Kultur

Die kulturelle Entdeckung Afrikas

Ach Afrika! - so lautet der Titel des Buches von Bartholomäus Grill. Darin setzt sich der Zeit-Korrespondent mit dem afrikanischen Kontinent auseinander.

Der Leser weiß zunächst nicht, ob der Titel einen verzweifelten oder glückseligen Seufzer ausdrückt, eine wegwischende verbale Geste oder einen ins Gedächtnis geratenen Ausruf. Alles ist möglich -  bei einem Kontinent mit mehr als 850 Millionen Menschen. Bei Nachrichten, die von Krieg und Vertreibung, Krankheit und Tod handeln. Bei einem Afrika voller kultureller Tradition, Kreativität und überschäumender Lebensfreude.

 

Seit Dezember 2005 zeigt André Heller in seiner Show "Afrika! Afrika!" die helle, farbige und frohe Seite des Kontinents, fern von Tod und Leid. Eine Seite Afrikas, die mit einem glückseligen Seufzer der Zuschauer kommentiert wird.

 

"Art in Africa"

 

Die Afrika!Afrika!-Premiere war Ausgangspunkt einer langfristigen Kooperation zwischen der Deutschen Unesco-Kommission, dem Goethe-Institut und André Hellers Zirkustheater "Afrika! Afrika!".

 

In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut gründete die Deutsche Unesco-Kommission die Stiftung "Art in Africa". Im Mittelpunkt der Stiftungsarbeit steht die nachhaltige Förderung von Kulturprojekten in Afrika. Finanziert wird die Arbeit durch die Eintrittserlöse aus "Afrika! Afrika!". Ein Euro von jeder verkauften Eintrittskarte fließt in die Stiftung. Damit wird langfristig ein Stiftungskapital aufgebaut, aus dessen Erträgen Kulturprojekte gefördert werden.

 

Die Präsenzen der Unesco und des Goethe-Instituts gewährleisten die Projektbetreuung und intensive Zusammenarbeit mit den afrikanischen Partnern vor Ort.

 

Musik, Film und Literatur

 

2007 wurden die ersten sechs Projekte ausgewählt. Musiker in Burkina Faso werden gefördert. Der regionale Buchmarkt im Senegal und in Mali wird unterstützt. Und in Kamerun entstehen Kunstinstallationen auf öffentlichen Plätzen.

 

Mit "Killing Africa | Healing Africa" wurde im März 2007 ein Kurzfilmwettbewerb ins Leben gerufen. Junge afrikanische Filmemacher sollen in ihren Filmen darstellen, wie aus ihrer Sicht Afrikaner ihrem Kontinent schaden und nutzen. Bis heute sind bereits mehr als 60 Kurzfilmexposés aus allen Teilen Afrikas eingesendet worden. Eine panafrikanische Jury wird daraus 20 Filme zur Produktion vorschlagen, die 2009 auf der Berlinale dem internationalen Publikum vorgestellt werden.

 

Kultur und die „großen“ Probleme Afrikas

 

Kulturelle Projekte lassen sich nicht von den Problemen des afrikanischen Kontinents trennen. Im Gegenteil: Kulturprojekte nehmen sich dieser Probleme an, greifen sie auf und thematisieren sie.

 

Zu diesen "großen" afrikanischen Problemen zählt auch HIV/Aids. "Art in Africa" unterstützt die Initiative Music Crossroads. Sie fördert nicht nur junge Musiktalente im Alter von 15 bis 27 Jahren, sondern hat sich auch der HIV/Aids-Problematik angenommen.

 

Bestandteil der Arbeit von Music Crossroads sind Workshops und Diskussionsrunden mit den jungen Künstlern. Darin werden die Gefahren von AIDS/HIV dargestellt und thematisiert. Die von den Musikern angesprochene Zielgruppe ist besonders gefährdet. Und so tragen die Musiker in ihrer Vorbildfunktion bei ihren Auftritten dazu bei, ihr Publikum für die HIV/Aids Gefahren zu sensibilisieren. Bis heute nahmen mehr als 15.000 junge Musiker an Auftritten, Workshops und Sessions teil. Sie traten vor mehr als 100.000 Zuschauern auf.

 

Die kulturelle Dimension stärken

 

Die Arbeit der Stiftung zeigt: Die Zusammenarbeit mit Afrika darf nicht nur von Politik und Wirtschaft bestimmt sein. Sie muss um die kulturelle Dimension ergänzt werden.

 

Es ist klar geworden, dass Entwicklung neben politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekten auch die kulturelle Weiterentwicklung einschließt. Deshalb unterstützt "Art in Africa" Projekte, die Talent und Kreativität fördern und Identität und Kraft stiften - ohne dabei die Probleme des afrikanischen Kontinents auszublenden.

 

(Autor: Stefan Rennicke, Deutsche Unesco-Kommission e.V., Public Private Partnerships)

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