Jeden Morgen besucht Hin Abresi seinen kleinen Hausaltar und denkt daran, wie es war, als die große Flutwelle ins Dorf kam. Dann betet er zu Buddha, dass diese Todeswelle nie wieder kommt.
Hin Abresi lebt an der Ostküste des Inselstaates Sri Lanka. 7.000 Einwohnerinnen und Einwohner leben in seinem Dorf Panama. Viele von ihnen leiden noch heute unter den Auswirkungen der Flutwelle des Tsunami. Der Wiederaufbau soll diesmal so erfolgen, dass die regelmäßig in der Region vorkommenden Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Orkane und Sturmfluten keine größeren Schäden anrichten.
Gegen derartiges Unheil, das vom Meer kommt und die Küsten heimsucht, ist nämlich ein Kraut gewachsen: Mangroven! Ihre Wälder wirken mit ihrem bizarren und wellenbrechenden Wurzelwerk wie ein natürlicher Schutzschild. Sie können Siedlungen, Infrastruktur und landwirtschaftliche Nutzflächen vor der Wucht der Natur bewahren.
Mangroven besiedeln den Küstensaum tropischer Meere und brechen die Wucht von Sturm und Wellen. Untersuchungen zeigen, dass sie sogar die ungeheure Wucht der Tsunami-Welle vermindern und Verluste an Menschenleben und Sachgütern begrenzen konnten.
Die Bevölkerung von Panama forstet Mangrovenwälder, die durch Tsunami, Holzeinschlag und Aquakulturen zerstört wurden, wieder auf. Unterstützung erhält sie dabei von der Diakonie Katastrophenhilfe.
Die Diakonie Katastrophenhilfe ist seit über 50 Jahren in der Katastrophenhilfe und Katastrophenvorsorge tätig. Sie verfügt, wie beispielsweise Caritas international oder das Deutsche Rote Kreuz, über ein dichtes Netz von Partnerorganisationen. Ihre Hilfskräfte gehören in der Regel der lokalen Bevölkerung an und können Art und Umfang der benötigten Hilfe gut einschätzen.
In mühevoller Handarbeit pflanzten vor allem Frauen bislang über 30.000 Setzlinge. Mit den Mangroven kommen aber auch die Fische zurück. Mangrovenwälder sind die schützende Kinderstube einer vielfältigen Meeresfauna und die natürliche Heimstatt von Krabben und Krebsen.
Oft jedoch werden die Wälder gerodet, um ausgedehnte künstliche Teiche für die kommerzielle Krabbenzucht anzulegen. Die Erträge solcher Teichanlagen kommen aber selten den einheimischen Küstenfischergemeinschaften zugute. Sie landen auf den Tischen kaufkraftstarker Konsumenten in den Industrieländern.
Auch in Panama blieben jahrelang die Netze der Küstenfischerfamilien leer. Dies ist für die meisten Familien bitter. Auch die Familie von Hin Abresi lebt fast ausschließlich vom Fischfang.
Die Leute von Panama haben dazu gelernt. Nicht nur, dass Mangroven vor Flutwellen, Sturm und Überschwemmungen schützen, sondern dass sie ihnen auch helfen, ihre ökonomischen Verhältnisse zu verbessern. Neben höheren Fangerträgen schlagen die Holznutzung, das Vorkommen aller Arten von Medizinalpflanzen oder der für Bienenhaltung ideale Blütenreichtum zu Buche.
Dafür, dass das auch in Zukunft so bleibt und sich niemand auf Kosten der Wälder bereichert, sorgt die Gemeinschaft der Küstenfischer. Sie steht unter der Leitung von Hin Abresi, dem von den Forstbehörden ein langjähriges Nutzungsrecht erteilt worden ist. Es ist mit der Auflage verbunden, sich um den Erhalt der Wälder zu kümmern.
Bei dem Projekt gilt es, besonnen zu Werke zu gehen. Viele Faktoren sind dabei zu beachten:
All diese Faktoren sind für Erfolg oder Misserfolg verantwortlich.
Auch das, was sich hunderte, ja mitunter tausende Kilometer im Hinterland abspielt, kann für die Mangrovenwälder von ausschlaggebender Bedeutung sein. Führen beispielsweise die Flüsse aufgrund von Erosion in den Quellgebirgen zu viel Sedimentfracht mit sich, laufen die Mangroven Gefahr, im Schlick buchstäblich zu ersticken. Sinnvolle Mangrovenprojekte gehen daher oft einher mit Bemühungen, entlang der Flussläufe Erosionsschutz, Aufforstungen und nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben.
Hin Abresi ist mit dem bisher Erreichten zufrieden. „Unser Leben hat sich durch das Projekt stark verbessert und unser Engagement hat sich schon herumgesprochen. Leute aus dem Umland sind hierher gezogen, weil sie sich hier sicherer fühlen“, erzählt er stolz.
(Autor: Peter Rottach, Diakonie Katastrophenhilfe, Stuttgart)