Mali in Westafrika ist eines der ärmsten Länder der Welt. Fast drei Viertel der 12 Millionen Einwohner leben von weniger als einem Euro am Tag. Armut geht häufig mit fehlender Bildung einher. Fast 70 Prozent der Malier können weder Lesen noch Schreiben. Die Initiative „Sterntaler für Afrika“ will das ändern und hat das erste Projekt erfolgreich abgeschlossen. In Niamana, einem 900 Seelen-Dorf sechs Stunden östlich der Hauptstadt Bamako, wurden zwei Klassenzimmer errichtet. Der Bau wurde tatkräftig von den Bewohnern unterstützt. Eine Erfolgsgeschichte für „Sterntaler für Afrika“ und für Niamana.
Im Jahr 2006 hatte der Initiator von Sterntaler die Idee, eine Brücke der Partnerschaft zwischen Deutschland und Afrika zu bauen. Mali wurde ausgewählt, weil das Land als eines der wenigen auf dem schwarzen Kontinent seit fast 20 Jahren über eine stabile Demokratie verfügt.
Anfang 2008 entschloss sich der Verein, dort ein nachhaltiges Projekt zum Thema Bildung ins Leben zu rufen. Angetrieben von Nelson Mandelas Motto: „Bildung ist die stärkste Waffe, mit der wir die Welt verändern können“.
Als erstes großes Projekt entschloss sich die Initiative zu einem Schulanbau in Niamana, einem Dorf, in dem fließend Wasser und Strom Fremdwörter sind. Eine Schule in Niamana gab es zwar. Doch zum einen drängten sich aus Platzmangel bis zu 100 Kinder in einen Raum. Zum anderen ist die Lebensdauer der aus traditionellem Lehm erbauten Gebäude begrenzt. Somit war die Idee geboren, der Gemeinde dabei zu helfen, zwei dringend benötigte Klassenzimmer aus Betonziegeln zu bauen.
Eine erste Kalkulation für das ehrgeizige Projekt ergab einen notwendigen Betrag von 20 000 Euro, der durch eine wahre Spendenrallye in kurzer Zeit sogar übertroffen wurde. Die "Sterntaler" schlossen zunächst Kooperationen mit lokalen Partnern. Im Oktober 2008 startete dann die Grundsteinlegung.
Doch wichtig ist den Sterntalern, immer das Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" in der Praxis umzusetzen. Da das Dorf die Schule nicht nur dringend benötigte, sondern auch wirklich wollte, packten die Bewohner des ganzen Dorfes mit an. Fast rund um die Uhr schleppten die Niamaner mit ihren Eselskarren den Schutt weg und die Ziegeln heran. Sie sorgten im Schichtdienst dafür, dass das Projekt nach und nach Gestalt annahm. Die Projektleitung wurde gemeinsam mit dem Bürgermeister von Niamana übernommen. So wurde sichergestellt, dass die Schule von malischer Seite nachhaltig betrieben wird und das Projekt trotz Zeit- und Kostendruck planmäßig durchgeführt werden konnte.
Anfang Dezember wurden die letzten Stufen verputzt und die letzte Farbe aufgetragen. Nach nur sechs Wochen erstrahlten die beiden Schmuckstücke in weinrot und weiß auf dem Schulgelände von Niamana. Auch das Mobiliar, das der Verein gemeinsam mit dem lokalen Schreiner gebaut hatte, stand bereit.
Die Schüler trugen die Tische und Bänke eigenhändig in die neuen Räume. Planmäßig konnte der Verein den Schlüssel symbolisch an den Bürgermeister des Dorfes überreichen, bevor Schüler und Lehrer dem Stolz des Ortes Leben einhauchten. In nicht einmal einem Jahr entstanden im Dorf Niamana aus dem Nichts zwei neue, hochwertige Klassenzimmer.
Die Schule wird vom Dorf in Eigenregie betrieben, was die Nachhaltigkeit des Projektes sicherstellt. Nun werden jedes Jahr knapp 200 Kinder unterrichtet - ein großer Schritt Richtung bessere Zukunft.
Kurzfristig soll mit den Spenden und Mitgliedsbeiträgen die Ausstattung und Bildungsqualität an der Schule verbessert werden. Denn mit Schulmaterial wie Bücher, Hefte und Stifte sieht es noch nicht rosig aus. Außerdem will die Initiative mit Lehrerfortbildungen erreichen, dass sich die Qualität des Unterrichts und der Bildung der Schüler dauerhaft verbessert. Der Bau weiterer Bildungseinrichtungen in Mali steht auch für die Zukunft auf der Wunschliste des Vereins.
(Autor: Jürgen Nagler, Vorsitzender Sterntaler für Afrika e.V., München)