Umweltschutz

Beobachtungsposten im All

Mexiko zählt zu den artenreichsten Ländern der Erde. Und wie fast alle Anker- und Schwellenländer mit hoher Biodiversität (biologischer Vielfalt) kämpft auch Mexiko gegen das beschleunigte weltweite Artensterben an. Die Abholzung der Wälder, vom Menschen verursachte Umweltprobleme und Klimawandel gehören zu den Ursachen.

Beim Erfassen dieser Prozesse und Erscheinungen helfen "Beobacher aus dem All", also Satelliten. In der Comisión nacional para el uso y conocimiento de la biodiversidad (kurz: Conabio) ist Satellitenfernerkundung ein Kernthema. Bereits seit 1998 haben sich beim Umweltmonitoring per Satellit auch deutsche Experten von CIM engagiert.

CIM steht für "Centrum für internationale Migration und Entwicklung". Es ist eine Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (BA). Weltweit sind über 700 europäische Fach- und Führungskräfte in etwa 80 Ländern im Einsatz. Finanziert wird CIM zum Großteil vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

„Diese langjährige Unterstützung hat sich bereits mehr als ausgezahlt. Anfangs waren weder das nötige Know-how noch die Ressourcen in diesem Sektor vorhanden“, erläutert CIM-Experte Rainer Ressl. Dass es mittlerweile eine eigene Abteilung für die Themen Satellitenmonitoring und Geoinformationssysteme gibt, die Ressl nun seit 2005 leitet, ist einer dieser Erfolge.

Mit der Integrierten Fachkraft arbeiten außerdem rund elf Fachleute aus Mexiko sowie Zentral- und Südamerika an der Satellitenfernerkundung mit. „Durch unsere Teamarbeit gewährleisten wir langfristig die Nachhaltigkeit des Programms”, ist der CIM-Experte überzeugt.

Monitoring von Ökosystemen

Eine wesentliche Aufgabe bei der Auswertung der Satellitendaten ist die Bereitstellung umweltrelevanter Informationen für das Biodiversitätsmonitoring. Dies beinhaltet Studien über spezifische Lebensräume, aber ebenso Auswertungen über gesamte Ökosysteme. „Wir sind zurzeit dabei, die nationale Inventarisierung der Mangrovenbestände in Mexiko abzuschließen – und zwar auf Basis der Auswertung von Satellitendaten“, so Ressl.

Diese Studie wird zum ersten Mal genaue nationale Daten zu diesem wichtigen Ökosystem bereitstellen. Sämtliche Informationen werden dann dem Umweltministerium und anderen staatlichen Einrichtungen sowie nationalen Entscheidungsträgern zur Verfügung gestellt.

Katastrophenschutz wird wirkungsvoller

Verheerende Brände verwüsten jährlich mehrere hunderttausend Hektar Naturfläche in Mexiko und gefährden bisweilen auch Siedlungsgebiete. Per Satellitenfernerkundung können die Brände schnell erfasst und dokumentiert werden.

„Conabio“ übernimmt aber nicht nur das Monitoring, sondern erstellt auch Karten zur Abschätzung des Brandrisikos sowie Analysen über die verbrannten Flächen. Auf Basis dieser Informationen kann die Brandbekämpfung zielgerichteter erfolgen und leistet einen wichtigen Beitrag zur Katastrophenversorgung. „Wir beliefern das gesamte Land mehrmals täglich mit Waldbrandinformationen zur schnellen, optimierten Bekämpfung der Brände“, so der CIM-Experte.

Das Umweltministerium, die Nationale Kommission für Forstwirtschaft und das Zentrum für Katastrophenpräventionen gehören beispielsweise zu den Adressaten. Zunächst wurde dieser Service nur für Mexiko entwickelt. Doch schon bald zeigten auch die Nachbarländer Interesse am Waldbrandmonitoring. „Heute bieten wir diese kostenfreie Information daher täglich für alle zentralamerikanischen Länder bis nach Panama an”, berichtet Ressl.

Hightech im Ankerland

Als nationale Kommission zur Erforschung und zum Schutz der Artenvielfalt Mexikos wurde „Conabio“ ins Leben gerufen. Fachlich untersteht die Institution – vergleichbar mit einer deutschen Bundesforschungsanstalt – dem mexikanischen Umweltministerium. Für die lateinamerikanischen Nachbarn wirkt die Institution außerdem als Vorbildorganisation in der Fernerkundungstechnologie.

Gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat „Conabio“ im letzten Jahr eine Satellitenempfangsanlage für das Umweltmonitoring in Chetumal in Betrieb genommen. Bei einer feierlichen Veranstaltung gab Staatspräsident Felipe Calderón den Startschuss für das Projekt, bei dem „Conabio“ als technischer Counterpart der Deutschen fungiert.

Geplant ist der Empfang verschiedener Satelliten der National Aeronautics and Space Administration (Nasa), der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, aber auch deutscher Erdbeobachtungssatelliten. Die Kooperationspartner haben gleichberechtigten kostenfreien Zugang zu den in Chetumal empfangenen Daten.

Ziele sind der Austausch von Experten und gemeinsame wissenschaftliche Projekte zwischen beiden Ländern. Außerdem wird man die Informationen für die nicht-kommerzielle Datennutzung kostenfrei bereitstellen. So können künftig auch Universitäten oder Forschungseinrichtungen darauf zugreifen.

„Die Einsatzbereiche der Daten sind vielfältig und umfassen auch Land- und Forstwirtschaft, Geologie, Hydrologie, Kartographie, Stadt- und Umweltplanung sowie die Umweltüberwachung“, zählt Ressl auf. Im Rahmen des Projekts wird Mexikos Ankerlandfunktion voll Rechnung getragen. Denn neben Mexiko sollen mittelfristig auch die Nachbarländer befähigt werden, innovative Satellitentechnik für ihr Umweltmonitoring einzusetzen.

Der kostenfreie und einfache Zugang zu den Daten für wissenschaftliche Zwecke ist dafür ein erster wichtiger Schritt. Hier agiert der CIM-Experte und „Conabio“-Mitarbeiter als Schnittstelle zwischen Zentralamerika und Deutschland.

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