es ihnen gleich zu tun. Zudem bin ich der gleichen Meinung wie Bundespräsident Horst Köhler in seinem Grußwort: "Sie haben die Möglichkeit gehabt, die Welt aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Ihr Engagement und Ihre Begeisterung werden auch in Zukunft gebraucht.“

(Autorin: Vivian Hauf, Otto-Nagel-Gymnasium, Berlin)

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