Hygiene

Hände waschen nicht vergessen!

1,1 Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu gesundem Trinkwasser. 2,6 Milliarden Menschen haben nicht die Möglichkeit, auf menschenwürdige Weise ihre Notdurft zu verrichten. Jedes Jahr sterben 1,8 Millionen Menschen an Durchfallerkrankungen. Mehr als 4.000 Kinder unter fünf Jahren sterben jeden Tag an Krankheiten, die durch einfache Hygienemaßnahmen wirksam bekämpft werden können. Erschreckende Zahlen, die belegen, warum der Einsatz für Wasser, sanitäre Grundversorgung und Hygiene, kurz: WASH, so wichtig ist.

Bekannte Methoden, einfache Techniken und Prinzipien der Basisgesundheitsversorgung sind nachhaltig wirksam. Im Kontext des jeweiligen Landes umgesetzt, erzielen sie sehr gute Ergebnisse. Zum Beispiel in Sri Lanka. Dort macht Malteser International gute Erfahrungen mit dem Bau von Regenwasser-Zisternen, Kompost-Toiletten, „Septic Tanks“ und mit Hygiene-Schulungen.

Regenwasser ersetzt verschmutztes Brunnenwasser

Der Tsunami im Dezember 2004 hat in Sri Lanka viele Quellen völlig zerstört oder verschmutzt. Das Grundwasser kann vielfach durch die Versalzung der Brunnen nicht genutzt werden. Andere Brunnen werden durch in unmittelbarer Nähe befindliche Latrinen und Sickergruben verunreinigt. Viele Familien haben kein ausreichend sauberes Wasser zum Trinken und Kochen – besonders während der Trockenzeiten.

Das Auffangen von Regenwasser hingegen ist umweltfreundlich, kostengünstig und technisch einfach. Gefiltert und richtig gelagert, eignet es sich sogar zum Trinken. Außerdem kann es zum Kochen, Waschen, Putzen und für sanitäre Zwecke verwendet werden. Im Süden und Osten Sri Lankas führt Malteser International gemeinsam mit der einheimischen Partnerorganisation „Lanka Rainwater Harvesting Forum“ ein umfangreiches Projekt zum Auffangen von Regenwasser durch. Insgesamt wird es 3.500 Familien mit Zisternen ausstatten und damit auch mit sauberem Trinkwasser versorgen.

Jedes System besteht aus einem Tank, dem das Regenwasser über die Dachrinne und durch einen Aktivkohlefilter von den Dächern der Wohnhäuser zugeleitet wird. Das Fassungsvermögen der Tanks liegt zwischen 5.000 und 8.000 Litern. Die Familien helfen bei der Konstruktion und lernen, wie man mit dem System umgeht und es reinigt.

Welch große Veränderung die Tanks für die Familien bewirken, erleben die Mitarbeiter von Malteser International immer wieder. Gerade für besonders verwundbare Bewohner sind die Zisternen enorm wichtig, wie die 75-jährige, gehbehinderte Frau Amarasena erzählt: "Früher musste immer meine Tochter das Wasser für mich von der Quelle am Ende des steilen Abhangs holen, da ich den Weg nicht schaffe. Ich kann den steilen Hügel nicht einfach so hinabsteigen, Wasser holen und wieder hinaufklettern. Und schon gar nicht mehrmals am Tag. Aber jetzt, mit meiner eigenen Regenwasser-Zisterne, bin ich viel selbstständiger." Der Tank steht neben dem Haus, sodass die Familien nur wenige Meter gehen müssen.

Aufklärung beginnt in der Schule

Parallel dazu klären die Mitarbeiter von Malteser International die Familien und Dorfgemeinschaften über sichere Hygienepraktiken auf. Die wenigsten Menschen kennen den richtigen, hygienischen Umgang mit Wasser. Mehr als 60 Prozent behandeln ihr Trinkwasser nicht. Dabei kann Basiswissen über Hygiene Leben retten: Allein einfaches Händewaschen kann die Zahl von Durchfallerkrankungen um bis zu 40 Prozent reduzieren.

Zum Projekt gehört auch Hygiene-Unterricht für Kinder. In Kooperation mit Unicef und dem sri lankischen Bildungsministerium engagieren sich die Malteser für ein so genanntes „kinderfreundliches Schulprojekt“. Die Kinder lernen im Unterricht, wie sie verschmutztes Wasser erkennen können. Und sie können selbst ausprobieren, mit welchen Methoden sie es entkeimen und somit trinkbar machen können: abkochen, chloren, UV-Bestrahlung von durchsichtigen Plastikflaschen durch die Sonne. Außerdem bekommen sie wichtige Tipps für die Hygiene in der Schule und zu Hause.

Die 16-jährige Maleeka ist ganz begeistert von diesen Unterrichtsstunden: „Ich habe zum Beispiel gelernt, dass man Schuhe anziehen soll, wenn man zur Toilette geht. Dann bekomme ich keine Wurminfektionen. Und bevor ich etwas esse, wasche ich mir jetzt immer die Hände mit Wasser und Seife. Sonst wird das Essen mit Keimen verschmutzt. Auch nach dem Spielen oder wenn man im Garten gearbeitet hat, muss man sich die Hände waschen!“

Pilotprojekt mit Kompost-Toiletten

Ein weiteres Problem entsteht auf den Feldern. Sie liegen häufig nur knapp über dem Grundwasserspiegel. Gut für deren Bewässerung, aber schlecht für die Abwässer, die so sehr schnell in die Felder gelangen. Offene Latrinen und Sickergruben in der Nähe der Bewässerungskanäle verunreinigen das Wasser. Da die Bauern barfuss und mit bloßen Händen in den Feldern arbeiten, werden Keime leicht übertragen.

Deshalb baut Malteser International Latrinen mit septischen Tanks, die die Verschmutzung des Grundwassers vermeiden. Deren Kammern müssen bei Bedarf jedoch geleert werden. Allerdings gibt es für die Jauche kaum noch Deponieflächen. Daher führen die Malteser nun ein Pilotprojekt mit so genannten Kompost-Toiletten durch.

Die Kompost-Toiletten werden extra hoch gebaut, damit keine Bauteile im Grundwasser stehen. In einem Zweikammersystem unterhalb der eigentlichen Latrine werden Urin und Fäkalien getrennt. Dabei wird jeweils nur eine Kammer genutzt. In der zweiten Kammer verrotten und trocknen die Fäkalien aus – sie können nach sechs Monaten entnommen und als Dünger benutzt werden. Dann wird die Kammer wieder gewechselt und die Latrinenschüssel entsprechend umgestellt. So kompostiert und getrocknet, scheidet der Mensch pro Tag nur das Volumen einer Streichholzschachtel an Exkrementen aus.

Eine weitere Lösung der Techniker: Vom Toilettendach wird Regenwasser in einem seitlichen Behälter gesammelt – zum Händewaschen, direkt nach dem Toilettengang.

(Autorin: Esther Finis, Malteser International) 

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