weltwärts schauen

Gambia hat mein Herz berührt

Franziska Deckert mit Jugendlichen in ihrer Klasse
Schuldienst: Franziska Deckert in ihrem Element
Foto: A. F. Joof/F. Deckert

Franziska Deckert war neun Monate mit „weltwärts“ in Gambia. Dort hat die junge Referendarin aus Leipzig im Bildungssektor gearbeitet. Ihre Entsendeorganisation war die Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt e.V. – LKJ, Magdeburg. Seit Juni ist sie wieder zurück. Hier ihr Bericht:

Bevor ich berichte, möchte ich mich zunächst beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bedanken. Ohne deren Förderprogramm „weltwärts“ wäre mein Aufenthalt in Gambia nicht möglich gewesen – und auch nicht die tollen Erfahrungen, die ich sammeln konnte.

Ich war vom 18. August 2008 bis 18. Juni 2009 in The Gambia/Westafrika. Wie schnell die Zeit vergeht. Mein Einsatz an der Nursery and Primary School in Ghanatown/ Brufut ist nun vorbei.

Auch wenn ich mich freute, nun wieder nach Hause zu meiner Familie zu kommen, kam in den letzten Tagen meines Aufenthalts doch große Wehmut auf. Ich merkte deutlich, wie mir die Lehrerinnen und Lehrer und die Jugendlichen in der Zeit meines Aufenthalts ans Herz gewachsen sind.

Einsatz für Lehrkräfte und Schulkinder

Mein Einsatz selbst war vielseitig und abwechslungsreich. Er reichte vom Deutschunterricht für die Lehrer bis hin zur Organisation von Schulveranstaltungen. Meine Hauptaufgabe bestand vor allem darin, den Lehrkräften hilfreich zur Hand zur gehen. Zudem vermittelte ich ihnen neue Unterrichtsmethoden in verschiedenen Themenfeldern. Hinzu kamen Übungen im selbständigen Vorbereiten, Durchführen und Reflektieren von Unterrichtsstunden in Mathematik, Englisch und CreativArts. Des weiteren galt es, auch die Schulklassen mit neuen Unterrichtsmethoden vertraut zu machen.

Auch die „Erste Hilfe“ der Schulkinder gehörte zu meinen Aufgaben. Ein deutsches Ärzteteam hatte der Schule beim letzten Besuch einen gut gefüllten Erste Hilfekasten zur Verfügung gestellt, den ich hütete. Mir oblag auch die Betreuung eines epileptischen Jungen, mit dem ich regelmäßig zum Arzt in die Hauptstadt fuhr und dafür sorgte, dass er pünktlich seine Medikamente nahm.

Der Deutschunterricht (Grundlagen der deutschen Grammatik) mit den Lehrern fand regelmäßig mittwochs und donnerstags nach der Studytime statt. Nun können nachfolgende Praktikantinnen oder Praktikanten darauf aufbauen.

Unglaubliche Gastfreundschaft

Von meinem achtmonatigen Aufenthalt in Gambia nehme ich vor allem die Wärme mit, die ich bereits bei meinem Empfang spürte. Es ist immer wieder erstaunlich, dass selbst die Ärmsten, bei denen man zu Besuch ist, immer noch etwas von ihrem wenigen Essen abgeben. Und das, obwohl sie kaum selbst genug haben.

Metallkochtöpfe aus Metall für die SchulspeisungBild vergrößern Mit offenem Feuer: Kochtöpfe für die Schulspeisung Foto: Abraham F. Joof/F. Deckert

Ebenfalls habe ich gelernt, mich wieder auf das Wesentliche im Leben zu konzentrieren. Vor allem wird einem in Afrika schnell bewusst, mit dem kostbaren Rohstoff Wasser besonders sparsam umzugehen. Es ist schön zu sehen, dass man auch mit wenig zufrieden sein kann. Das fällt mir besonders bei den Kindern auf. Sie brauchen nicht die verschiedensten Plastikspielzeuge. Sie bauen sich selber Spielzeug aus dem, was sie finden.

Aufgefallen ist mir auch das andere Verständnis für Familie. Hier kümmert sich jeder um jeden, was sich nicht unbedingt in materiellen Dingen ausdrückt. Auf der anderen Seite aber gibt es häufig keinen Austausch von Zärtlichkeiten zwischen Kindern und Eltern, wie zum Beispiel Drücken oder in den Arm nehmen.

