Erfahrung schafft Zukunft

Erfahrung weitergeben - Lebenschancen eröffnen

Der Senior Experte Eberhard Stephan an der Drehbank in der Berufsschule des SOS-Kinderdorfes in Addis Abeba mit angehenden Facharbeitern
Äthiopien: Werkzeugkunde und die Wartung von Werkmaschinen trainieren
Foto: SES

Von Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, ZDH

Der Senioren Experten Service (SES) ist ein hervorragendes Beispiel für den ehrenamtlichen Einsatz von Führungskräften und Unternehmern über ihr Berufsleben hinaus. Die Arbeit des SES beziehungsweise der Stiftung der deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit belegt einmal mehr die gesellschaftliche Verantwortungsbereitschaft der Wirtschaft.

Lange bevor über Corporate Social Responsibility (CSR) diskutiert wurde, nämlich bereits seit 26 Jahren, werden durch den SES Hilfen für Unternehmen weltweit angeboten. Dabei sind durchaus Parallelen zwischen der freiwilligen, aber sehr professionellen Seniorenaktivität des SES und der Handwerksorganisation ZDH erkennbar. Beide Organisationen bedienen mit den Aktivitäten Qualifizierung und Hilfe zur Selbsthilfe die gleichen wesentlichen Förderelemente.

Das Handwerk gilt zu Recht als Ausbilder der Nation. Kein anderer Wirtschaftsbereich leistet in der Aus- und Weiterbildung Vergleichbares. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass viele motivierte Senioren-Expertinnen und –Experten aus dem breiten Berufsspektrum des Deutschen Handwerks kommen. Die fachliche Kompetenz war und ist das wichtigste Merkmal unserer Betriebe. Nur durch eine hohe Qualifizierung unserer Mitarbeiter werden wir den Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb behaupten können.

Der Senior Experten Service wird von vier Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft getragen:


dem Bundesverband der Deutschen Arbeitgeberverbände e.V. (BDA),
dem Zentralverband des Deutschen Handwerks e.V. (ZDH),
dem Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) und
dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag e.V. (DIHK).

Entwicklung schafft gesellschaftliche Stabilität

Portrait des Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Otto Kentzler.Bild vergrößern Unterstützer des SES: Otto Kentzler, Präsident des ZDH Foto: ZDH/Stegner

Aus dem gleichen Grundgedanken heraus verfolgt der SES das strategische Ziel, durch Qualifizierung in Entwicklungs- und Schwellenländern wirkungsvolle Aufbauarbeit zu leisten. Die Förderung des weltweiten Wohlstands ist zudem ein wichtiger Beitrag zur Friedenssicherung und zum Aufbau demokratischer Strukturen.

Dabei profitiert natürlich auch die deutsche Wirtschaft von gesellschaftlicher Stabilität und wirtschaftlicher Entwicklung in möglichst vielen Ländern weltweit. Unser gesellschaftlicher Wohlstand resultiert in einem hohen Maße aus den internationalen Verflechtungen Deutschlands.

Aus diesen Gründen unterstützt und initiiert der ZDH regelmäßig Projekte zur Entwicklungszusammenarbeit und fördert die außenwirtschaftlichen Aktivitäten der Handwerksbetriebe. Daher ist auch naheliegend, dass das Handwerk einer der Gründungsorganisationen des SES war und bis heute in enger Verbundenheit zum SES steht.

Hilfe praxisnah gestalten

Hilfe zur Selbsthilfe bieten die Handwerkskammern und Fachverbände unter anderem durch ihr umfassendes Beratungsnetzwerk. Es behandelt alle Fragestellungen der Unternehmensführung von der Ausbildung über Recht, Betriebswirtschaft und Technik bis zur Formgebung und Denkmalpflege. Auch hier geht der SES vergleichbare Wege.

Seine Berater sind in Ruhestand getretene Fachleute aus den Bereichen der Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften, aber auch zahlreiche erfahrene Handwerksmeister. Sie helfen im In- und Ausland Unternehmen und Organisationen effiziente Strukturen zu schaffen, eigene Stärken zu erkennen, Produkte zu entwickeln beziehungsweise zu verbessern und die Qualität zu sichern.

