Regenerative Energien

Licht für die Inseln des Ganges

Kinder und Erwachsene stehen und hocken hinter einer Solaranlage.
Von Solarenergie profitieren alle Dorfbewohner
Foto: Andheri-Hilfe

In Bangladesch sind die meisten ländlichen Regionen noch nicht an ein Stromnetz angebunden. Doch was tun, wenn die allgemein genutzten Brennstoffe wie Holz knapp und Petroleum und Kerosin immer teurer werden und Löcher in ohnehin kärgliche Haushaltskassen reißen? Die Antwort: Auf Sonnenenergie setzen!

Dutzende von Flussinseln, Chars genannt, gibt es in einem der größten Flüsse des Landes, dem Ganges. Die Inseln können nur mit dem Boot erreicht werden. Die Inselbewohner versuchen mit altertümlich anmutenden Geräten dem sandigen Boden etwas Essbares abzutrotzen. Hütten, Brunnen oder Aborte müssen auf höheren Grund gebaut werden. Damit soll verhindert werden, dass die Fluten alles unter Wasser setzen. Pferdekarren sind das vorwiegende Transportmittel. Schulen oder Krankenhäuser? Auf den Inseln oft Fehlanzeige! Und: Hohe Wasserstände erodieren die Inseln.

Wer zieht an einen solchen Ort? Es sind keine Abenteurer, es sind Menschen, die von der Armut auf die Inseln getrieben werden. Hier besteht die Aussicht auf ein Stückchen Land, auf eine minimale Existenzgrundlage. Sicherheiten gibt es nicht, aber Hoffnung.

Die Menschen auf den Flussinseln des Ganges im Faridpur-Bezirk in Bangladesch sind nicht zu beneiden: Geringe oder unsichere Einkommen, schlechte Gesundheit, geringe Bildung und geringes Selbstwertgefühl, unzureichende Vermögenswerte und eine große Anfälligkeit für Krisen sind die bitteren Zutaten eines harten Lebens. Andheri-Hilfe unterstützt seit 2006 ein Projekt, das erfolgreich mit 6.000 Menschen auf den Inseln zusammenarbeitet.

Starke Nachfrage nach Solarenergie

2007 wurde als zusätzliche Maßnahme „Solarlicht“ eingeführt. 414 Familien profitieren seitdem von der Solarenergie. Vor dem Hintergrund der starken Nachfrage nach Solarenergie wurden im September 2008 weitere 674 Haushalte identifiziert, die nun Solarenergie erhalten sollen. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der Solarenergienutzer auf 1.088 Familien.

Die Chars werden auch langfristig nicht im Einzugsgebiet der öffentlichen Stromversorgung liegen. Die Menschen hier sind auf teure und gesundheitsschädigende Kerosinlampen angewiesen, um auch nach Sonnenuntergang aktiv sein zu können. Bis Ende des Jahres sollen nun weitere 337 Solaranlagen errichtet werden. Mit einer Anlage können jeweils zwei Familien zwei bis drei Lampen betreiben. Das Solarmodul wird an einem Haus - an einem Bambusstamm - befestigt, und über Drähte wird eine Verbindung zwischen zwei Häusern hergestellt.

Ein Mann montiert auf einem Dach eine Solaranlage.Bild vergrößern Grameen Shakti hilft bei der Installation Foto: Andheri-Hilfe

Die einheimische Organisation Grameen Shakti, die 2007 den alternativen Nobelpreis erhielt, gibt dabei technische Hilfe. Grameen Shakti installiert die Solaranlagen und führt Trainingsprogramme unter der Ägide eigener erfahrener Trainer durch. Außerdem trägt die Organisation Reparatur- und Instandsetzungskosten für drei Jahre und gibt Garantien für die einzelnen Teile der Anlage.

Die Familien, die von der Solarenergie profitieren, werden nach Ablauf der drei Jahre alle Kosten im Zusammenhang mit dem Betrieb und der Wartung der Solaranlage tragen. Die bisherigen Energiekosten für das Kerosin liegen wesentlich höher als die erwarteten Kosten für den Betrieb und die Wartung der Solaranlage. Die Solarenergie stellt saubere und sichere Energie für Bildung, Gesundheit und wirtschaftliche Entwicklung sicher. Armut in der Projektregion kann noch effektiver bekämpft werden.

Unterstützung des Bundesentwicklungsministeriums

Erfreulicherweise übernimmt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 75 Prozent der Kosten. Den Rest tragen die Partnerorganisation vor Ort und Andheri-Hilfe Bonn.

Vielen Menschen im Projekt geht es heute spürbar besser. Doch die Inflation und hier vor allem die immer schneller steigenden Kosten für Brennstoffe drohen, zumindest einen großen Teil der Einkommen wieder aufzuzehren. Für Kerosin geben viele mehr als ein Drittel ihres Haushaltseinkommens aus, so Herr Jalil. Gaben! Bislang sind 414 Haushalte auf Solarenergie umgestiegen und sparen so jeden Tag viel Geld. Und nicht nur das. Der Betrieb letztlich gesundheitsschädigender Kerosinlampen wird vermieden.

Außerdem kann mit Hilfe der Solarenergie auf umweltfreundliche Art die produktive Zeit am Tag verlängert werden. Insbesondere die durch das Projekt initiierten Kleinst- und Kleinunternehmen werden dadurch gefördert. Kosten für den Kauf und den Betrieb der Kerosinlampen können eingespart und damit anderweitig investiert werden. Schließlich können die Kinder noch in den Abendstunden für die Schule lernen.

Bessere Leistungen in der Schule

Aklimas Kinder lernen nun auch nach Anbruch der Abenddämmerung. „Meine Kinder sind jetzt viel besser in der Schule“, sagt Aklima. Sie selbst hat einen Kredit aufgenommen, um Geflügel zu züchten. Aklima stickt abends dank Solarenergie und verdient sich so noch etwas dazu. Aklima Begum, 35, lebt mit Mann und fünf Kindern seit Jahren auf einer der Inseln. „Anfangs ging es ganz gut“, erinnert sich Aklima. Dann aber erkrankte der Mann. Seine Arbeitskraft fiel aus und auch der Tageslohn.

Aklima arbeitete fortan auf den Feldern anderer, verdiente manchmal ein wenig Geld bei Straßenarbeiten und musste ansonsten sehen, wie sie die Familie ernährte. Die Preise für Nahrungsmittel und für Brennstoffe kletterten rasant in die Höhe. Drei Mahlzeiten am Tag waren nie möglich, schon zwei Mahlzeiten ein Luxus. Die Lebensumstände wurden immer schwieriger. Staatliche Hilfen gab es nur auf dem Papier - bei Aklima und ihrer Familie kam nichts an.

Der Stromanbieter „Naturstrom AG" engagiert sich auch bei unserem Projekt. Naturstrom ist die nachhaltige Entwicklungshilfe mit der Förderung Erneuerbarer Energien ein wichtiges Anliegen. "Deshalb freuen wir uns, mit der Andheri-Hilfe - übrigens selbst naturstrom-Kunde - an dem Projekt "Solarlicht für 1088 Familien" zusammen zu arbeiten", so Geschäftsführer Oliver Hummel. Gestartet wird das Engagement mit dem Bau von fünf Solaranlagen in dem Dorf Khalak Mattubar Dangi auf dem Char "North Channel Union".

(Autor: Georg Witzel, Andheri-Hilfe, Bonn)

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