In Simbabwe leben mehr als 70 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Auch von der Aids-Epidemie ist das Land stark betroffen: 35 Prozent der Bevölkerung sind HIV-positiv und bereits jetzt gibt es schon mehr als eine Million Aids-Waisen. Konnten früher noch viele Waisenkinder bei Verwandten unterkommen, sind die familiären Strukturen heute kaum noch in der Lage, diese Situation zu meistern.
Die aktuelle Cholera-Epidemie, die seit November 2008 in Simbabwe verstärkt aufgetreten ist, breitet sich immer weiter aus. Derzeit hat die Epidemie bereits über 3.400 offizielle Todesopfer gefordert. Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein. Infiziert sind bis Mitte Februar über 70.000 Menschen. Unicef und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mussten das anfangs prognostizierte Worst-Case-Szenario von 60.000 Infizierten bereits korrigieren. Die allgemeine Lebenserwartung in Simbabwe lag bereits vor dem Cholera-Ausbruch bei nur 33 Jahren und ist damit die niedrigste der Welt.
Die wenigen funktionierenden Krankenhäuser waren auch vor der Epidemie kaum noch in der Lage, ihre Patienten zu versorgen. Der Versorgung der Cholera-Patienten ist keiner mehr gewachsen. Das Bild, das sich den Mitarbeitern von HELP dort zeigt, ist nur schwer zu verkraften. Patienten liegen nebeneinander auf dem Boden – zum Teil in ihrem Erbrochenen. Es fehlt an Decken, Tüchern, Desinfektionsmitteln, Medikamenten, ja sogar an sauberem, fließendem Wasser.
Ärzte und Schwestern haben keine Schutzkleidung und müssen Patienten in ihrer Privatkleidung behandeln. Das verstärkt die Verbreitung der Cholera weiter. Ohnehin müssen sie Ihren Dienst ohne nennenswerte Entlohnung verrichten. Wenn sie überhaupt noch ein Monatsgehalt erhalten, ist dank der Hyperinflation dafür nicht mehr als ein Brot im Monat zu kaufen. Mittlerweile müssen Patienten schon außerhalb der überfüllten Krankenhäuser in notdürftig errichteten Zelten versorgt werden.
Kein sauberes Trinkwasser
Ursache für die Cholera-Epidemie ist hauptsächlich die mangelhafte Versorgung mit sauberem Trinkwasser und unzureichende Abwassersysteme. Da die Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, nutzen viele gebrochene Abwasserleitungen zur eigenen Wasserversorgung. Das verschmutzte Wasser kann auch nicht abgekocht werden, da es keinen Strom gibt.
Die Versorgung mit Nahrungsmitteln sieht nicht besser aus. Mehr als fünf Millionen Menschen sind in Simbabwe nach Angaben des Welternährungsprogramms auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Wer ohnehin schon geschwächt und chronisch unterernährt ist, hat hier kaum eine Überlebenschance im Kampf gegen die Cholera. Wer in Deutschland die Berichte aus Simbabwe verfolgt, fühlt sich dabei eher an die Pest im Mittelalter erinnert. Man kann sich kaum vorstellen, dass eine derartige Situation im 21. Jahrhundert möglich ist.
HELP und andere internationale Nichtregierungsorganisationen, die in Simbabwe im Einsatz sind, versuchen alles, um den notleidenden Menschen zu helfen. HELP versorgt landesweit Krankenhäuser und Krankenstationen mit Medikamenten und medizinischen Hilfsgütern. Vor allem zur Bekämpfung der Cholera hat HELP eine erste Sofortlieferung mit Medikamenten und dringend benötigtem medizinischem Verbrauchsmaterial Anfang Dezember ins Land gebracht.
Daneben führt HELP bereits seit Jahren landwirtschaftliche Projekte durch, bei denen Saatgut und Düngemittel verteilt werden, um die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln sicherzustellen. Durch die Rehabilitierung von Bohrlöchern kann HELP die Wasserversorgung in besonders trockenen Gebieten aufrecht erhalten. Zusätzlich werden so genannte "dip tanks" (Tauchbecken für Vieh zur Bekämpfung von Krankheitserregern) zur Erhaltung der Gesundheit instandgesetzt. Damit können Kleinbauern auch weiterhin Viehwirtschaft betreiben.
Projekterfolg mit Süßkartoffeln
Eine kleine Erfolgsgeschichte, in dem ansonsten von Agonie heimgesuchten Land, ist das Süßkartoffelprojekt von HELP. Hier haben bereits mehr als 40.000 der ärmsten Familien Unterstützung durch Süßkartoffelsetzlinge, Düngemittel und Bewässerungssysteme erhalten. Die Süßkartoffeln werden nicht auf weit entfernten Feldern, sondern im Hausgarten angebaut. Die Bewässerung funktioniert hier deutlich besser, die Erträge sind höher als beim Maisanbau. Die Süßkartoffelbauern bekommen 220 Setzlinge, von denen sie innerhalb kürzester Zeit Ableger ziehen. Damit kann der Anbau und Ertrag stetig ausgebaut werden. Die Bauern haben sich bereits in Süßkartoffel-Clubs zusammengeschlossen. Gemeinsam mieten sich die Mitglieder einen Lastkraftwagen und bringen ihre Ernteüberschüsse auf den Markt. Mit dem Verdienst können zumindest ein Teil des Lebensunterhalts, Schulgelder und Schuluniformen für die Kinder bezahlt werden.
(Autorin: Bianca Kaltschmitt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, HELP e.V.)