von Stephan Kohler, Vorsitzender der Deutschen Energie-Agentur (dena)
Für die Bewältigung des weltweiten Klimawandels und zur Sicherung einer zukunftsfähigen Energieversorgung ist China ein wichtiger Faktor und Partner. Ohne China sind globaler Klimaschutz und stabile Versorgungssysteme nicht realisierbar.
Beispielsweise ist China der weltweit größte Wachstumsmarkt der Bauwirtschaft. Im Jahr 2015 wird dort die Hälfte aller weltweiten Neubauten errichtet. Das wird sich wiederum - je nach realisiertem energetischen Baustandard - massiv auf den zukünftigen Energieverbrauch auswirken. Zusätzlich ist ein starkes Wachstum im Individual- und Güterverkehr zu verzeichnen.
Dies zeigt, dass der bisherige energieintensive Weg Chinas sehr schnell an ökologische, aber auch wirtschaftliche Grenzen stoßen wird. Die politische Führung in Peking hat daher die große Bedeutung von Energieeffizienz und die Chancen der Nutzung regenerativer Energiequellen für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum erkannt.
Sie hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt und will den schlafenden Riesen „Energieeffizienz“ wecken. Damit will sie innerhalb der kommenden fünf Jahre den Endenergiebedarf in allen Bereichen um 20 Prozent senken.
Bei der Konzeption und Umsetzung helfen deutsche Erfahrungen und Technologien, die in China einen sehr guten Ruf genießen. So unterstützt die dena Politik und Verwaltung bei der Schaffung einheitlicher Effizienzstandards und bei der Know-how- und Wissensvermittlung zum Thema Energieeffizienz.
Zentrale Ziele der dena sind die rationelle und damit umweltschonende Gewinnung, Umwandlung und Anwendung von Energie sowie die Entwicklung zukunftsfähiger, nachhaltiger Energiesysteme. Dabei findet die verstärkte Nutzung von regenerativen Energien besondere Berücksichtigung. Die dena finanziert ihre Projekte in erster Linie durch Public Private Partnership (PPP), also durch öffentlich-private Partnerschaften. Sie ist auch in Schwellen- und Entwicklungsländern weltweit aktiv. Die Bundesregierung ist größter Gesellschafter der dena.
Der Gebäudebestand in China wächst rasant - bis 2020 soll die Wohnfläche verdoppelt werden. Der heute realisierte Energiestandard bleibt dabei jedoch weit hinter dem zurück, was technisch und wirtschaftlich möglich und klimapolitisch erforderlich wäre.
Daher unterstützt die dena Politik und Verwaltung beispielsweise im Rahmen einer strategischen Arbeitsgruppe beim intensiven fachlichen Austausch: von der Definition ordnungsrechtlicher Rahmenbedingungen über die Einführung von Effizienzstandards bis hin zur Qualifizierung der Akteure.
Außerdem hat die dena in Kooperation mit dem deutschen und dem chinesischen Bauministerium ein Handbuch für energieeffizientes Bauen entwickelt. Darin werden technische, wirtschaftliche und rechtliche Aspekte beleuchtet. Dieses Handbuch wurde im Rahmen von Workshops einer breiten Fachöffentlichkeit vorgestellt.
Auch im Mobilitätssektor findet derzeit ein Umdenken statt. Angesichts des rasanten Verkehrswachstums von derzeit 15 Millionen PKW auf über 100 Millionen PKW im Jahr 2020 sind Effizienzprogramme dringend erforderlich.
In der Provinz Gouzhou im Südwesten Chinas beispielsweise entsteht eine Biodieselanlage eines deutschen Anlagenbauers auf Basis der Jatropha-Pflanze. Gebaut wird diese Anlage im Rahmen der deutsch-chinesischen Kooperation zur Entwicklung einer Treibstoffstrategie für China. Die Jatropha-Pflanze ist für China interessant, da sie auch auf minderwertigen Böden angebaut werden kann. Sie stellt somit keine Nutzungskonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion dar.
Für die nachhaltige Energieversorgung Chinas sollen erneuerbare Energien künftig eine größere Rolle spielen. Die dena koordiniert im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums die „Exportinitiative Erneuerbare Energien“. Sie informiert unter anderem deutsche Hersteller über die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Energiemärkte in China.
Zudem wird mit den Geschäftsreise- und Messeprogrammen deutschen Herstellern die Möglichkeit geboten, sich in China bekannt zu machen und Kontakte zu knüpfen. Begleitet werden diese Aktivitäten von einem breiten Informations- und Kommunikationsangebot.
Die Exportinitiative wird ergänzt durch das Solardachprogramm, mit dem die dena zusammen mit Industriepartnern weltweit die Errichtung von beispielhaften Solaranlagen „Made in Germany“ unterstützt. Konkret wurde in Shanghai auf dem Dach der deutschen Schule eine Photovoltaikanlage installiert. Sie dient bei einer groß angelegten Werbekampagne als Demonstrationsobjekt.
(Autor: Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung, Deutsche Energie-Agentur GmbH, dena)