Nachhaltiger Tourismus als Chance

Tourismus für Mensch und Natur nachhaltig nutzen

Malische Töpferin in ihrer Töpferei
Einkommen durch Tourismus
Foto: Barbara Rocksloh-Papendieck

Beim nachhaltigen Tourismus in Entwicklungsländern stehen die Armutsbekämpfung und der Schutz biologischer Vielfalt im Vordergrund.

Für Karin Kortmann, Parlamentarische Staatsekretärin im Bundesentwicklungsministerium, sind dabei Umwelt- und Ressourcenschutz ebenso unverzichtbare Elemente wie faire Arbeitsbedingungen und kulturelle Rücksichtnahme. In ihrem Beitrag beleuchtet sie die Chancen und Rolle des nachhaltigen Tourismus bei der Armutsbekämpfung:

Bemühungen armer Länder nachhaltig unterstützen

Der Tourismus ist einer der weltweit am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige. Er stellt für Entwicklungsländer oft die wichtigste Einnahmequelle für Devisen dar. Über ein Drittel der weltweit 800 Millionen internationalen Reisenden zieht es in Entwicklungsländer.

Paddelboot mit Touristen auf einem Fluss auf den PhilippinenBild vergrößern Touristenführer erklärt das Mangrovensystem Foto: DED/Sybille Creutz

Viele arme Länder nutzen bereits dieses wirtschaftliche Potenzial und werden dabei von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit unterstützt. Die Menschen versprechen sich wirtschaftlichen Aufschwung und dadurch ein besseres Leben.

Risiken einer solchen rapiden Entwicklung liegen in der Abhängigkeit vom internationalen Reisemarkt, der von Naturkatastrophen oder politischen Krisen empfindlich beeinträchtigt werden kann. Kerngebiete des internationalen Tourismus mit vielen großen Hotelanlagen haben grundlegend ihr soziales, kulturelles und landschaftliches Gesicht verändert. Sie sind aber auch zu Zentren eines sich rasch entwickelnden wirtschaftlichen Lebens geworden.

Ökologische und soziale Schäden, die durch rücksichtslose Tourismusformen und umweltschädigende Hotelanlagen verursacht werden, sollen vermieden werden. Deshalb unterstützen wir vor Ort Partnerschaften, die in enger Zusammenarbeit mit der sozial und ökologisch engagierten Zivilgesellschaft transparente und partizipative Planungsprozesse gewährleisten.

Tourismus und Armutsbekämpfung

Tänzerin vor MenschengruppeBild vergrößern Kulturgut durch Tourismus erhalten Foto: DED/Grammatikopoulos

Ferntourismus wird meist mit Flugreisen (Klimabelastung) und abgeschlossenen Hotelanlagen ohne Kontakt mit der Bevölkerung und Güterbeschaffung aus dem Ausland in Verbindung gebracht. Diese Vorstellung hält einer näheren Betrachtung heute nicht mehr Stand.

Durch den politischen Druck von engagierten Organisationen, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen finden Umweltaspekte und eine stabile soziale Einbindung zunehmend Beachtung.

Immer mehr Veranstalter interessieren sich für Ausgleichsmaßnahmen für die Luftbelastung. Hotelanlagen öffnen sich für lokale touristische Angebote. Arbeitssuchende, Dienstleister und Zulieferer aus der Umgebung finden in Hotelanlagen attraktive Arbeitgeber und Geschäftspartner.

Etwa 20 Prozent der Ausgaben der Fernreisenden bleiben heute in der Urlaubsregion – eine Zahl, die nur von wenigen anderen Exportgütern erreicht wird.

Tourismus bringt aber nicht nur Geld. Er kann

  • Beschäftigung für wenig qualifizierte Menschen und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen,

  • durch umweltgerechte Energiegewinnung, Abfall- und Abwasserbeseitigung ökologische Verbesserungen bringen,

  • zu einer Verbesserung der regionalen Infrastruktur und damit zu attraktiven Rahmenbedingungen für eine angepasste Wirtschaftsentwicklung beitragen.

Diese positiven Effekte sind Entwicklungspotenziale. Sie sichern die Erfolge der Investitionen in Tourismus. Weil dies aber noch keineswegs gängige Praxis ist, unterstützen wir die entwicklungsorientierten Tourismuspotenziale.

