weltwärts schauen

Kulturen verstehen - weltwärts gehen

Weltwärts-Freiwilliger beim Nachhilfeunterricht in Kapstadt mit einer Schülerin
Helfen und Erfahren: Die Aufgaben sind vielfältig
Foto: Andreas Ebert

Engagierte Jugendliche wollen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Sie leisten ein Praktikum oder Freiwilligenjahr in von Armut geprägten Ländern. Sie arbeiten dort in sozialen Einrichtungen, Projekten der Entwicklungszusammenarbeit oder machen ein Praktikum bei Institutionen der Vereinten Nationen. Viele, die zurückgekehrt sind, lässt diese Erfahrung nicht los und sie engagieren sich weiter.

Anfang 2008 startete das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) den Freiwilligendienst „weltwärts“. Dieser Freiwilligendienst ist für junge Menschen im Alter von 18 bis 28 Jahren, die 6 bis 24 Monate in Projekten von anerkannten Entsendeorganisationen in Entwicklungsländern mitarbeiten. Bisher sind über 2.600 Freiwillige in 71 Entwicklungsländer „weltwärts“ gegangen.

Abenteuerlust oder die Neugier, einmal ein neues Land kennen zu lernen, spielten bei dieser Entscheidung sicherlich eine Rolle.  Für junge Menschen ist diese Art von Freiwilligendienst aber auch eine gute Möglichkeit, wertvolle interkulturelle Erfahrungen zu sammeln. Außerdem können sie ihre Sprachkenntnisse vertiefen und nicht zuletzt wichtige Kompetenzen der sozialen Verantwortung erwerben. Diese gewinnen in einer zunehmend globalisierten Bildungs- und Arbeitswelt immer mehr an Wert.

Nach gründlicher Vorbereitung bei den Entsendeorganisationen sind sie hinausgezogen, um in Projekten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in den Partnerländern zu helfen und Erfahrungen zu sammeln. Ihre Reise ging nach Afrika, Asien, Lateinamerika, nach Indien oder Osteuropa.

Blick über den Tellerrand

Junge in Burundi in der SchuleBild vergrößern Auch Afrikas Jugend weiß:Auf den Blickwinkel kommt es an Foto: Philipp-Ziser

Für viele ist diese Zeit Vergangenheit und sie können auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückblicken. Die „Heimkehrerinnen“ und „Heimkehrer“ konnten ferne Länder und Menschen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln hautnah erleben.

Einige ihrer vorherigen Vorstellungen und Standpunkte haben sich als Vorurteile erwiesen. Einfache Dinge, die zuhause vorher selbstverständlich erschienen, werden nun mit hoher Wertschätzung wahrgenommen. Beispielsweise die ständige Verfügbarkeit sauberen Trinkwassers, medizinischer Versorgung, sanitärer Einrichtungen oder einer stabilen Energieversorgung.

Vielen ist der Abschied im Gastland schwer gefallen. Ihr Freiwilligendienst hat sie geprägt, ihre soziale Kompetenz gestärkt und ihr Weltbild verändert – und sie dazu motiviert, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Zuhause weitermachen

Wieder zuhause - und jetzt? Mancher möchte sich weiter engagieren und fragt sich: Wie kann ich die Welt gerechter machen? Wie kann ich meine Eindrücke, meine gewonnene Erfahrung einbringen und weitergeben? Wie kann ich andere junge Menschen ebenfalls für ein Praktikum oder ein Freiwilligenjahr für „weltwärts“ begeistern? Wie kann ich den anderen die Notwendigkeit der Entwicklungszusammenarbeit näherbringen? Was hat mein Einsatz bei mir und bei den Menschen, mit denen ich gearbeitet habe, verändert?

„undjetzt“-Konferenz in Potsdam

Rückkehrerinnen und Rückkehrer trafen sich Anfang August in Potsdam. Sie haben über ihre Erfahrungen berichtet, sich ausgetauscht, Netzwerke geknüpft und beraten, wie sie am besten ihre gewonnene Erfahrung weitergeben können. „undjetzt?!“ – lautete deshalb auch das Motto dieser einwöchigen Konferenz, die das BMZ initiiert hatte.

"weltwärts"-Freiwillige, die in Nicragua sind und waren, haben es mit ihrem „NicaNetz“ bereits vorgemacht. Das Netz ist eine junge Freiwilligen-Vereinigung mit Schwerpunkt Nicaragua. Sie beraten rund um den Freiwilligendienst und die entwicklungspolitische Bildungsarbeit um und in Nicaragua.

Chance auf ein Stipendium

"weltwärts"-Freiwillige können sich jetzt nach ihrer Rückkehr für ein Stipendium an der Karlshochschule International University bewerben. Die international und praxisnah ausgerichtete Hochschule bietet gemeinsam mit dem BMZ dieses neu eingerichtete Stipendium für den Bachelor-Studiengang "Interkulturelles Management und Kommunikation" an. Dieser Studiengang ist insbesondere auf die Schnittstellen internationaler wirtschaftlicher und interkultureller Zusammenarbeit ausgerichtet. Das Stipendium gewährt einen kostenfreien Zugang zu diesem Studiengang.

"Das Stipendium ist eine tolle Chance", freut sich auch Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. "weltwärts"-Freiwillige können so ihr Interesse an internationalen Zusammenhängen weiter verfolgen und vertiefen – und das unabhängig ihrer finanziellen Möglichkeiten.

In dieser Ausgabe stellen wir einige Erfahrungsberichte junger Menschen vor. Sie sind ein emotionaler, aber auch kritischer Rückblick auf eine schöne Zeit mit interkulturellen Erfahrungen. Eines wollen alle gemeinsam erreichen: Sie wollen andere junge Menschen ermutigen, es ihnen gleich zu tun.

Kontext