Senegal

Der Senegalhilfe-Verein - Initiative schafft Zukunft

Gruppe von Behinderten tanzt ausgelassen in farbenfroher Kleidung vor Publikum
Trotz Behinderung: Freude am Tanzen
Foto: Senegalhilfe-Verein, Trippstadt

Senegal, eines der ärmsten Länder der Erde, liegt im äußersten Westen des afrikanischen Kontinents. Mehr als 17 Prozent der Menschen dort leben von weniger als umgerechnet einem US-Dollar pro Tag.

Neue Vorschule in Guityr

War das eine Freude im Buschdorf Guityr nordöstlich von Mbour: Beim Fest zur Grundsteinlegung der neuen Vorschule wurde ausgelassen gefeiert. Die Kinder schwenkten ihre selbstgebastelten Papierfähnchen mit den deutschen und den senegalesischen Nationalfarben. Die Frauen tanzten zu Ehren der deutschen Gäste, während die Trommler für den afrikanischen Rhythmus sorgten.

Das Vorschul-Projekt wird vom Senegalhilfe-Verein e.V. (SHV) durchgeführt, der eine dringende Zukunftsaufgabe darin sieht, die Bildung der Kinder in Schule, Vorschule und Kindergarten zu fördern. Denn erfahrungsgemäß sind nachhaltige Fortschritte in der Entwicklungsarbeit nur dann zu erreichen, wenn die Bildungsangebote bereits im Kindergarten- und Vorschulbereich einsetzen und konsequent ausgebaut werden.

Unter den aufmerksamen Blicken der Dorfbewohner wird der Grundstein gelegtBild vergrößern Der Grundstein für die neue Vorschule wird gelegt Foto: Senegalhilfe-Verein, Trippstadt

Kinder in den Dörfern Afrikas leben anders. Ohne die Einrichtung einer organisierten Bildung und Erziehung  fehlen ihnen entscheidende Erfahrungen: Sie haben nicht gelernt zu spielen und sind oft nicht in der Lage, Zusammenhänge zu kombinieren oder Beobachtungen zu koordinieren. Es fehlt an Sauberkeit und Hygiene.

In Gesprächen mit Lehrern wird immer wieder bestätigt, dass Kinder mit Vorschulbildung deutlich bessere Voraussetzungen zum Lernen und Verstehen mitbringen. Auch das kommunikative Verhalten ist besser ausgeprägt.

Das Dorf Guityr liegt mitten im Busch, weitab von der nächsten Stadt und ist nur über eine Schotterpiste erreichbar. Bereits jetzt gibt es in einem kleinen Gemeinschaftsraum eine Vorschule. Auf einer Fläche von etwa 40 Quadratmetern sitzen über 100 Kinder mit zwei Erzieherinnen eng zusammen. Es fehlt an Spielzeug, Lehr- und Lernmaterial.

Die Vorschulkinder macht es glücklich, in allernächster Nähe ihre neue Vorschule wachsen zu sehen – mit drei Klassenräumen, einer Küche, einem Lehrerzimmer. Außerdem entsteht eine Toilettenanlage. Alle Räume sind mit Fliesen ausgestattet und überall werden Abfalleimer aufgestellt. Dies ist ein wichtiger Teil der Erziehung zur Sauberkeit, zugleich aber auch der Ausgangspunkt zur Einhaltung von Ordnung und zum sorgfältigen Umgang mit den Spielzeugen und den Einrichtungsgegenständen.

Rohbau der VorschuleBild vergrößern Die neue Vorschule in Guityr - Chancen durch Bildung Foto: Senegalhilfe-Verein, Trippstadt

Es zeigt sich immer wieder, dass sich die Lerneffekte bei den Kleinen auf die Sauberkeit und Ordnung im ganzen Dorf positiv auswirken. Die Mütter der Vorschulkinder wiederum werden einen besonderen Kontakt zu der Schule bekommen, denn sie bereiten mindestens einmal wöchentlich in der Küche das gemeinsame Essen zu.

Menschen eine Zukunft geben

Der SHV engagiert sich seit 1985 in diesem Teil des afrikanischen Kontinents. Er hat mit der Unterstützung  des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bereits mehr als 100 Projekte realisieren können.

Ein Schwerpunkt des Vereins liegt in der Arbeit mit körperlich Behinderten. In drei großen Behindertenzentren in den Städten Mbour, Thiès und Tivaouane im Westen Senegals werden junge Menschen als Schneider, Schuhmacher, Buchbinder und Schreiner ausgebildet. In Mbour gibt es auch eine orthopädische Abteilung mit fachärztlicher Betreuung und einer orthopädie-technischen Werkstatt. Den Zentren sind außerdem Kindergärten, Hauswirtschaftsklassen und ambulante Krankenstationen angeschlossen. Zur musisch-kulturellen Bildung wurden Tanz– und Theatergruppen eingerichtet, die nicht nur zu Aufführungen in Ferienhotels, sondern auch zu internationalen Festspielen eingeladen werden.

Die in den Behindertenzentren ausgebildeten Handwerker werden mit einem Programm bei Kleinprojekten zur Existenzgründung unterstützt. Sie können zum Beispiel in ihrem Heimatdorf eine kleine eingerichtete Werkstatt mit allem für den Anfang notwendigen Material erhalten. Ähnliche Unterstützung finden kleine „Tante- Emma-Läden“, Kioske, Schreibcenter, Transportunternehmen mit Pferdewagen oder Verleihstellen.

Hilfe zur Selbsthilfe erfahren auch die Absolventen eines landwirtschaftlichen Ausbildungszentrums in der Region Sandiara. Wegen der schwierigen Situation der vielen kleinbäuerlichen Betriebe werden hier junge Leute speziell in Gartenbau, Hühnerhaltung, Bullenmast und Kaninchenzucht ausgebildet. Der Verein unterstützt die ehemaligen Schüler und Schülerinnen des Ausbildungszentrums jeweils mit einem bestimmten Objekt, das der Verbesserung ihrer Existenzgrundlage dient. Die Einrichtung einer kleinen Ranch mit Bullenmast steht auf der Wunschliste meist an erster Stelle.

Den Menschen eine Perspektive für die Zukunft zu geben, dieses Ziel erreicht der Senegalhilfe-Verein auch mit seinem Projekt in Guityr. In wenigen Wochen wird es dort wieder ein großes Fest geben, dann nämlich, wenn die neue Vorschule feierlich eingeweiht wird.

(Autorin: Doris Racké, Vorsitzende des Senegalhilfe-Vereins e.V., Trippstadt)

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