In seinem letzten Weltbevölkerungsbericht 2008 befasst sich der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) vor allem mit der Gleichstellung der Geschlechter. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass die ärmste Milliarde der Weltbevölkerung zu 60 Prozent aus Mädchen und Frauen besteht.
70 Prozent der 130 Millionen Kinder weltweit, die nicht zur Schule gehen, sind Mädchen. Zwei Drittel aller Erwachsenen, die weder lesen noch schreiben können, sind Frauen.
Mädchen und Frauen wird die sexueller Selbstbestimmung verwehrt. In 28 Ländern Afrikas sowie in Teilen Asiens und des Nahen Ostens gibt es noch die weibliche Genitalverstümmelung. Oftmals haben die Mädchen, bei denen diese Eingriffe vorgenommen werden, nicht einmal das vierzehnte Lebensjahr erreicht.
Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (BMZ) betonte bei der Vorstellung des Weltbevölkerungsberichts 2008: "Die Gleichstellung der Geschlechter ist der Schlüssel zur Überwindung von Armut." Leider liegen die Fortschritte im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit in vielen Teilen der Welt immer noch weit hinter den gesteckten Millenniumszielen zurück.
"Für nachhaltige Entwicklung brauchen wir Veränderungen aus dem Inneren von Kulturen heraus", so die Ministerin. Ein Verweis auf Kultur, Werte oder Religionen dürfe nicht zur Unterdrückung von Menschen dienen und Menschenrechte einschränken.
Trotzdem müsse die westliche Welt sensibel mit kulturellen Traditionen umgehen. Nur so ist die Gleichbehandlung der Geschlechter voranzubringen und können Rechte von Frauen gestärkt werden. Deshalb müssen die kulturellen Besonderheiten der verschiedenen Länder und Regionen in Entwicklungsprogramme integriert werden, fordert der Bericht.
Jedes Jahr sterben weit über eine halbe Million Frauen während der Schwangerschaft oder Geburt - 99 Prozent von ihnen in Entwicklungsländern. Bettina Maas von Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) prangert in die schlechte gesundheitliche Versorgung von Frauen in diesen Ländern an.
Nach Schätzungen tragen jährlich über 15 Millionen Frauen bei der Geburt Verletzungen davon. Viele Schäden begleiten sie ihr ganzes Leben.
Aber auch Familienplanung und sexuelle Aufklärung fänden vielerorts immer noch nicht die notwendige Aufmerksamkeit, mahnt Renate Bähr von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW). "Seit den 1980er Jahren hat die internationale Gemeinschaft hier kaum Fortschritte gemacht. Noch immer hindern kulturelle Zwänge Frauen daran, Verhütungsmittel oder Schwangerenfürsorge in Anspruch zu nehmen."
Bähr: „Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist 60 Jahre alt. Seit 1968 zählt dazu auch das Recht eines jeden Menschen, frei und eigenverantwortlich über die Anzahl seiner Kinder und den Zeitpunkt ihrer Geburt zu entscheiden. Für uns in Deutschland erscheint dieses grundlegende Recht heute selbstverständlich, so dass wir dem Thema kaum Beachtung schenken.“
Der Weltbevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) arbeitet mit Regierungen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zusammen. Dabei stellt er Mittel in Höhe von mehr als 245 Millionen US-Dollar jährlich zur Verfügung. Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung in Hannover schafft mit der deutschen Übersetzung die Voraussetzung, dass wichtige Erkenntnisse auch im deutschen Sprachraum einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sind.