Bildung ist Zukunft

Entwicklung durch Hochschulbildung

Barbara Mück und Klaus Stark vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geben für das Entwicklungsmagazin zwei Beispiele aus der Entwicklungszusammenarbeit ihrer Organisation.

Für die Entwicklung ärmerer Länder muss an vielen unterschiedlichen Stellen angesetzt werden. Einer dieser wichtigen Bereiche ist die Schul- und Hochschulbildung. So halten zum Beispiel die Millenniumsziele der Vereinten Nationen fest, dass mehr Entwicklung nur mit verbesserten Strukturen im Bildungsbereich möglich ist. Für eine anhaltende Entwicklung ist Personal aus den verschiedenen Bereichen wie beispielsweise Politik, Technik, Management und Lehre unabdingbar. Deshalb trägt der DAAD seit vielen Jahren dazu bei, die Hochschulen in Entwicklungsländern zu stärken und somit die höhere Bildung von Fach- und Führungskräften zu fördern.

Das Angebot des DAAD ist sehr vielfältig. Dazu gehören die Unterstützung von Stipendiaten aus Entwicklungsländern und vielfache Fördermöglichkeiten für die Kooperation von deutschen Hochschulen mit Bildungseinrichtungen in Entwicklungsländern. Außerdem werden Hochschulmitarbeiterinnen und -mitarbeiter dieser Länder in Management und Administration fortgebildet.

Nachfolgend werden aus dem umfassenden entwicklungspolitischen Spektrum des DAAD zwei Beispiele für Hochschulkooperationen zur Entwicklungsförderung skizziert: Ein bikultureller Studiengang zwischen Jordanien und Deutschland und die Einrichtung eines Fachzentrums für Mikrofinanz in der Demokratischen Republik Kongo. Gemeinsam ist diesen Programmen, dass die Hochschulen in Deutschland und in den Partnerländern zur Erreichung der Millenniumsziele der internationalen Entwicklungszusammenarbeit beitragen.

Masterstudiengang „Integrated Water Resources Management“

Es war eine sehr feierliche Stunde: Am 2. Februar 2009 erhielten die ersten Absolventinnen und Absolventen des Masterstudienganges „Integrated Water Resources Management“ in Amman ihre Graduierungsurkunden. Die Absolventen kamen aus Deutschland, Ägypten, Jemen, Jordanien und Syrien. An der Feier nahmen Leitungen der beteiligten Hochschulen, der Fachhochschule (FH) Köln und der University of Jordan teil. Zudem waren auch die Vertreter vieler Entwicklungshilfeorganisationen, der Vereinten Nationen und der deutschen Botschaft bei dem besonderen Ereignis vertreten.

Diese DAAD-Stipendiaten sind die ersten Absolventen einer neuen Art bikultureller, grenzüberschreitender und auf eine politisch-geographische Region ausgerichtete Masterkurse. Deren Besonderheit besteht in der gemeinsamen Konzipierung und Umsetzung durch jeweils eine deutsche und ausländische Hochschule.  Außerdem sind die Kurse durch das gemeinsame Studium deutscher und ausländischer Studierender als Gruppe und in gemischten Teams an beiden Hochschulen geprägt. Die Teilnehmer eignen sich nicht nur modernste Fachkenntnisse an, sondern bekommen während der gesamten Studiendauer interkulturelle Kompetenz vermittelt.

Der Masterkurs „Integrated Water Resources Management“ startete als erster in der Reihe im Juli 2007. Er richtet sich an junge deutsche und arabische Fach- und Führungskräfte aus Verwaltung und Wirtschaft, die in ihren Institutionen mit wasserrelevanten Aufgaben betraut sind. Sie sollen lernen, bei Entscheidungen in ihrem engeren Arbeitsumfeld deren komplexe Auswirkungen auf den gesamten Wasserkreislauf zu berücksichtigen. Der Masterkurs wird von der FH Köln gemeinsam mit der University of Jordan in Amman durchgeführt. Professorinnen und Professoren wie auch Dozentinnen und Dozenten beider Hochschulen lehren alle Module gemeinsam. Inzwischen hat der zweite Jahrgang das Auftaktsemester in Amman abgeschlossen und wird zum zweiten Semester in Köln erwartet. Die Auswahl der Bewerber der dritten Runde findet in Kürze statt.

