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Belo Horizonte: Fußball, Musik und Capoeira

Der 15jährige Leandro ist ein smarter Junge. Er singt gerne Lieder, am liebsten Lieder von Michael Jackson. Leandro wohnt in der Casa Don Bosco in Belo Horizonte, der drittgrößten Stadt Brasiliens. Das Haus mit einem großen Bolzplatz liegt in einer unscheinbaren Wohngegend. Die Casa Don Bosco ist ein Wohnheim für 14 ehemalige Straßenkinder.

Leandro verließ mit zwölf Jahren seine Familie, weil er ständig von seinem Stiefvater bedroht wurde. So landete er wie die anderen Bewohner des Wohnheims auf der Straße, schlief in Industrieruinen oder Hauseingängen und lebte von der Hand in den Mund. Erst sehr zögerlich fasste Leandro Vertrauen zu Padre Carlos, einem Mitarbeiter Don Boscos.

Das Vertrauen der häufig verstörten Kinder und Jugendlichen zu gewinnen, ist mühsam. In den Wohnheimen werden sie in mehreren Stufen behutsam an das Leben in der Gemeinschaft mit Rechten und Pflichten herangeführt. Außerdem gibt es regelmäßig und ausreichend zu Essen und Trinken.

Don Bosco sorgt für Alternativen

Die Salesianer Don Boscos haben in mehreren Großstädten Brasiliens diverse Einrichtungen für Kinder und Jugendliche geschaffen. Sie sorgen für Alternativen zu ihrem bisherigen Leben in den Favelas – ein Leben, das trist und gefährlich ist. 

Favelas schießen in den brasilianischen Städten wie Pilze aus dem Boden. Weil die kargen Äcker keine landwirtschaftlichen Erträge mehr bringen oder weil Bauern von Landspekulanten vertrieben werden, ziehen viele Menschen vom Land in die Städte. Die Familien wohnen in Hütten ohne Kanalisation und Strom. Die Kinder werden zum Betteln auf die Straße geschickt, bis der Familienvater Arbeit gefunden hat. Die gibt es aber nicht, so dass das Provisorium dauerhaft wird.

In den Favelas hat sich ein rechtsfreier Raum entwickelt. Den Kindern und Jugendlichen wird kaum eine Chance für ein geregeltes Leben mit Bildung und späterer Arbeit geboten.

Die Basis der Arbeit sind Kirchengemeinden, denen hier die Bedeutung von zentralen Plattformen der Sozialarbeit zukommt. Von hier aus steuern die Mitarbeiter der Gemeinden unter Leitung eines Priesters eine ganze Palette von Angeboten. So sollen stabile Gemeinschaften gebildet werden.

Das Angebot umfasst Maßnahmen der Schulbildung für Kinder und Jugendliche, Lernbetreuung, Berufsausbildung und Erwachsenenbildung. Hoch im Kurs stehen Freizeitangebote wie Fußball und Capoeira. Aber auch Musikunterricht, Basteln oder Kindertagesstätten bieten den Heranwachsenden Entfaltungsmöglichkeiten.

Capoeira ist eine traditionelle gewaltfreie Tanzform, die aus waffenlosen Kampftechniken der früheren Sklaven entstanden ist.

Familienstrukturen festigen

Nicht alle Kinder und Jugendliche haben wie Leandro den Kontakt zur Familie verloren. Don Bosco fördert die Betroffenen nicht nur, sondern versucht auch, die Familienstrukturen zu festigen. Häufig sind die Eltern, vor allem die Väter, frustriert über das eigene Versagen als Familienernährer.

Über die Kinder sprechen die Mitarbeiter von Don Bocso die Eltern an, machen ihnen Mut, noch einmal etwas zu versuchen. Sie ermutigen sie, Lesen und Schreiben zu lernen oder in Abendschulen einen Schulabschluss nachzuholen. Das steigert auch ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Mit Bildung aus der Armut

Die Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen gilt als Schlüssel zur Überwindung von niedrigster Armut. Jugendliche ohne Schulausbildung haben keinerlei Aussichten auf Arbeitsplätze jenseits des kriminellen Milieus. Jugendliche brauchen greifbare Alternativen  - die bekommen sie durch die Hilfe von Don Bosco.

Außerdem werden mit Gemeindefesten oder ähnlichen gesellschaftlichen Ereignissen Eltern und Kinder angesprochen. Kinder gestalten mit Theaterstücken, Fußballturnieren, Capoeira und Musik das Programm.

Fußball als Brücke zu einem geordneten Leben

Fußball ist für die Sozialarbeit für Straßenkinder in Favelas enorm wichtig. Es geht hier nicht darum, einmal als Profi sein Einkommen zu erzielen. Beim Fußball lernen Kinder und Jugendliche über sich selbst. Sie feiern Erfolge, lernen aber auch, mit Misserfolgen umzugehen. Sie erkennen, dass regelmäßiges Training die Grundlage für Erfolg ist.

Ein geordnetes Fußballspiel läuft nach festgelegten Regeln ab – auch das erfahren sie. Ihnen wird aber auch spielerisch deutlich gemacht, dass sich diese Rahmenbedingungen auf das private und berufliche Leben übertragen lassen.

Auch Leandro spielt gerne Fußball. Noch lieber singt er. Besonders mag er das Lied „Will you be there“ von Michael Jackson. Warum? „Wenn ich dieses Lied höre, dann ist alles voller Licht und Liebe. Dann glaube ich, dass alles irgendwie gut wird“, sagt Leandro.

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