Burkhard Junker, Geschäftsführer von Obermeyer Planen + Beraten in München beschreibt das umfangreiche Engagement seiner Unternehmensgruppe in China. Sein Bericht ist ein Beispiel für das Engagement vieler deutscher Unternehmen.
China, das bevölkerungsreichste Land der Erde, befindet sich im Umbruch. Durch die sich stetig wandelnden Verhältnisse ist das Land einem hohen Anpassungsdruck ausgesetzt. Allein seine Urbanisierungsdynamik, die Bildung von Megastädten, ist weltweit einzigartig.
Als Ingenieur- und Architekturbüro findet unser Unternehmen Obermeyer hier ein großes Betätigungsfeld, denn deutsches Know-how ist gefragt: deutsche Planungsqualität in Verbindung mit einer klaren, strukturierten und verantwortungsvollen Arbeitsweise.
Zu unseren Großaufträgen gehört zum Beispiel die Städteplanung für großräumige Flächen wie Fuzhou, die Hauptstadt der Provinz Fuijan. Für die Hafenstadt wurde eine circa 35 Quadratkilometer große Fläche für eine Stadterweiterung freigegeben. Sie steht im politischen Brennpunkt, da sie direkt gegenüber der Insel Taiwan liegt.
Fuzhou soll 150.000 Menschen ein neues Zuhause geben. Dabei ist es nötig, ein Stadtbild mit einmaligen, identifikationsstarken Landmarks zu schaffen, damit die einzelnen Stadtviertel von den chinesischen Einwohnern angenommen werden und sich somit auch Investoren finden.
Für eine weitreichende, funktionale Stadtplanung gilt es viele Aspekte zu beachten. Sie beinhaltet deshalb neben Konzepten für die Bildung von Wohnvierteln, Verwaltungsvierteln, Freizeit- und Kulturvierteln auch langfristige Verkehrskonzepte. Die Möglichkeit, dass einzelne Viertel verslummen können, muss unbedingt vermieden werden.
All das Know-how, das hier zugrunde liegt, bedarf es eines langjährigen und breitgefächerten Erfahrungsschatzes. Experten der verschiedensten Fachrichtungen arbeiten dabei unter einem Dach zusammen.
Die kontinuierlich wachsende Wirtschaft bringt eine rasant steigende Mobilität mit sich. Auch die Nachfrage im Personenverkehr nimmt schnell zu, schneller als es das derzeitige Straßen- und Flugverkehrssystem meistern kann.
Um die vielen Menschenmengen, die die Ballungsräume ansteuern und große Entfernungen zurücklegen wollen, bewältigen zu können, sind moderne Konzepte notwendig. So wird nicht auf einen Ausbau des derzeitigen Verkehrssystems gebaut, sondern gleich ein neues System aufgezogen.
Derzeit wird eine rund 1.000 km lange Hochgeschwindigkeitseisenbahn gebaut. Sie wird in wenigen Jahren wohl die wichtigste Nord-Süd-Verbindung der Volksrepublik China von Peking nach Shenzhen (Hongkong) darstellen. Unser Unternehmen erbringt bei diesem Streckenausbau von rund 960 Kilometer Länge umfangreiche Leistungen.
Für chinesische Partner zu arbeiten, bedeutet für deutsche Mitarbeiter durchaus eine Umstellung. Es sind andere Werte, andere Arbeitsweisen und eine andere Umgangsform, die zählen. Angefangen, dass chinesische Bauherren stets einen direkten Kontakt zum Projektleiter, wenn möglich zum Chef persönlich, fordern. Der Handschlag zählt genauso wie jeder Vertrag.
Längere Arbeitszeiten pro Mann und schnellere Ergebnisse werden erwartet. Dies erfordert auf der einen Seite eine hohe Mobilität und ein extremes Arbeitspensum, stellt auf der anderen Seite aber auch eine große Herausforderung – im positiven Sinne – dar.
In China kann ein deutscher Architekt sehr kreativ arbeiten. Dort finden weitaus gewagtere Planungsentwürfe Anklang - Gebäudekonstruktionen, wie sie in Deutschland kaum denkbar wären. Im Inland stellen Architekten dagegen eher kleinere Aufgaben in einem bereits gewachsenen Umfeld vor spannende Aufgaben, nicht aber derart große Ensembles, die zum Teil auf einer grünen Wiese entstehen.
Für ein Land, das unter einem derartigen Wandel steht und einem extremen Entstehungsdruck ausgesetzt ist, zählt neben Qualität natürlich die Geschwindigkeit. Aber auch Nachhaltigkeit nimmt mehr und mehr an Bedeutung zu.
Zunehmend wird sich auch China der Ressourcenknappheit bewusst – und reagiert. Umweltkonzepte werden gefragt, zum Beispiel eine wissenschaftlich-technische Beratung für ein nachhaltiges Wasserkonzept für die Olympischen Spiele 2008. So hat das Olympische Dorf die größte Vakuumröhrenkollektor-Anlage der Welt.
Auf den Dächern des Olympischen Dorfs wurde nach unseren Plänen eine rund 7.500 Quadratmeter große Anlage installiert, die die Spitzensportler mit Warmwasser versorgte. Durch Solarwärme werden so täglich 200.000 Liter Warmwasser täglich produziert und jährlich circa 325.000 Liter Heizöl einspart. 650 Tonnen Kohlendyoxid werden so pro Jahr vermieden. Nach der Olympiade werden die einzelnen Wohnungen nun in Appartements für die Allgemeinheit umgestaltet.
China hat ein großes Potenzial, wobei von der wirtschaftlichen, kollegialen Partnerschaft sowohl das Gastgeberland als auch Deutschland profitieren.
(Autor: Dipl.-Ing. Architekt Burkhard Junker, Geschäftsführer, Obermeyer Planen + Beraten GmbH, München)