Der zweite derartige und auf die arabische Region ausgerichtete Studiengang „Renewable Energy and Energy Efficiency“ beginnt im Sommersemester 2009. Zwei weitere Studiengänge in den Fachbereichen Wirtschaft und Bildung sind vorgesehen. Seit dem Herbstsemester 2008 läuft darüber hinaus der vergleichbare und auf Lateinamerika ausgerichtete Studiengang „Environment and Resources Management“. 

Fachzentrum für Mikrofinanz im Kongo

Mit Mitteln des Auswärtigen Amtes fördert der DAAD die Einrichtung eines Fachzentrums in der Demokratischen Republik Kongo, an dem Experten für das Mikrofinanzwesen ausgebildet werden sollen.

Als Mikrofinanz-Institute werden Einrichtungen bezeichnet, die auch solchen Kunden Kredite, Sparbücher oder Versicherungen anbieten, die bei herkömmlichen Banken aus verschiedenen Gründen keine Chance auf solche Dienstleistungen haben. Die Mikrofinanz ist ein wichtiges Mittel der Entwicklungspolitik, denn sie ermöglicht Menschen in Armut den Zugang zum Bankenwesen. Zum Beispiel, um einen Kredit für eine Existenzgründung aufzunehmen. Mikrofinanz ist dadurch eines der Werkzeuge der internationalen Gemeinschaft, um ihre Ziele im Bereich der Armutsbekämpfung zu erreichen. Grundgedanke ist die Hilfe zur Selbsthilfe und das Vertrauen in die Schaffenskraft und den Ideenreichtum der einzelnen Menschen.

Die Idee des Mikrofinanzwesens ist nicht zuletzt durch Muhammad Yunus bekannt geworden. Yunus erhielt den Friedensnobelpreis für die Gründung seines Mikrofinanz-Kreditinstituts, die Grameen-Bank, mit dem er weltweit bekannt geworden ist. Allerdings mangelt es im afrikanischen Bankenwesen weitgehend an qualifizierten Experten.

Ausbildungslücke schließen 

Patrick Shambo Bakengela, der Projektleiter des Fachzentrums in Kinshasa, sagt dazu: „In der Demokratischen Republik Kongo bestehen immense Möglichkeiten für das Mikrofinanzwesen, aber ein eklatanter Mangel an qualifiziertem Personal.“ Durch die Etablierung des Fachzentrums in Kinshasa soll diese Ausbildungslücke geschlossen werden.

Die Lehrkräfte des Zentrums sollen ein bedarfsorientiertes Lehrangebot für zukünftige Mikrofinanzexpertinnen und -experten für Forschung und Praxis anbieten. Die Einrichtung dieses Fachzentrums wird getragen durch eine Kooperation der „Frankfurt School of Finance & Management“ und der „Université Protestante au Congo“.

Hauptkomponenten der Zusammenarbeit in Forschung und Lehre sollen sein: Zum einen die Einrichtung eines Studienganges mit Master-Abschluss. Die Absolventinnen und Absolventen dieses Studienganges können danach wichtige Positionen in Finanzinstituten oder im Wirtschafts- oder Finanzministerium einnehmen. Eine zweite Komponente ist  die Weiterbildung des Lehr- und Forschungspersonals, so dass Qualität und Effizienz der Universität verbessert werden.

Die dritte Komponente ist der Ausbau der Forschung im Bereich Mikrofinanzwesen. Hier soll das Mikrofinanzwesen für Entwicklungsländer weiterentwickelt und vertieft werden. Und den vierten Teil macht die Schaffung eines Forschungsnetzwerks mit Experten aus Forschung und Praxis aus. So sollen Kooperationen hergestellt und Synergieeffekte genutzt werden.

Das kongolesisch-deutsche Fachzentrum für Mikrofinanz ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Hochschulbildung direkt die Entwicklung in ärmeren Ländern vorantreiben kann. Schon jetzt sind die ersten Studenten eingeschrieben. Im November 2009 wird in Verbindung mit einer Fachtagung zur internationalen Finanzkrise eine große offizielle Eröffnungsfeier in Kinshasa stattfinden.

(Autoren: Barbara Mück und Klaus Stark, Deutscher Akademischer Austauschdienst e.V., Bonn)

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