Ist es möglich, im ländlichen Kamerun erneuerbare Energieanlagen zu produzieren? Die Antwort ist ein klares Ja. Der junge deutsche Verein "Green Step" beispielsweise setzt derzeit sein von start social prämiertes Pilotprojekt in Kamerun um.
Strom bringt Entwicklung – der Großteil der Bevölkerung von Kamerun ist jedoch von dieser Entwicklung abgeschnitten. Die Maxime von Green Step lautet daher: Technologie-Transfer und Produktion von Low-Tech Anlagen vor Ort kombiniert mit Anregung von Unternehmertum. Damit soll nachhaltige Entwicklung und eine Verbesserung des Lebensstandards der Dorfbevölkerung erreicht werden.
Im Dorf M’muock Fosimondi werden gemeinsam mit der Partnerorganisation Nkong Hilltop 15 Handwerker ausgebildet. Sie lernen, kleine Wind- und Wasserkraftanlagen zu produzieren. Die Anlagen werden teilweise aus Schrottmaterialien hergestellt. Gleichzeitig erhalten die Handwerker eine Klein-Unternehmerausbildung sowie Mikrokredite, um ein kleines Energieunternehmen im Dorf zu starten. Damit soll Nachhaltigkeit gesichert werden.
Der lokale Projektpartner Nkong Hilltop bringt dabei zehn Jahre Erfahrung aus dem Mikrokreditbereich und der ländlichen Entwicklungsarbeit mit. Und der Projektpartner Mudeca aus demselben Dorf koordiniert die Treffen und Zusammenarbeit der Bevölkerung mit dem Projektteam.
Die verwendeten Low-Tech Anlagen sind nicht neu. So bietet das Internet zahlreiche Informationen über den Einsatz von erneuerbaren Energiequellen. Ein Dorfbewohner in Afrika hat aber kaum Zugriff auf das Internet – dabei ist er derjenige, der am meisten von dieser Technologie und dem technischen Wissen profitieren könnte. Die Idee von Green Step ist es daher, auf dieses Wissen zurückzugreifen und es zu verteilen beziehungsweise Handwerker auszubilden – und zwar dort, wo das Wissen Anwendung findet.
Wie die Befragung im Pilotdorf durch Grenn Step zeigt, besteht vor allem Bedarf an Beleuchtung. Aber auch für das Aufladen von Mobiltelefonen und Radios sowie kleinen Fernsehern wird Strom benötigt. Diese technischen Geräte können mit den kleinen lokal produzierbaren Anlagen betrieben werden.
Die Verteilung des umweltfreundlichen Stroms funktioniert ähnlich wie im viel besprochenen Projekt von Osram in Kenia (Osram O-Hub). Der Strom wird in alten und damit recycelten Autobatterien gespeichert. Diese werden in die Häuser getragen und dienen damit als Stromnetz. Green Steop verwendet zur Beleuchtung unter anderem LED-Leuchten, die sich wegen des geringen Stromverbrauchs besonders gut eignen.
Der einzige Unterschied zum Projekt von Osram: Es sind Wind- und Wasserkraftanlagen, die lokal produziert wurden und lokal gewartet werden können. Damit verdienen vor allem die lokalen Handwerker und damit das Dorf am Projekt. Dies ist nur möglich, da im genannten Pilotdorf die topographischen Bedingungen für Wind und Wasser gegeben sind.
In vielen Teilen Kameruns und Afrikas ist dies nicht möglich. Dort sind Anlagen wie die von Osram, die Solarenergie nutzen, die einzige Lösung. Solaranlagen kann man noch nicht vor Ort produzieren – hier sind die Menschen noch vom Import der Anlagen abhängig.
Während der Ausbildung von Green Step baut jeder Handwerker an seiner eigenen Anlage. Er besorgt die Materialien – das Wissen gibt es kostenlos. Somit bringt der Handwerker seinen eigenen Anteil mit ein und hat einen Anreiz dabei zu bleiben. Während der Ausbildung spart der Handwerker zudem etwas an – um sich für einen Mikrokredit am Ende der Ausbildung zu qualifizieren.
Am Ende der Ausbildung hat er eine Anlage, die er entweder komplett verkaufen kann oder mit der er Autobatterien gegen eine geringe Gebühr laden kann. Er kann damit verschiedenste Nutzer bedienen. Zum Beispiel den Großverdiener im Dorf, der eine eigene Anlage kauft. Oder den Haushalt mit geringem Einkommen, der sich eine Batterie gegen eine Gebühr ausleiht und gegen eine geringe Gebühr aufladen lässt. Begleitet wird das Projekt von Umweltbildungsmaßnahmen, die unter anderem ein Batterie-Pfandsystem vorsehen. So wird vermieden, dass nicht mehr nutzbare Batterien später im Feld landen.
Nach der Pilotphase in Kamerun soll das Projekt in weiteren Projektdörfern mit ähnlichen Bedingungen weitergeführt werden. Die genannte Lösung eignet sich wegen der Notwendigkeit von Wind und Wasser nur für einen kleinen Teil ländlicher Gebiete Afrikas. Aber das Arsenal an erneuerbaren Energien ist mit Wind- und Wasser nicht ausgeschöpft. Biogasanlagen oder mit Jatropha-Öl betriebene Motoren sind weitere Möglichkeiten, die lokal produzierbar sind. Sie müssen jedoch noch in anderen Pilot-Ausbildungsprojekten erforscht werden.
Langfristig sähe der Verein gerne eine Erneuerbare-Energie-Ausbildungsstätte in Kamerun. Hier sollen Handwerker in lokal produzierbaren Techniken sowie in der Markteinführung solcher Technologien in ländlichen Gebieten ausgebildet und unterstützt werden. Denn Technologietransfer und technische Ausbildung, die lokal vorhandene Materialien nutzt, sind eine große Chance. Sie können lokale Kapazitäten schaffen, Einkommen und Entwicklung ermöglichen und umweltfreundliche Technologie verbreiten.
(Autorin: Cornelia Ehlers, Vorsitzende Green Step e.V., Wolfratshausen)