Spendenbereitschaft

Spendenbereitschaft: Deutsche halten Solidarität aufrecht

Mann spendet bei  Sternsingern
Trotz Krise - Spendenbereitschaft ungebrochen
Foto: BDKJ Gelsenkirchen / Felix Krebber

Hilfsprojekte der Entwicklungszusammenarbeit und Aktionen der Nothilfe steigern das Ansehen Deutschlands im Ausland. Etliche Hilfsaktionen und engagierte Hilfsorganisationen stehen als Markenzeichen für Solidarität und Hilfsbereitschaft der deutschen Bevölkerung. Denken wir an die Welle der großartigen Hilfs- und Spendenbereitschaft nach der Tsunami-Katastrophe in Südasien.

Die Finanzierung von Aktionen, Programmen und Projekten kommt überwiegend durch Spenden der Bevölkerung und die Zuwendungen verschiedener Träger zustande. Aber wie sieht es in Zeiten der globalen Finanzkrise und knapper Kassen mit der Solidarität und Hilfsbereitschaft aus? Das Magazin zur Entwicklungspolitik hat bei einigen Hilfsorganisationen nachgefragt, die ihre Mittelverwendung und ihr Spendenaufkommen in ihren erstellten Jahresberichten 2008 dokumentieren.

Welthungerhilfe – Menschen rücken enger zusammen

Die Spendenbereitschaft der deutschen Bevölkerung ist ungebrochen und beispielhaft. Dies wurde kürzlich bei der Vorstellung des Jahresberichts 2008 der Welthungerhilfe deutlich. Trotz Finanzkrise kann die Organisation auf ihr zweitbestes Ergebnis in der Geschichte zurückblicken. Rund 283.000 Menschen spendeten 37,1 Millionen Euro. Übertroffen wurde diese Spendensumme nur 2005 durch die Tsunami-Katastrophe. Rund 90 Prozent der Spenden fließen laut Welthungerhilfe direkt in ihre Projekte.

Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe: „Im vergangenen Jahr haben uns unsere Spenderinnen und Spender trotz der Probleme auch in Deutschland weiterhin unterstützt, dafür sind wir sehr dankbar. Ich glaube, dass gerade in Krisenzeiten die Menschen enger zusammenrücken und Werte wie Solidarität und Gerechtigkeit wieder wichtiger werden." Prognosen könne man wegen der weltweiten Lage zwar nicht abgeben, aber man hoffe weiterhin auf das Vertrauen der Spenderinnen und Spender.

Auch die Summe der öffentlichen Zuwendungen stieg. Insgesamt wurde die Welthungerhilfe vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit 23,2 Millionen Euro bezuschusst. Damit profitieren auch die Projekte der Welthungerhilfe von der Erhöhung des Haushaltsetats für Entwicklungszusammenarbeit.

„Brot für die Welt“ - großer Vertrauensbeweis

Das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" hat im Jahr 2008 wieder einen erfreulichen Spendeneingang verzeichnen können. Trotz Wirtschafts- und Finanzkrise blieb das Aufkommen nur knapp unter dem Vorjahresergebnis von 52,8 Millionen Euro.

Das tatsächliche Spendenaufkommen für 2008 liegt bei etwa 52,5 Millionen Euro. Diesen großen Zuspruch der Spenderinnen und Spender sieht das evangelische Hilfswerk als einen großen Vertrauensbeweis für seine Arbeit. In der Entwicklungszusammenarbeit spielt auch die ökumenische Kooperation mit dem katholischen Partner "Misereor" eine wichtige Rolle. Die Bundesregierung sieht dieses Engagement der Kirchen mit ihrer Nähe zu den Menschen als hervorragende Ergänzung der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit.

Seit seiner Gründung 1959 hat "Brot für die Welt" rund 20.000 Projekte in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa gefördert. Bis zum Jahr 2006 sind insgesamt 1,8 Milliarden Euro an Spenden eingegangen. Damit konnte vielen armen und bedürftigen Menschen wieder eine Zukunft gegeben werden und die Basis für ein menschenwürdiges Leben. Das Hilfswerk hofft, auch in Zukunft mit Unterstützung der vielen Spenderinnen und Spender diese Arbeit weiterführen zu können.

Misereor – Herzen offen

Professor Josef Sayer, Vorsitzender des Bischöflichen Hilfswerks Misereor spricht vom großen Herzen der deutschen Bevölkerung. „Die Menschen haben trotz der Krise die Solidarität mit ihren Schwestern und Brüdern, die in Armut leben müssen, aufrecht erhalten. Trotz Krise, die sie bereits  zum Teil auch selbst am eigenen Leib spüren, halten sie ihre Herzen offen für die Nöte der anderen.“

Bei seiner Jahrespressekonferenz weist Misereor für 2008 ein Spendenaufkommen von 55 Millionen Euro aus. Misereor konnte damit im 50. Jahr seines Bestehens eine Steigerung um über fünf Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Aus Haushaltsmitteln der Diözesen erhielt Misereor 8,9 Millionen Euro. Die Bundesregierung unterstützt die kirchliche Entwicklungszusammenarbeit seit den 60er Jahren durch Zuwendungen über das Bundesentwicklungsministerium (BMZ). Aus diesen Mitteln erhielt Misereor 94,2 Millionen Euro (gegenüber 87,6 Millionen Euro im Vorjahr).