Attraktionen sichern – Natur schützen, Kulturen erhalten

Eine Gruppe MassaifrauenBild vergrößern Lachende Massaifrauen in Kenia Foto: Jana Dotschkal

Landschaftliche Schönheit, der Reichtum der Tier- und Pflanzenwelt, klimatische Annehmlichkeiten, fremde Kulturen und freundliche Menschen bieten hochrangige Erlebnis- und Erholungsmöglichkeiten.

Tourismus kann wesentlich zur Erhaltung dieser Natur- und Kulturwerte beitragen, sie aber auch zerstören. Erhalten kann bei empfindlichen Ökosystemen heißen, sie vor menschlichen Eingriffen jeder Art zu schützen.

Viele lokale Initiativen bieten das Erleben von Sehenswürdigkeiten der Natur oder ihrer Lebens- und Arbeitsweise Reisenden an.

Diese Angebote können isolierte "Geheimtipps" bleiben, wie etwa der Trekking- und Kulturtourismus in den Bale-Bergen oder am Wenchi-Kratersee im südlichen Äthiopien.

Sie können aber auch zum "Markenzeichen" ganzer Regionen oder Länder werden. So wirbt beispielsweise Uganda mit seinen vielen Nationalparks mit zunehmendem Erfolg um die Gunst der Besucher aus aller Welt.

Aus Wilderern werden Wildhüter und Touristenführer

Drei Afrikanische Ranger im Nationalpark bei der Festnahme von zwei Wilderern.Bild vergrößern Festnahme von Wilderern im Schutzgebiet Foto: Zoologische Gesellschaft Frankfurt/Norbert Guthier

Tourismus stellt in vielen Fällen die einzige Möglichkeit der Finanzierung von Naturschutz und Schutzgebieten dar. Er ist damit eine wichtige Voraussetzung für deren Erhaltung. Ehemalige Wilderer können dann als Touristenführer eine neue Existenz finden und so zur Erhaltung der Tierwelt beitragen. Häufig bedürfen lokale Initiativen der Unterstützung im Betriebs- und Produktmanagement sowie bei der Öffentlichkeitsarbeit und im Marketing.

Tourismusförderung kann aber auch heißen, Menschen auf einem selbst bestimmten Entwicklungsweg zu begleiten. Dann bedeutet Entwicklungszusammenarbeit die Begleitung in einem offenen gesellschaftlichen Dialog. Angestrebt werden dabei Ziele wie Rechtssicherheit, Schutz von Minderheiten und Randgruppen oder die gleichberechtigte Stellung der Frau. Auch wirtschaftliche Chancen für mutige Initiativen und Zugang zu Bildung und Beruf zu schaffen, sind angestrebte Ziele.

Die Begegnung von Kulturen bei Tourismusformen, in denen das Interesse an Land und Leuten im Vordergrund steht, kann in nicht zu unterschätzendem Maß zum gegenseitigen Verständnis und so auch zur Sicherung des Weltfriedens beitragen.

Ökologisches Denken und bewusstes Reisen fördern

Die ökologische und in einigen Fällen auch soziale Verträglichkeit von touristischen Anlagen und Reiseangeboten wird von einer Vielzahl von Qualitätssiegeln bescheinigt. Sie macht dem Verbraucher die Entscheidung nicht immer leicht.

Forstexperte im tropischen Küstenwald Brasiliens beim Vermessen von Bäumen und PflanzenBild vergrößern Waldnutzung braucht eine nachhaltige Hand Foto: KfW-Bildarchiv/Rüdiger Nehmzow

Bemühungen um ein übersichtliches Zertifizierungssystem, das auch soziale Aspekte einschließt, sind im Kommen. Ein Beispiel ist die jährliche Verleihung des "To Do – Preises" durch den Studienkreis für Tourismus und Entwicklung. Mit ihm  werden dem nach einer eingehenden Prüfung besonders attraktive, ökologisch und sozial förderliche Angebote prämiert.

Um eine übergreifende Kennzeichnung von Nachhaltigkeit in der Tourismuswirtschaft bemüht sich die Rainforest Alliance, die dabei ist, einen "Sustainable Tourism Stewardship Council" (STSC) vorzubereiten.

Viele Regionen und Länder mussten erkennen, dass Tourismus ohne Kontrolle und nachhaltige Regeln keine unendlich sprudelnde Devisenquelle ist. Er kann nur als sinnvoller Bestandteil der Entwicklung wirken, wenn die Menschen und regionalen Strukturen in die Gestaltung und Erträge der Produkte eingebunden sind. Zudem muss dabei die Natur nachhaltig genutzt und für kommende Generationen bewahrt werden.

Autorin: Karin Kortmann, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, BMZ)

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