Sanitäre Grundversorgung

Ein Wasserhaus für Südafrika

Die ausreichende Versorgung mit Frischwasser ist schon heute eines der drängendsten Probleme der Welt. Besonders betroffen sind Entwicklungs- und Schwellenländer in südlichen Regionen, so auch die Gemeinde Ikwezi in Südafrika.

Er ist zwar mit hartem, grauem Beton überzogen und mit seltsamen bunten Linen markiert, zum Fußballspielen und Herumtoben haben die Kinder den ungewöhnlichen Platz dennoch schnell entdeckt. Schließlich liegt er doch ganz nah an dem Ort, an dem sie wohnen: den kleinen rotbraunen Township-Häusern der Gemeinde Ikwezi in der südafrikanischen Provinz Eastern Cape.

An diesem Tag Anfang Juli wird auf dem Platz allerdings kein Fußball gespielt. Einiges los ist dennoch. Die Gemeinde hat ein Festzelt aufgebaut, und viele der rund 10.000 Einwohner von Ikwezi haben sich um den Platz versammelt. Sie wollen hier ein besonderes Ereignis miterleben – die Grundsteinlegung für ein wichtiges Bauprojekt, das ihre Lebenssituation deutlich verbessern dürfte: das erste kommunale Wasserhaus in Südafrika - entwickelt in Deutschland.

Das Projekt "Wasserhaus-Südafrika" wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 380.000 Euro gefördert. Es ist Teil des Programms "Dezentrale Wasserversorgung und -entsorgung in Entwicklungs- und Schwellenländern". Damit sollen der Wassermangel, die unzureichende Wasserqualität sowie mangelhafte hygienische Bedingungen in diesen Ländern bekämpft werden.

Unter einem Dach: Trinkwasser, Duschen und Waschbecken

Für die Bevölkerung der südafrikanischen Gemeinde hat das Wasserhaus eine große Bedeutung. Denn Ikwezi liegt in einer Halbwüstenlandschaft, in der es kaum regnet. Die Region leidet unter extremem Wassermangel und schlechter Wasserqualität.

Wer hier Wasser braucht, muss es häufig äußerst mühsam und beschwerlich in großen Kanistern oder Plastikeimern an Wasserstellen abfüllen und nach Hause transportieren. Mit dem Wasserhaus soll sich dies ändern. Unter einem Dach gibt es auf rund 118 Quadratmetern Trinkwasser. Auch Waschräume mit Duschen und Waschbecken für die Körperpflege oder das Waschen von Wäsche stehen bereit.

Deutsche Partner unterstützen den Bau des Wasserhauses. Dazu gehören neben der Universität Potsdam, die das Projekt entwickelt hat, mehrere deutsche Unternehmen aus dem Wasser- und Energiesektor. Sie liefern die nötigen Technologien. Und das BMBF ist auch mit dabei.

Insgesamt fördert die deutsche Seite das Wasserhaus mit 1,3 Millionen Euro. Noch im August soll mit dem Bau begonnen werden; für den kommenden Februar ist die Eröffnung des Wasserhauses geplant.

Aufbereitetes Wasser zum Waschen und Duschen

Ziel sei es, die Menschen in ländlichen Kommunen so effektiv wie möglich mit Wasser zu versorgen, erläutert Projektleiter Konrad Soyez. Er arbeitet an der Universität Potsdam. Für das Wasserhaus bedeutet das: Reines Trinkwasser ist nur für diesen Zweck gedacht.

Beim Duschen oder Waschen wird recyceltes Wasser verwendet. „Beim Betrieb setzen wir auch auf Solarenergie. Damit lässt sich das Wasser erwärmen und die Räume des Wasserhauses zu bestimmten Zeiten heizen", sagt Soyez.

Die Anlagen des Wasserhauses müssen später natürlich auch gewartet werden. Dafür wollen die deutschen und südafrikanischen Projektpartner einige Einwohner der Gemeinde schulen und sie mit der Technologie vertraut machen.

Schon jetzt, sagt Soyez, zeigten auch andere südafrikanische Kommunen in der Nachbarschaft von Ikwezi Interesse an dem Projekt. Ein gutes Signal: Denn bei einem einzigen Wasserhaus soll es nicht bleiben. Geht das Konzept auf, sind weitere Häuser in Südafrika und anderen afrikanischen Ländern geplant.

Mit seinem neuen Wasserhaus könnte Ikwezi ein Vorbild werden für eine fortschrittliche Wasserversorgung in Afrika – und damit auch seinem Namen alle Ehre machen, der in Südafrika in der Sprache der Xhosa für den Beginn einer neuen, besseren Ära steht.

(Beitrag aus der Zeitschrift "Deutschland" dem Auslandsmagazin der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt/Main)

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