Wassermanagement

Wann beginnt die Regenzeit?

Wasser ist in Westafrika ein kostbares und unkalkulierbares Gut. Dies gilt auch für das Wasser im Becken der Volta, einem Fluss der durch sechs westafrikanische Staaten fließt. Er hat eine Gesamtlänge von 1.500 Kilometern. Im Süden, in Ghana, gibt es regelmäßigere und höhere Wassermengen als im Norden, in Burkina Faso. Außerdem führt der globale Klimawandel dazu, dass die Niederschlagsmengen stark schwanken und sich die Regenzeit zunehmend verschiebt.

Für die lokale Bevölkerung, die überwiegend von der Landwirtschaft abhängig ist, sind die Folgen verheerend. Trockenheit und Überschwemmungen führen zu Missernten. Dies gefährdet die Ernährungsgrundlage.

Zudem steigt der Bedarf an Wasser: Unter den Abnehmern sind nicht nur Bauern, die eine wachsende Zahl von Menschen ernähren müssen. Auch private Haushalte, Wasserkraftwerke und die Industrie brauchen Wasser.

Glowa Volta Projekt

Um Veränderungen im Wasserkreislauf und im regionalen Klima zu begegnen, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Jahre 2000 das Glowa-Programm geschaffen. Glowa steht für "Globaler Wandel des Wasserkreislaufs". Das Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn leitet das Glowa-Projekt in den beiden Volta-Anrainerstaaten Ghana und Burkina Faso. 

Das Forschungsprojekt Glowa-Volta will mit Hilfe von wissenschaftlichen Lösungen für eine bessere Nutzung des Wassers in der Region sorgen. Dies geschieht in ständiger Zusammenarbeit und Abstimmung mit Wissenschaftlern und Entscheidungsträgern aus der Region. Somit sind die Entscheidungsträger von Beginn an in das Projekt eingebunden. Sie müssen schließlich die erarbeiteten Lösungen selbstständig in die Praxis umsetzen.

Vorhersage der Regenzeit sichert Nahrung

Meteorologen und Umweltwissenschaftler haben eine Methode entwickelt, bei der der Beginn der Regenzeit besser vorhergesagt werden kann. Denn der Beginn der Regenzeit spielt eine wichtige Rolle für die Nahrungssicherung in der Region: Ein zu frühes Säen kann Missernten zur Folge haben, ein zu spätes Säen vermindert die Ernte.

Die Wissenschaftler konnten eine Tendenz zu einem späteren Beginn der Regenzeit in Westafrika feststellen. Auch wurde in Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern ein regionaler Wetterdienst eingerichtet. Er liefert den Bauern wichtige Informationen über den Beginn der Regenzeit.

Unabhängiger werden von Regen und Bodenqualität

Um sich weniger abhängig von Regenwasser und der meist schlechten Bodenqualität zu machen, steigt bei den Landwirten in der Region das Interesse an Bewässerungslandwirtschaft. Diese sorgt für ertragreichere Ernten. Ökonomen im Projekt haben jedoch festgestellt, dass viele Bauern noch zögern, diese effizientere Form der Landwirtschaft zu betreiben. Dies liegt größtenteils an den mangelnden Möglichkeiten, landwirtschaftliche Kredite aufzunehmen - hier gibt es also ein großes Entwicklungspotenzial.

In Burkina Faso und Ghana wurden auf nationaler Ebene bereits viele politische Entscheidungen getroffen, um das Wassermanagement in der Region zu verbessern. Wissenschaftler im Projekt bemängeln jedoch den fehlenden politischen Willen und die mangelnden Ressourcen, solche Maßnahmen vor Ort auch tatsächlich umzusetzen. Unklare Kompetenzen führen oft zu einer unkontrollierten Wasserverteilung. 

Ziel: Projekt an die Partner vor Ort übergeben

In der abschließenden Forschungsphase bis 2010 wird sich das Projekt auf die weitere Zusammenführung der wissenschaftlichen Ergebnisse aus den verschiedenen Fachbereichen konzentrieren. So sollen wissenschaftliche Modelle, Datenbanken und Ergebnisse zusammengeführt werden. Diese Informationen sollen den lokalen Entscheidungsträgern helfen, wissenschaftliche Lösungen für ihre Fragen zur Wassernutzung zu erarbeiten.

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Phase ist die Übertragung der Projektergebnisse in lokale Hände. Dabei sollen lokale Partner wie die United Nations University in Ghana und die Volta Basin Authority eine führende Rolle übernehmen. Die Volta Basin Authority ist eine von den sechs Volta-Anrainerstaaten gegründete und in Burkina Faso angesiedelte Institution. Sie ist zuständig für das länderübergreifende Wassermanagement sowie die strategische Planung und Entwicklung im Voltabecken. Mit einer erfolgreichen Übergabe an die Partner vor Ort wäre die nachhaltige Weiterführung des Projekts gewährleistet und damit ein wesentliches Projektziel erreicht.

Das Glowa-Volta-Projekt hat auch Wissenschaftler aus der Region ausgebildet. Von den etwa 80 im Projekt ausgebildeten und auszubildenden Wissenschaftlern sind rund 75 Prozent afrikanischer Herkunft. Die meisten von ihnen kehren nach Abschluss ihrer Ausbildung in ihre Heimatregion zurück.

Vom 25. bis 28. August 2008 findet in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, eine internationale Konferenz statt. Thema: „Globaler Wandel und Wasserressourcen in Westafrika – Die deutsch-afrikanischen Glowa-Projekte“. Die BMBF-Konferenz wird Ergebnisse der wichtigsten Glowa-Projekte sowie von weiteren BMBF-Wasserprojekten in Afrika präsentieren. Anschließend werden die Ergebnisse mit den lokalen Interessengruppen diskutiert. Mehr Informationen dazu sind in Kürze abrufbar unter http://africaconference.glowa.org.

(Autorin: Alma van der Veen, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn)

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