SES-Friseurmeisterin beim Haareschneiden, umringt von jungen angehenden Friseurinnen.Bild vergrößern Friseurinnen trainieren: Ursula Schwede zeigt in Rumänien, wie es geht. Foto: SES

Dabei ist das Ausbilden von Ausbildern vor Ort von großer Wichtigkeit, damit sich das Fachwissen in den Ländern möglichst schnell verbreitet. Unternehmen brauchen gut ausgebildete Fachkräfte. Die Verbesserung der beruflichen Ausbildung ist daher auch ein wichtiger Schwerpunkt für den SES-Einsatz im Ausland. Handwerkliche Berufe (Bäcker, Metzger, Tischler, Schreiner, KFZ, Metall- und Elektrogewerke) werden dort am häufigsten angefordert. Senior Experten helfen, die Ausbildungsgänge praxisnah zu gestalten und Ausbildungswerkstätten einzurichten.

Zurück aus den Einsätzen sind sie in vielen Fällen für ihre ausländischen Firmen noch in Deutschland tätig. Sie vermitteln zum Beispiel den Kauf von Ausrüstungen und Maschinen oder Unterrichtsmaterialen für Berufsschulen oder organisieren Messe- und Firmenbesuche.

Ehrenamtliche Hilfe genießt hohes Vertrauen

Im Inland hat der SES seine Aktivitäten zunehmend ausgeweitet. Auch in Deutschland nutzen kleine und mittelständische Betriebe den wertvollen Rat und die Begleitung von ehrenamtlichen Experten aus Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung. Da sie keine finanziellen Interessen verfolgen, genießen sie ein hohes Vertrauen, das die Beratung deutlich erleichtert. Sie können dabei die Arbeit der eher auf Kurzberatungen spezialisierten Experten der Handwerksorganisationen effektiv unterstützen.

Nicht selten gehen deren Beratungsergebnisse und Umsetzungsvorschläge im Alltagsgeschäft der Unternehmer unter. Die Senioren Experten können dafür sorgen, dass die Vorschläge aus diesen Beratungen in den Unternehmen mittels einer langfristigen Begleitung auch tatsächlich umgesetzt werden können.

Der SES hat sich zusammen mit dem ZDH das Ziel gesetzt, diese Zusammenarbeit auszubauen. Dazu wurden Handwerksbeauftragte ernannt. Diese SES-Mitarbeiter sind ebenfalls ehrenamtlich wirkende Ruheständler, die noch bis vor kurzem eine maßgebliche Position in den Handwerksorganisationen inne hatten. Sie nutzen nun den wertvollen Kontakt zu den alten Kollegen effektiv zur Intensivierung der Kooperation mit dem SES.

Der Jugend die helfende Hand auf die Schulter legen

Gerade in letzter Zeit bemüht sich zu meiner großen Freude die Organisation der Senioren Experten verstärkt um die Jugend. Besonders hervorheben möchte ich ein Projekt, das in Nordrhein-Westfalen in allen Schulen mit großer Resonanz durchgeführt wird. Die Senioren übernehmen dort im Rahmen des NRW-Schulungsprogramms die unterschiedlichsten Aufgaben. Sie helfen den Schülern bei der Verbesserung ihrer Sprach- und Lesekompetenz sowie mathematischer Fähigkeiten. Oder sie unternehmen Aktivitäten, die das Interesse der Schüler an Naturwissenschaften, Handwerk und Technik fördern.

Zielsetzung eines weiteren Programms (VerA), an dem der ZDH mitgewirkt hat, ist die Verringerung der Ausbildungsabbrüche durch Einsätze von SES-Ausbildungsbegleitern. Durch ihre hohe Lebens- und Berufserfahrung können sie auch noch dort Lösungen entdecken, wo mancher Jugendlicher keinen Ausweg mehr sieht.

Nicht selten lassen sich die Jugendlichen eher von der Generation der Großeltern als der eigenen Eltern positiv beeinflussen. Die Senioren haben dabei den Vorteil, dass sie unmittelbar aus der Praxis kommen und damit überzeugend auf die Jugendlichen wirken können.

(Autor: Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, ZDH)

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