Umweltbewusstsein fördern

Gestört hat mich der Umgang mit der Natur. Ob auf den Straßen oder am Strand: Jeglicher Müll wird einfach weggeworfen. Wenn es hier an etwas nicht mangelt, dann an Plastiktüten. Die ortsüblichen Werkstätten lassen Altöl und dergleichen einfach in den Boden sickern. Hieran erkennt man, wie wichtig Umweltbewusstsein und eine geordnete Müllentsorgung sind.

Fischerboote am Strand von GambiaBild vergrößern Gambias Fischgründe gehen immer mehr zurück Foto: Abraham F. Joof/F. Deckert

Obwohl es Informationsschilder gibt, die in Bildersprache gehalten sind, weil 60 Prozent der Bevölkerung Analphabeten sind, wird trotzdem Müll in die Rinnsale geworfen. Diese werden dann von Zeit zu Zeit ausgehoben, weil sie verschlammen und anfangen zu riechen. Dieser Schlamm enthält natürlich auch Krankheitserreger. Tiere werden nur als Nutztiere gesehen und auch so gehalten. Eine persönliche Beziehung zu Haustieren, wie bei uns, findet man hier eher selten.

Was ich ebenso wenig verstehe ist, dass eine Vielzahl von Lebensmitteln importiert wird. Das dürfte bei einer nachhaltigen Landwirtschaft doch eigentlich nicht nötig sein. Man könnte hier im Jahr bestimmt bis zu drei Ernten einfahren.

Das Bildungssystem braucht Hilfe

Die Schulbildung des Landes ist nicht flächendeckend, da es einfach zu wenige staatliche Schulen gibt. Gar nicht daran zu denken, wie die Situation aussehen würde, wenn es die vielen gesponserten oder privaten Schulen nicht gäbe. Die Lehrerausbildung dauert in Gambia drei Jahre.

An der Primary-School muss ein Lehrer alles unterrichten, ähnlich der deutschen Grundschule. Erst ab der siebten Klasse gibt es eine Spezialisierung. Mein Eindruck ist, dass mancher Lehrer seinen Beruf nicht unbedingt aus Überzeugung, sondern ausschließlich wegen der geregelten Bezahlung ausübt. Dies mag an der lückenhaften Lehrerausbildung liegen, was wir zu verändern suchen. Deshalb schickt der Verein und Kooperationspartner Socialis for the Gambia das Lehrpersonal auch immer wieder zu Weiterbildungen, was ich außerordentlich wichtig finde.

In der Arbeit mit den Kindern - vor allem mit den Mädchen - hab ich mich immer wieder gefragt, ob es unter ihnen welche gibt, die beschnitten sind. Beschneidung an sich ist zwar offiziell verboten, wird in den ländlichen Gegenden aber immer noch praktiziert. Offen wird darüber natürlich nicht gesprochen.

Veränderungen vorgeschlagen

Die Freiwilligendienstlerin Fraziska Deckert bekommt als Abschiedsgeschenk von einer gambischen Schülerin einen gambischen "Churaipot" (Duftspender) überreicht.Bild vergrößern Der Abschied naht: Ein Geschenk als Dank Foto: A. F. Joof/F. Deckert

In der Schule ist das Schlagen der Kinder seit einigen Jahren von der Regierung verboten worden. Bei der konsequenten Umsetzung des Verbotes ist der Druck in einer deutsch gesponserten Schule hilfreich, weil solche Methoden nicht akzeptiert werden.

Für die Einschulung der Erstklässler aus anderen Nursery schools habe ich einen Einschulungstest vorgeschlagen, um die hohen Niveauunterschiede in einer Klasse zu vermeiden. Ebenso gab ich den Rat, Elternversammlungen einzurichten. Warum die Eltern nicht auch in die Pflicht nehmen, wenn es um Schulangelegenheiten geht, zumal die Schulbildung frei ist.

Abschließend kann ich nur sagen, ich bereue meine Entscheidung nach Gambia zu kommen in keiner Weise und bin jetzt im Rückblick sehr froh, diesen Schritt gegangen zu sein. Es waren schöne und traurige Momente - vor allem aber unvergessliche. Ich habe viele nette und interessante Menschen kennen lernen dürfen, von denen ich viele in mein Herz geschlossen habe und es mir schwer gefallen ist, diese zurückzulassen. Ich habe mir vorgenommen, bald wieder nach Gambia zu reisen.

(Autorin: Franziska Deckert, Studienreferendarin, Staedtisches Gymnasium Mitweida, Sachsen)

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