Klimawandel und Katastrophenvorsorge

Katastrophenvorsorge gehört zur Anpassung an den Klimawandel

Der Vierte Bericht des Weltklimarates (IPCC) hat – deutlich wie noch nie zuvor – auf die zu erwartenden negativen Auswirkungen des Klimawandels hingewiesen. Es herrschte Konsens, dass der Klimawandel bereits stattfindet. Auch  bei einem sofortigen Stop aller CO2-Emissionen müssen wir in den kommenden Jahrzehnten mit einem sich verändernden Klima und seinen Auswirkungen leben.

Bereits heute sind wetterbedingte Extremereignisse für mehr als 75 Prozent der Naturkatastrophen verantwortlich. Zusätzlich zu diesen beeindruckenden Zahlen weisen die Entwicklungen der letzten Jahre eine steigende Tendenz aus. Ursache hierfür ist neben dem Klimawandel eine zunehmende Verwundbarkeit der menschlichen Gesellschaft. Als Beispiel seien hier nur zu nennen: das Bevölkerungswachstum, die zunehmende Abhängigkeit von Versorgungswegen, die unkontrollierte Stadtentwicklung und die Übernutzung von Ressourcen.

Die negativen Auswirkungen des Klimawandels tragen zu einer nochmaligen Verschärfung dieser Risiken bei. Wetterbedingte Extremereignisse nehmen sowohl in ihrer Intensität als auch in ihrer Häufigkeit zu. Wir müssen in Zukunft befürchten, dass Extremereignisse in Gegenden auftreten werden, in denen sie bislang nicht in Erscheinung traten.

Entwicklungsländer besonders betroffen

Entwicklungsländer werden durch diese negativen Entwicklungen besonders hart betroffen. Sie verfügen nur über unzureichende Möglichkeiten, auf solche Ereignisse zu reagieren beziehungsweise sich darauf vorzubereiten. Die entstehenden Schäden vernichten Entwicklungsfortschritte der vergangenen Jahre.

Katastrophenvorsorge und Anpassung an den Klimawandel sind eigenständige Themen, die allerdings eine große inhaltliche Schnittmenge haben.

Das Hauptziel der Katastrophenvorsorge ist es, durch die Reduzierung der Verletzlichkeit der Gesellschaft und eine Steigerung ihrer Widerstandsfähigkeit zu verhindern, dass extreme Naturereignisse zu Katastrophen führen. Anpassung an sich in ihrer Intensität und Wiederkehrhäufigkeit verändernde Extremereignisse ist ein Bereich, in dem Katastrophenvorsorge über ein Bündel von Instrumenten verfügt. Sie kann hier wichtige Konzepte liefern.

Diese reichen von der Risikoanalyse über risikosensitive Maßnahmen im längerfristigen Bereich bis hin zur Vorbereitung auf den Katastrophenfall. So beispielsweise bei der Berücksichtigung des Risikos in der Raumplanung, bei Baunormen oder bei landwirtschaftlichen Praktiken.

Zuverlässige Informationen und Prognosen

Die Minderung der Treibhausgase ist eine globale Aufgabe. Die Anpassung an negative Auswirkungen des Klimawandels dagegen muss immer regional verankert sein. Deshalb werden dringend Informationen über die zu erwartenden Auswirkungen des Klimawandels auf regionaler Ebene benötigt. Damit können Katastrophenvorsorgemaßnahmen zielgerichtet eingesetzt werden, um einen effektiven Beitrag zur Reduzierung des Risikos zu leisten.

Genauso wichtig sind Prognosen über die Entwicklung der gefährdeten Gesellschaft. Nur so kann sichergestellt werden, dass Katastrophenvorsorge die Dynamik des Risikos berücksichtigt und somit auch über einen längeren Zeitraum wirksam ist. Unsicherheiten, die dabei vorhanden sind, müssen klar benannt werden, um eine realistische und transparente Entscheidungsfindung zu ermöglichen. Die Einbeziehung aller Akteure – gerade der gefährdeten Bevölkerung – ist hierfür wichtig.

Klimabedingte Risiken beachten

Klimabedingte Risiken sind in allen Entwicklungsentscheidungen zu berücksichtigen. Nur so kann erreicht werden, dass unsere Entwicklungsschritte dazu beitragen, Gefährdungen zu reduzieren. Oder mit den Worten des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen: “Katastrophen sind das Ergebnis falscher Entwicklung“.

Katastrophenvorsorge muss fester Bestandteil aller Anpassungsstrategien an den Klimawandel werden. Nur so kann den derzeit vorhandenen beängstigenden Trends der Zunahme von klimabedingten Katastrophen entgegen gewirkt werden. Der bereits stattfindende Austausch zwischen den Akteuren aus den verschiedenen Bereichen muss weiter intensiviert werden.

Der Herausforderung “Anpassung an den Klimawandel“ können wir nur erfolgreich begegnen, wenn die vorhandenen Kapazitäten, Ressourcen, Wissen und Instrumente gebündelt und gemeinsam eingesetzt werden.

(Autorin: Irmgard Schwaetzer, Vorsitzende des Deutschen Komitee Katastrophenvorsorge e.V., DKKV)

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