Für die meisten Deutschen scheint Schreiben und Lesen eine Selbstverständlichkeit zu sein. Doch nicht allen Menschen wird der freie Zugang zur Bildung ermöglicht. Dabei ist Bildung ein Menschenrecht.
Die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) hat den 8. September zum Welttag der Alphabetisierung erklärt. Damit soll das Thema stärker in das Bewusstsein der Menschen rücken.
Grundbildung ist das zweite Millenniumsziel. Demzufolge sollen bis 2015 alle Mädchen und Jungen eine Grundschulbildung erhalten. Derzeit gibt es noch fast 800 Millionen Menschen, die nicht schreiben und lesen können. Die meisten von ihnen leben in Entwicklungsländern. Rund 103 Millionen Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren besuchen keine Schule, zwei Drittel davon sind Mädchen.
Die Bildungschancen sind in den Entwicklungsländern sehr unterschiedlich. Im südlichen Afrika gehen nur 70 Prozent der Kinder in die Schule. In Lateinamerika dagegen 97,7 Prozent. Die Gründe sind vielfältig:
In vielen Ländern kostet die Grundschule Geld. Dazu kommen häufig indirekte Bildungskosten für Bücher, Stifte, Uniformen und Prüfungsgebühren. Das führt dazu, dass selbst weniger arme Familien sich entscheiden, nur einigen Kindern die Ausbildung zu ermöglichen. Meist sind es dann die Jungen, die traditionsgemäß bevorzugt werden.
Lange und unsichere Wege halten Eltern davon ab, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Oder sie glauben, dass bei oftmals unzureichend ausgebildeten Lehrern nichts Richtiges gelernt wird. Darum brechen viele Kinder die Schule frühzeitig ab, da sie im Haushalt, auf dem Feld oder bei einer sonstigen Beschäftigung benötigt werden.
Die deutsche bilaterale Zusammenarbeit will erreichen, dass allen Kindern ein Schulbesuch ermöglicht wird und die Schule in der Nähe ihres Wohnorts liegt. Außerdem sollen Kinder nicht wegen ihrer Herkunft oder ihres Geschlechts schlechter behandelt. Darüber hinaus soll die Qualität des Unterrichts verbessert werden.
Für einen guten Unterricht werden deshalb Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien entwickelt, die sich am Leben und Alltag der Schulkinder orientieren und brauchbare Kenntnisse für ihre Zukunft vermitteln.
In Kenia wurde die nationale Kindergesetzgebung unter Mitwirkung von Jugendlichen überarbeitet. Deutschland unterstützte mit Beratung. Somit konnte 2001 das Recht auf freie Grundbildung eingeführt werden. Ein bedeutender Schritt, um die Bildungschancen von Jungen und Mädchen zu verbessern.
Auf dem Weltbildungsforum der Vereinten Nationen 2000 in Dakar hat sich die internationale Gebergemeinschaft verpflichtet, Entwicklungsländer bei der Grundbildung zu unterstützen. Jedoch nur dann, wenn die eigenen Mittel nicht ausreichen und bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Die Länder müssen eine freie Grundbildung für alle sowie die Gleichheit der Geschlechter im Bildungsbereich anstreben. Deutschland fördert mit dieser Initiative Guinea, Honduras, Jemen, Mosambik und Tadschikistan.
Neben der Grundbildung ist auch berufliche Bildung ist wichtig. Arbeitslosigkeit und schlecht bezahlte Gelegenheitsarbeit prägen den Arbeitsmarkt in Entwicklungsländern. Mehr Menschen Zugang zu angemessen bezahlter Arbeit zu ermöglichen, ist eine Schlüsselaufgabe bei der Armutsbekämpfung. Besonders betroffen von Arbeitslosigkeit sind Frauen und Jugendliche.
Deutschland engagiert sich deshalb besonders beim Aufbau von leistungsfähigen beruflichen Ausbildungssystemen. 2005 gab Deutschland für die berufliche Bildung in Entwicklungsländern 85,9 Millionen Euro aus.
Aber auch akademische Fachkräfte werden in vielen Entwicklungsländern dringend benötigt. Vor allem Ärzte, Lehrer und Ingenieure fehlen. Darum fördert Deutschland auch die Hochschulen.
Deutsche Experten beraten beim Auf- und Ausbau von Studiengängen sowie bei der Ausbildung von künftigen Fach- und Führungskräften. Außerdem wird die wissenschaftliche Zusammenarbeit in Entwicklungsländern, auch mit deutschen Universitäten, gefördert.
Zudem bietet Deutschland Studienplätze an deutschen Hochschulen. Diese hochwertige und bisher kostenlose Ausbildung hat zu einer Verringerung des Fachkräftemangels in Entwicklungsländern beigetragen.
Die in die Heimat zurückgekehrten Akademikerinnen und Akademiker können so häufig als Partner für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit und die deutsche Wirtschaft gewonnen werden.