Selbstbewusste Mädchen, die zur Schule gehen, können sich eher aus Abhängigkeit und Unterdrückung befreien. Und sie tragen entscheidend zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung ihres Landes bei.
Von den weltweit über 770 Millionen Menschen, die nicht lesen und schreiben können, sind zwei Drittel Frauen. Die Einschulungsraten für Mädchen sind in den vergangenen Jahren auch in den meisten Entwicklungsländern zwar gestiegen. 2006 gingen weltweit aber immer noch 101 Millionen Kinder nicht zur Schule. Vor allem in Afrika und in Südasien ist bis heute den Mädchen der Schulbesuch häufiger verwehrt als Jungen.
Haupthindernisse für den Schulbesuch armer Kinder sind Schulgebühren sowie die schlechte Qualität des Unterrichts. Eine entscheidende Rolle spielt auch die Schulbildung der Mütter: Drei Viertel der Kinder, die nicht zur Schule gehen, haben Mütter, die selbst keine Schulbildung bekommen haben.
Knapp die Hälfte aller Kinder, die nicht zur Schule gehen, lebt in Afrika südlich der Sahara (45,5 Millionen). Ohne Investitionen in Schulen und Lehrerausbildung werden laut Unicef viele afrikanische Staaten das Millenniumsziel „Grundbildung für alle“ bis 2015 nicht erreichen.
Besonders groß ist das Gefälle zwischen Jungen und Mädchen beim Zugang zu Bildung in den afrikanischen Ländern Niger, Tschad und Burkina Faso. Dies trifft aber auch auf den Jemen, Afghanistan und Pakistan zu.
Auf 100 Jungen, die zur Schule gehen, kommen in Jemen gerade einmal 61 Mädchen, in Niger liegt dieses Verhältnis bei 100 zu 67, in Pakistan bei 100 zu 83. Die meisten Mädchen ohne Schulbildung aber wachsen in Südasien auf. Über 23 Millionen Mädchen im Grundschulalter besuchen dort keine Schule - fünf Millionen mehr als Jungen.
Die anhaltende Benachteiligung von Mädchen verstößt gegen die Menschenrechte und verhindert eine nachhaltige Entwicklung. Nach Untersuchungen der Weltbank bringen Investitionen in die Bildung von Mädchen den höchsten Ertrag:
Mit der Bildungskampagne „Schulen für Afrika“ konnte Unicef in über 650 Schulen in sechs Ländern neue Klassenzimmer bauen oder Bänke und Schulmaterial bereitstellen. In Mfera in Malawi kommt das Bildungsprogramm besonders benachteiligten Mädchen zugute.
Eine von ihnen ist Ennifer Dzimuzani aus dem entlegenen Shire-Tal, im Süden Malawis. Die Eltern der 15-Jährigen sind Kleinbauern – sie verdienen kaum genug, um ihre drei Kinder durchzubringen. Doch trotz aller Schwierigkeiten macht Ennifer Ende des Jahres ihre Abschlussprüfungen in der Schule – auch mit Hilfe von Unicef. Wenn sie gute Noten hat, kann sie auf die weiterführende Schule gehen. „Ich will Ärztin werden“, sagt Ennifer. „Mein großes Vorbild ist Schwester Thoko in unserem Krankenhaus.“
Unicef hat an der Mfera-Schule mit Hilfe von Spenden aus Deutschland vier neue Klassenräume gebaut. Denn die Schule platzte mit über 1.000 Schülern der Klassen Eins bis Acht aus allen Nähten. Für viele Schülerinnen und Schüler fand der Unterricht bisher unter freiem Himmel statt – oder in baufälligen, fast hundert Jahre alten Gebäuden. „Früher saßen wir oft frierend auf dem feuchten Lehmboden, es regnete durchs Dach“, berichtet Ennifer. „Manche Mitschüler kamen deshalb nicht mehr zum Unterricht.“
In den neuen Klassenräumen sind nun die Klassen Eins und Zwei zu Hause. Sie sind gut belüftet; an ihrenWänden hängen Zeichnungen der Schüler. Unicef hat die Mfera-Schule auch mit Tischen und Bänken versorgt und Bücher, Hefte, Stifte und weiteres Schulmaterial bereitgestellt. Auch einfache Latrinen, getrennt für Mädchen und Jungen, sind im Bau.
Für die Lehrer gab es Schulungen, wie sie die Kinder besser in den Unterricht einbeziehen. „Die Kinder fühlen sich in den neuen Räumen sehr wohl“, sagt Chrisy Mzumara. Sie ist seit 40 Jahren Lehrerin. Besonders froh ist sie über den abschließbaren Lagerraum der neuen Klassenräume. „Im Rechenunterricht üben wir häufig mit Steinen, Blättern und Maiskolben. Früher musste ich alles von zu Hause mitbringen – das war sehr mühsam.“
Lehrer und Eltern treffen sich zweimal im Schuljahr, um wichtige Schulthemen zu besprechen. Auch die Schüler gestalten das Schulleben aktiv mit: Sie helfen bei der mittäglichen Schulspeisung oder bei der Pflege des Schulgartens. Andere engagieren sich in freiwilligen Schulclubs und klären zum Beispiel Mitschüler über die Aids-Gefahr auf. Die Wirkung des umfassenden Programms ist deutlich sichtbar: „Wir haben weniger Fehlstunden“, sagt Schulleiter Moses Mangwaya. „Lehrer und Schüler sprechen mehr miteinander. Und vor allem Mädchen, die die Schule schon abgebrochen hatten, sind wieder da.“
(Autorin: Helga Kuhn, Deutsches Komittee für Unicef e.V., Köln)