Das Ziel ist erreicht: „Ruanda minenfrei in 2008“. Rund 630.000 Quadratmeter fruchtbaren Ackerlandes stehen den Bauern in Ruanda wieder ohne Gefahr zur Verfügung. Ein in Deutschland entwickeltes Minenräumfahrzeug („MineWolf“) hat dabei tatkräftig mitgeholfen und viele tödliche Minen aufgespürt.
Das Entwicklungsmagazin berichtete bereits in der Ausgabe Nummer 62 über die „Minenwölfe von Koblenz“. Der Ingenieur Heinz Rath aus Rheinland-Pfalz, sozusagen der Vater des „MinenWolfs“, hat in Ruanda das Projekt geleitet. Hier sein Bericht (gekürzt):
Minen sind schlummernde, unsichtbare „Söldner“, die nicht zwischen Freund und Feind, Soldat oder Kind unterscheiden. Sie hemmen die Entwicklung eines jeden Landes. Besonders die Entwicklungsländer leiden unter dieser Erblast: Felder können nicht bestellt, Verkehrswege nicht genutzt werden. Neben den vielen Opfern hat der Verlust der landwirtschaftlichen Anbauflächen negative Auswirkungen auf das Einkommen von Bauern und ihren Familien.
Betroffen war auch Ruanda, eines der kleinsten Länder Afrikas. Es ist etwa so groß wie sein Partnerland Rheinland-Pfalz. Beide Länder pflegen seit über 25 Jahren eine intensive und beispielhafte Partnerschaft.
Einer ruandischen Bauernfamilie stehen nur etwa ein halbes bis ein Hektar Ackerland zur Ernährung zur Verfügung. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung Ruandas lebt in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, also von Ackerbau und Viehzucht. Die minenverseuchten Felder werden deshalb dringend zur Ernährungssicherung gebraucht.
Der MineWolf ist eine Minenräummaschine für Personen- und Panzerminen, die in Vallendar bei Koblenz von pensionierten Fachleuten erfunden wurde. Ein internationales Konsortium entwickelt die Maschine weiter.
Im Internet entdeckte ich den Hilferuf des ruandischen Minenexperten Francis Kabuse, der nach Unterstützung suchte. Trotz erfolgreicher Minenräumung waren dort immer noch 630.000 Quadratmeter Fläche übrig geblieben. Fast unüberwindbar hatte die Natur eine mannshohe, extrem standhafte Vegetation geschaffen. Etliche Minenräumversuche, auch mit einem ferngesteuerten Gerät, waren gescheitert.
Die Minen-Erblast Ruandas stammt aus dem Bürgerkrieg von 1990 bis 1994 und dem Genozid von 1994, bei dem circa eine Million Menschen ums Leben kamen. Strategisch wichtige Punkte, wie die Außenbezirke der Hauptstadt Kigali, aber auch Tee- und Kaffeefabriken versuchte man durch einen Minengürtel zu schützen.
Nach kurzer Beratung nahmen wir, die „Minenwölfe“, Kontakt mit dem ruandischen Botschafter, Eugene-Richard Gasana, in Berlin auf. Mit dem Minenexperten Peter Willers reiste ich nach Ruanda, um mir selbst ein Bild zu machen. Wir besichtigten die mit Minen verseuchten und überwucherten Landflächen und führten Gespräche mit Minenräumexperten und ruandischen Militärs.
Unser Ziel war eindeutig: Mit Hilfe der MineWolf-Technologie wollten wir Ruanda noch im Jahr 2008 minenfrei machen. Zusätzlich motiviert wurden wir durch die Partnerschaft Rheinland-Pfalz – Ruanda und die Hilfsorganisation „Kinder-brauchen-Frieden“.
Im Minenräumzentrum in Kigali fragte ich Major Kacyiru von der ruandischen Armee nach der Minenunfallbilanz: „Unfälle mit Personen kommen immer wieder vor. Sehr häufig aber sind weidende Kühe betroffen, eine Katastrophe für die Bauernfamilien.“
Im Verlauf meiner Erkundungsreise wurde mir deutlich, warum der Verlust einer Kuh sogar zur Überlebensfrage werden kann. Eine Kuh ernährt oft die ganze Familie, die aus fünf bis zehn Personen besteht. Milch ist natürlich auch für die Ernährung von Kleinkindern besonders wichtig.
Zu dieser Zeit arbeitete der MineWolf gerade im Sudan. Er sollte für den Einsatz nach Ruanda transportiert werden. Sein Einsatz wurde auf circa 300.000 Euro geschätzt. Wir, die MinenWölfe, die zuständigen Stellen in Rheinland-Pfalz und Ruanda legten das Anliegen dem Auswärtigen Amt vor - und bekamen die gewünschte finanzielle Unterstützung. Ohne die Hilfe und Kompetenz des Auswärtigen Amtes wäre das Projekt nicht möglich gewesen. Allein im Jahr 2008 hatte das Auswärtige Amt Minen- und Kampfmittelräumprojekte in 21 Ländern mit 17,6 Millionen Euro unterstützt.
Gernot Erler, Staatsminister im Auswärtigen, Amt schreibt: „Die beachtlichen und beispielgebenden Aktivitäten des Landes Rheinland-Pfalz und seiner Bürger bei der Minenräumung in Ruanda verdienen unseren Respekt. Sie tragen fraglos in erheblichem Umfang zum Ansehen Deutschlands in dieser Region Afrikas bei.“
Die norwegische Minenräumorganisation NPA wurde daraufhin vom Auswärtigen Amt beauftragt, den MineWolf nach Ruanda zu überführen. Ab August zog der MineWolf seine Bahnen auf ruandischem Territorium. Gemeinsam mit NPA und den ruandischen Partnern schaffte er die Räumung der verminten Flächen in nur wenigen Monaten.
In Ruanda ist nicht nur die Minenunfallbilanz schlagartig zurückgegangen, was eine erhebliche finanzielle Entlastung für die Minenopferfürsorge bedeutet. Die Minenräumung hat auch die Rückkehr von Flüchtlingen und die Ansiedlung von etwa 50 Bauern mit ihren rund 500 Familienmitgliedern ermöglicht.
Als Projektleiter danke ich allen Beteiligten aus Ruanda, dem Sudan, aus Norwegen und Deutschland für die reibungslose, internationale Zusammenarbeit zur Realisierung dieses humanitären Projektes „Ruanda – minenfrei 2008“.
(Autor: Heinz Rath, Gründer der MineWolf Systems, Diplomingenieur im Ruhestand, Vallendar)