Indigene Völker

Indigene Völker in der Entwicklungszusammenarbeit

Rigoberta Menchú stammt aus Chimel, einem Dorf bei Quiche in Guatemala. Dort wurde sie vor 50 Jahren am 9. Januar als Quiche-Maya geboren. Rigoberta Menchú erhielt 1992 als jüngste Preisträgerin den Friedensnobelpreis.

Den Preis nahm sie entgegen für ihren Einsatz zur Verteidigung der Menschenrechte, zur Förderung des Friedens und der Rechte der Ureinwohner insbesondere in Guatemala.

Benachteiligung und Armut

Schätzungsweise 40 bis 50 Millionen Menschen in Lateinamerika gehören indigenen Völkern an. Das sind acht bis zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Fast überall sind die Indigenen besonders arm und benachteiligt. Sie haben eine geringe soziale und politische Stellung, kaum Zugang zu Bildung und sind in den meisten Ländern nur unzureichend in Regierungen und Parlamenten vertreten.

Indigene Völker stammen von der frühesten Bevölkerung in einem Gebiet ab. In der Regel haben sie eine ideelle und spirituelle Beziehung zu ihrem Land. Dieses wird nicht als individuelles Eigentum betrachtet, sondern steht der Gemeinschaft zur Verfügung. Durch die kulturelle Andersartigkeit, die eigene Sprache, Religion und traditionelle Lebensform sowie das eigene Rechtssystem sehen viele Regierungen die nationalstaatliche Integrität bedroht.

Inzwischen gibt es zahlreiche indigene Organisationen, die sich für die Rechte der indigenen Völker einsetzen. International sind die Rechte indigener Völker weitgehend anerkannt. Erst im September 2007 verabschiedeten die Vereinten Nationen eine Erklärung zu den Rechten indigener Völker. Die Fortschritte bei der Umsetzung sind jedoch noch nicht ausreichend.

Um die Interessen der indigenen Völker noch mehr hervorzuheben, riefen die Vereinten Nationen von 2005 bis 2015 das „Jahrzehnt der indigenen Völker der Erde“ aus.

Indigene Rechte durchsetzen

Im Jahr 2006 verabschiedete das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) das Konzept zur „Entwicklungszusammenarbeit mit indigenen Völkern in Lateinamerika und der Karibik“. Die indigenen Völker sollen bei der Durchsetzung ihrer Rechte unterstützt werden, um ihre Entwicklung selbst bestimmen zu können. Das erfolgt durch die Einbeziehung der indigenen Völker in die Vorhaben der Entwicklungszusammenarbeit in Lateinamerika. Außerdem werden die indigenen Organisationen national und länderübergreifend gefördert.

Der Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt in Bolivien, Ecuador, Guatemala und Peru, in denen der Anteil der Indigenen besonders hoch ist. Aber auch die Gebiete am Amazonas sowie in Lateinamerika sind besonders berücksichtigt.

Natürliche Ressourcen sichern

Neben der Unterstützung der Friedensarbeit und der Demokratiebewegung geht es auch um den Erhalt der natürlichen Ressourcen. Auf der 9. Konferenz der Biodiversitätskonvention in Bonn im Mai 2008 stand die Frage im Mittelpunkt, wie das traditionelle Wissen zur Bewahrung und Nutzung der biologischen Vielfalt geschützt werden kann. Außerdem ist entscheidend sicherzustellen, wie die Indigenen an möglichen Gewinnen aus der Nutzung des Wissens beteiligt werden können. Denn immer wieder spionieren Pharmakonzerne indigene Gemeinschaften aus, um Patente für Pflanzenwirkstoffe nur für sich anzumelden.

Im Zentrum der deutschen Unterstützung steht die Aus- und Weiterbildung der Führungskräfte der indigenen Organisationen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt unter anderem die universitäre Ausbildung von indigenen Führungskräften. Die „Indigene Interkulturelle Universität“ bietet in neun Ländern der Region Aufbaustudiengänge in indigenem Recht, interkultureller Medizin und interkultureller zweisprachiger Bildung an. Damit sollen die indigene Identität und indigene Belange gestärkt werden. Ein erster Studiengang ist bereits abgeschlossen.

Opfer des Bürgerkrieges unterstützen

1996 endete in Guatemala ein 12-jähriger Bürgerkrieg zwischen den Regierungstruppen und der Linksguerilla, der viele Wunden hinterlassen hat. Besonders betroffen waren Angehörige der Maya-Völker: 96 Prozent der Toten waren Angehörige dieser Bevölkerungsgruppe. Es dauerte einige Jahre bis sich eine Wahrheitskommission bildete, um die Vergehen aufzuarbeiten. Mit deutscher Unterstützung konnte die sozialpsychologische Beratungseinheit innerhalb des Entschädigungsprogramms des guatemaltekischen Staates aufgebaut werden. Bei den zwölf im Land eröffneten Zweigstellen können Opfer ihre Anträge einreichen.

Das Geld lindert die Not, aber das Gespräch ist noch wichtiger. Von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ausgebildete Mediatoren, die hauptsächlich Angehörige der Maya sind, gehen in die Dörfer. Dort sprechen sie mit den betroffenen Menschen über ihr Schicksal – für viele die erste Gelegenheit Vergangenes zu verarbeiten.

Kontext