Im Afrika südlich der Sahara sind Frauen für 80 Prozent der Nahrungsmittelproduktion verantwortlich. Allein diese Tatsache beweist, dass in dieser Region starke Frauen und Mädchen leben und arbeiten.
Dennoch genießen sie bei weitem nicht die gleichen Rechte wie Männer. Gleiche Chancen für Männer und Frauen spielen jedoch eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Armut. Nicht nur Fortschritte bei Demokratie und persönlicher Freiheit werden durch Gleichberechtigung erzielt, sondern diese treibt auch wirtschaftliche Entwicklungen voran.
Wie in allen Partnerländern hat der Deutsche Entwicklungsdienst (DED) daher auch in Kamerun „Gender“ als Querschnittsthema in alle Programme und Aktivitäten integriert. Der DED fördert seine Partnerorganisationen bei deren Ziel, Armut durch nachhaltige Entwicklung zu bekämpfen und legt dabei besonderen Wert auf die Stärkung von Frauen.
Zu den Partnern gehören beispielsweise Organisationen, die Frauen juristischen Beistand leisten, Vereinigungen von Bürgermeisterinnen und Frauenorganisationen, die sich für ländliche Entwicklung einsetzen. Wichtige Grundvoraussetzung ist, dass die Organisationen demokratisch verfasst und gleichberechtigt ausgerichtet sind.
Mit Hilfe eines Kleinkredits konnte sich Béatrice Talmi ihren Traum vom eigenen Laden erfüllen. Das vom DED geförderte Mikrokreditprojekt „Promotion des Initiatives Locales“ („Förderung lokaler Initiativen“, PIL) in Douala, der größten Stadt Kameruns, leistet konkrete finanzielle Hilfe zum Existenzaufbau wirtschaftlich schwacher Personen. Rund die Hälfte der geförderten Personen sind Frauen. Die Schaffung einer eigenen Einkommensquelle bietet ihnen finanzielle Unabhängigkeit von Eltern und Ehemann. Gleichzeitig gewinnen die Frauen an Respekt und Ansehen.
Béatrice Talmi profitierte erstmals im Jahr 2001 von einem Mikrokredit, der es ihr ermöglichte, einen kleinen Laden mit Nahrungsmitteln direkt im Zentrum von Douala zu eröffnen. Nach einem schweren Unfall mit Verbrennungen musste sie ihre Aktivitäten vier Jahre lang unterbrechen.
Nach ihrer Genesung stellte sie erneut eine Anfrage an PIL. Durch die Unterstützung konnte sie ihre Aktivitäten wieder aufnehmen. Nun kann sie sich selbst und ihre neunjährige Tochter ohne Unterstützung der Familie versorgen.
Wahlübungen ermutigten Frauen an den Kommunalwahlen in Kamerun teilzunehmen. Vor den Kommunalwahlen im Jahr 2007 leistete der DED im Norden des Landes technische und finanzielle Unterstützung für Organisationen, die Sensibilisierung und Weiterbildung für die weibliche Wählerschaft anboten.
In Workshops erhielten Frauen theoretische Informationen zur Wahl und übten gleichzeitig praktisch, wie der Wahlvorgang abläuft. So wurden die Frauen motiviert, sich politisch zu beteiligen und ihren Status in der Gesellschaft durch ihr Engagement Schritt für Schritt zu verbessern.
Die DED-Partnerorganisation „Cercle International pour la Promotion de la Création“ (CIPCRE) legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Grundausbildung von Frauen im ländlichen Raum. Gemeinsam mit den Frauen arbeitet sie an Strategien, damit sie in gleichem Maße von Entwicklungsmaßnahmen profitieren können wie die Männer.
"Sisters in Law" - der kamerunische Dokumentarfilm zeigt, dass es sich lohnt, für seine Rechte zu kämpfen. Im Mai 2008 präsentierte der DED sein Engagement im Bereich „Gender“. Mit dabei: Die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), die KfW Entwicklungsbank, das Goethe-Institut und die Friedrich-Ebert-Stiftung. Wir erreichten mit der gemeinsam organisierten Programmwoche eine große Öffentlichkeit in der Hauptstadt Yaoundé.
Die Programmwoche trug den Titel „Femmes et Filles Fortes“ („Starke Frauen und Mädchen“). Sie machte einmal mehr auf die Probleme und die Potentiale von Frauen und Mädchen in Kamerun aufmerksam.
Im Rahmen des bunten Programms wurde zudem der Film „Sisters in Law“ gezeigt, der den engagierten Einsatz zweier Anwältinnen für die Rechte von Frauen und Mädchen darstellt.
Insgesamt erreichten Diskussionsrunden, Ausstellungen, Theateraufführungen und Informationsveranstaltungen über 1.500 Kamerunerinnen und Kameruner. Das große Interesse bei allen Teilnehmenden bestätigt die Notwendigkeit der gezielten Arbeit für mehr Gleichberechtigung in Kamerun.
(Autorin: Karin Beese, Entwicklungsstipendiatin des Deutschen Entwicklungsdienstes in Yaoundé, Kamerun, Quelle www.ded.de)