„In dieser erfreulichen Erhöhung sehen wir das Vertrauen bestätigt, das die Regierung und das Parlament zur kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit haben. Diese Arbeit der Kirche erreicht die hintersten Winkel der Erde und ist auch dort präsent, wo staatliche Entwicklungszusammenarbeit nicht hingelangt“, so Sayer. In den 50 Jahren seines Bestehens hat Misereor in Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien mehr als 95.000 Projekte mit über 5,5 Milliarden Euro gefördert.

Medico international - Zeichen der Solidarität

Auch die Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international zog Ende Mai in Frankfurt ihre Jahresbilanz, die ebenfalls die große Spendenbereitschaft in Deutschland widerspiegelt. Ihr gelang eine Spendensteigerung um 7,7 Prozent auf fast 2,4 Millionen Euro.

Trotz globaler Wirtschaftskrise sind bei medico international die Spendeneinnahmen und die Anzahl der Fördermitglieder im letzten Jahr erneut gestiegen. Bernd Eichner von medico international: „Es freut uns, dass unsere Spenderinnen und Spender gerade in Zeiten der Krise ein Zeichen ihrer Solidarität setzen wollen." 

medico international, die ihre Anfänge 1968 in der Hilfe für Biafra und Vietnam fand, konnte voriges Jahr auf ihr 40-jähriges Bestehen zurückblicken. Der Jahresetat von medico international betrug 2008 insgesamt etwas mehr als 10 Millionen Euro. Die Frankfurter Organisation realisierte im vergangenen Jahr 61 Projekte in 20 Ländern. 

Deutsches Rotes Kreuz – Solidarität besteht weiter

Svenja Koch vom Deutschen Roten Kreuz konnte ebenfalls erfreuliche Zahlen vermelden. 2008 hat das Deutsche Rote Kreuz rund 30 Millionen Euro an Spenden bekommen, davon einen großen Teil für die Auslands- und Katastrophenhilfe. Das ist zwar normaler Durchschnitt, verglichen mit vergangenen Jahren. Es zeigt aber auch, dass sich die Finanzkrise auf die Solidarität mit den Ärmsten dieser Welt noch nicht auswirkt. "Auch über die Unterstützung etwa zur Bekämpfung der Cholera-Epidemie in Simbabwe im Winter 2008/2009 können wir nicht klagen."

Auf lange Sicht sei eine Prognose zur Zeit schwierig, so Svenja Koch. "Da sich die Auslands- und Katastrophenhilfe des DRK aber auch auf öffentliche Zuwendungen stützt, sehen wir das Schrumpfen des Bruttosozialprodukts EU-weit mit Sorge, weil dann automatisch anteilig weniger Mittel für die Hilfe bereitstehen könnten. Noch aber sind unsere Projekte finanziert."

terre des hommes - positives Ergebnis im Rücken

Auch terre des hommes ist mit der wirtschaftlichen Bilanz des Jahres 2008 sehr zufrieden und betrachtet das verlässliche Engagement seiner Spenderinnen und Spender mit Freude. Die Spendeneinnahmen beliefen sich auf gut 13 Millionen Euro - ein Zuwachs von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommen 13,9 Prozent Einnahmen durch Kofinanzierungen, vornehmlich von der Europäischen Union und dem Bundesentwicklungsministerium. Die Gesamteinnahmen von terre des hommes beliefen sich im Jahr 2008 auf knapp 16,7 Millionen Euro. Auch dies ist eine leichte Steigerung in Höhe von 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Danuta Sacher, Geschäftsführerin von terre des hommes: "Dies zeigt, dass die Anliegen von terre des hommes auch in Zeiten der Krise auf die Unterstützung und Solidarität unserer Spenderinnen und Spender zählen konnten. Mit diesem positiven Ergebnis im Rücken machen wir in diesem Jahr mit einer Jahreskampagne verstärkt auf die Situation der rund 25 Millionen Binnenvertriebenen aufmerksam."

Auf der Ausgabenseite wurden die Partnerprojekte mit rund 17,2 Millionen Euro gefördert. Dabei wurden auch die Restmittel der Tsunami-Hilfe eingesetzt. Unterstützt wurden insgesamt 454 Projekte in 29 Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas sowie in Deutschland.

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