Indien

Entwicklung braucht gute Lehrkräfte

Die Qualität des Schulunterrichts steht und fällt mit den Qualifikationen und pädagogischen Fähigkeiten des Lehrpersonals. Dies gilt auch für die Schulbildung in der Entwicklungszusammenarbeit. Arme Länder haben nicht nur ein enormes Defzit an Bildungseinrichtungen, sondern auch ein Defizit an gut ausgebildeten und motivierten Lehrern mit gerechter Bezahlung.

Eines der Hauptprobleme ist das geringe Ansehen des Berufes. Entgegen unserer Auffassung in Deutschland haben Lehrer weltweit ein schlechtes Image und genießen so gut wie keine Anerkennung. Sie stehen in vielen Entwicklungsländern ganz unten auf der sozialen Leiter.

Gerade Grundschullehrer leiden unter der geringen Wertschätzung, die sich auch in unzureichenden Löhnen ausdrückt. Viele haben einen Zweitjob, um überhaupt über die Runden zu kommen. Erschwerend kommen Verzögerungen bei der Auszahlung der Gehälter hinzu. Monatelang müssen Lehrer in vielen Ländern auf ihr Gehalt warten - nicht gerade förderlich für die Arbeitsmoral.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen, die an Lehrer gestellt werden. Innovative Unterrichtsmethoden statt Frontalunterricht sind kein Luxus für reiche Industrieländer. Aus lernpsychologischer Sicht sind sie eine schiere Notwendigkeit und vor allem nötig, um die Entwicklungsziele im Bildungsbereich zu erreichen.

Don Bosco fördert Lehrerausbildung

Die Salesianer Don Boscos setzen deshalb seit einigen Jahren verstärkt auf die Ausbildung und Weiterbildung guter Lehrer. Der katholische Sozialorden kümmert sich in 132 Ländern der Welt um benachteiligte Kinder und Jugendliche. Besonders in der beruflichen Bildung, der Grund- und Sekundarschulbildung, aber auch in der Betreuung von Straßenkindern gelten die Salesianer als Experten.

In Guwahati, einer schnell wachsenden Metropole in Nord-Ost Indien, haben die Ordensleute das Don Bosco Institute gegründet. Das Weiterbildungszentrum ist Anlaufstelle und Qualifizierungszentrum für Lehrer und Erzieher in der gesamten Region. 37 Prozent der Menschen im Bundesstaat Assam sind Analphabeten. „Nachdem wir massiv den Bau von Schulen unterstützt haben, untersuchten wir 1988 zum ersten Mal systematisch die Qualität und den Nutzen der Schulen. Es wurde klar, dass wir viel stärker mit den Lehrern zusammenarbeiten sollten und ihnen Hilfestellung bieten müssen“, so Pater V. M. Thomas SDB, der Leiter der Don Bosco Einrichtung.  

In den Jahren 2001 bis 2004 hat die Bonner Nichtregierungsorganisation "Don Bosco Jugend Dritte Welt" die Arbeit des Don Bosco Institutes (DBI) um den Bereich der beruflichen Bildung erweitert. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat die Arbeit finanziell unterstützt. Mit dem Bau von zwei Wohnheimen mit Sozialräumen wurde 2005 bis 2007 die Grundlage  für die  Weiterbildung von Lehrern und Multiplikatoren im pädagogischen Sektor gelegt.  Vom Drei-Tages Crash-Kurs bis zum Halbjahres Intensivkurs - am DBI können die Mitarbeiter flexibel reagieren und auf die Bedürfnisse der einzelnen Lehrer eingehen.

Rechnen spielerisch lernen

Besonders Grundschullehrer werden zur regelmäßigen Weiterbildung ermuntert. Typische Module sind etwa Zeitmanagement, neue Lehrmethoden, Aids-Aufklärung, Englisch und Mathematik. Gerade letztere sind für den indischen Arbeitsmarkt außerordentlich wichtige Fähigkeiten. Untersuchungen zeigten jedoch, dass viele Lehrer extreme Probleme in diesen Fächern hatten. Ein Teilnehmer aus Mizoram bringt es auf den Punkt: „Für mich war der Kurs eine sehr gute Erfahrung. Ich habe gelernt, wie ich mathematische Themen mit dem Alltag verknüpfen kann, durch Geschichten, Spiele und Puzzles.“

Mehr als 6.000 Lehrer haben allein in den letzten drei Jahren eine Trainingsmaßnahme am DBI absolviert. Gewünscht ist außerdem eine Vernetzung unter den Teilnehmern. Besonders in abgelegenen Dorfschulen fehlt es Lehrern an Austauschmöglichkeiten. Inzwischen haben sich viele kleine Netzwerke gebildet. Das DBI unterstützt diese dabei mit vier Seminaren und Workshops im Jahr.

Hilfe auch für Flüchtlingskinder

Durch die entwicklungsbezogene Weiterbildung hat sich auch die Perspektive des DBI selbst verändert. Gemeinsam mit dem deutschen Kinderhilfswerk Childaid in Königstein errichten Pater Thomas und sein Team Grundschulen für Flüchtlingskinder in der nordostindischen Region Kokrajhar. Heute unterrichten bereits 50 eigens ausgebildete Lehrer mehr als 2.500 Flüchtlingskinder.

Bei der Vernetzung hilft besonders eine große Konferenz, die das Zentrum jährlich ausrichtet. Bei all diesen Aktivitäten erfahren die Pädagogen eine Aufwertung ihres Berufes. „Wir vermitteln den Lehrern ein neues Selbstwertgefühl. Nach unserem Verständnis sollen sie erziehen, lehren und führen. Nicht die reine Wissensvermittlung steht im Vordergrund, sondern der ganzheitliche Erziehungsansatz“, fasst Pater Thomas die Arbeit des Don Bosco Trainingszentrums zusammen. Er sieht alle Beteiligten an der Schule einem lebenslangen Lernprozess unterworfen.

Neues Selbstbewusstsein der Lehrer

Das gewachsene Selbstbewusstsein der Pädagogen zahlt sich aus. Ein Absolvent eines Managementkurses für Schuldirektoren erzählt, er sei nun festes Mitglied im Komitee für Dorfentwicklung. Auch in anderen Dörfern werden Lehrer und Schuldirektoren nun als wichtige Akteure im Kampf gegen soziale Probleme wahrgenommen. Am meisten profitieren sicherlich die Schüler von der verbesserten Unterrichtsqualität.

Das Problem der geringen und verspäteten Löhne kann auch durch Einrichtungen  privater Träger und den kooperierenden Nichtregierungsorganisationen nicht vollständig gelöst werden. Hier bleibt der Staat in der Pflicht, seiner Aufgabe nachzukommen. Tut er es nicht, bleiben tausende Schüler auf der Strecke.

(Autorin: Ulla Fricke, Referentin Öffentlichkeitsarbeit, Don Bosco Mission, Bonn)

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