Nachhaltiger Tourismus als Chance

Costa Rica: Die Grüne Schweiz Mittelamerikas

Ein Bauer und Reiseführer inmitten der Pflanzenwelt in Mittelamerika
Touristen schonend die Schönheiten der Natur zeigen
Foto: Misereor

Costa Rica ist  - was politische Stabilität und sozialen Frieden angeht - im zentralamerikanischen Kontext ein Musterland mit strenger Gewaltenteilung. Auch in Sachen Umweltschutz liegt es vorne. Es konnte sich als neutrales Land im Zentralamerika-Konflikt einen Ruf als „Schweiz Lateinamerikas“ aufbauen. Das mittelamerikanische Land hat sich  durch den im Rahmen der Ökologiebewegung zustande gekommenen Schutz seiner Naturzonen einen Namen gemacht.

In Zentralamerika spielt Costa Rica eine Vorreiterrolle im Naturschutz durch seinen Einsatz zur Wahrung der Biologischen Vielfalt (Biodiversität) und zur Erhaltung nationaler Naturschutzzonen. Die Erhaltung seiner nationalen Naturschutzzonen genießt oberste Priorität.

Auch in Sachen Ökotourismus gehört das Land in der Region zur Spitze. Klaus Lengefeld von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), zuständig für Mittelamerika, sieht Costa Rica zu Recht weit vorne im Umweltschutz. Mit seiner biologischen Vielfalt und vulkanischen Bergketten ist das Land für Ökotouristen sehr reizvoll.

Costa Rica hat eine offene, exportorientierte Marktwirtschaft. Es ist der zweitgrößte Bananenexporteur der Welt. Dennoch ist der Fremdenverkehr, eine wichtige Einnahmequelle. Das Land setzt neben dem Badetourismus aber zu einem großen Teil auf Ökotourismus, der der örtlichen Bevölkerung Einkommen verschafft.  Zudem steht ein Viertel des Landes unter Naturschutz.

Als Insel der Stabilität in einer von Bürgerkriegen zerrissenen Region wurde Costa Rica zum von aller Welt privilegierten Partner in Zentralamerika - politisch ebenso wie in der Entwicklungszusammenarbeit. Costa Rica wird von den Touristen deshalb auch wegen seiner Stabilität und Sicherheit geschätzt.

Ökosteuer zum Schutz der tropischen Wälder

Und „Costa Rica hat eine Ökosteuer, die zum Schutz tropischer Wälder und zur Wiederaufforstung herangezogen wird." Die Bevölkerung akzeptiere diese Abgabe auf Kraftstoff ohne Murren. "Die Leute haben erkannt, dass Ökotourismus ein einträgliches Geschäft ist und es sich deshalb lohnt die Natur zu schützen, so Lengenfeld.

Inzwischen reisten pro Jahr rund 1,5 Millionen "Ökotouristen" in das Land, das gerade einmal so groß wie Niedersachsen ist und in dem rund vier Millionen Menschen leben.

Costa Rica ist Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die GTZ arbeitet dort seit mehr als 20 Jahren im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Rechtzeitig umgesteuert

Dabei litt Costa Rica lange Zeit unter großflächigen Waldrodungen, die der Erschließung von Land für den Anbau von Kaffee und Bananen dienten. "Hier ist es gelungen umzusteuern." Die Politik übt zudem einen gewissen "Druck" auf die großen Unternehmen aus, nachhaltiger zu wirtschaften, meint Langefeld. Das werde von den großen Konzernen respektiert.

Die GTZ hat kürzlich mit dem Bananen-Multi Chiquita eine Kooperation gestartet, um die Artenvielfalt in einer Regenwaldregion zu erhalten und den Bewohnern neue Einkommensmöglichkeiten zu bieten. Das Modellprojekt ist Teil des Vorhabens von sechs mittelamerikanischen Staaten, Naturschutzgebiete durch so genannte Bio-Korridore zu verbinden.

Kleinbäuerliche Besitzverhältnisse

Die Erfolgsstory Costa Rica begann bereits vor über 50 Jahren. Seitdem gebe es im Land eine funktionierende Demokratie, meint Bert Hoffmann vom Institut für Iberoamerika-Kunde (IIK) in Hamburg. Nach einem sechswöchigen Bürgerkrieg 1948 schaffte der damalige Präsident José Figueres Ferrer 1949 sogar die Armee ab.

Stabilisierend kommt hinzu, dass das Land eher von kleinbäuerlichen Besitzverhältnissen geprägt ist und nicht von Großgrundbesitzern beherrscht wird, wie beispielsweise Nicaragua. Auch wenn es in Costa Rica Armut gibt: "Das Land ist stark auf sozialen Ausgleich und Kompromiss bedacht", betont der IIK-Experte.

(Autor: Steffen Leidel, Deutsche Welle, Bonn)

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