Es gibt kaum einen Menschen, der nicht am Wetter interessiert ist. Durch den Klimawandel werden die Wettergefahren weiter wachsen - und damit auch die Aufgaben der Wetterdienste. Wolfgang Kusch, Präsident des Deutschen Wetterdienstes, schreibt für das Magazin zur Entwicklungspolitik über Klimaänderungen und die Anstrengungen der weltweiten nationalen Wetterdienste.
Der Klimawandel und seine Ursachen und Folgen sind längst kein Forschungsprojekt im wissenschaftlichen Elfenbeinturm mehr. Die Klimaveränderung ist inzwischen ins Zentrum politischer und gesellschaftlicher Diskussionen gerückt – und da gehört sie auch hin. Der Klimawandel ist - auch in Deutschland - eine Tatsache.
Schon jetzt steht fest: Die Veränderung des Klimas wird einen nachhaltigen Einfluss auf alle wirtschaftlichen, sozialen und politischen Bereiche unserer Gesellschaft haben. Wir alle müssen lernen, mit den Konsequenzen dieser Klimaänderung zu leben und uns anzupassen.
Jedem von uns dürfte klar sein, dass die unumgängliche Anpassung unserer Gesellschaft an den Klimawandel nicht zum Nulltarif zu haben ist. Es wird, wie bei allen Veränderungsprozessen, Verlierer und Gewinner geben.
Ich bin deshalb überzeugt: Ohne Beobachtungsergebnisse - also Fakten - werden die notwendigen politischen Entscheidungen, die uns der Klimawandel aufzwingt, keine breite Akzeptanz finden.
In Deutschland misst, sammelt, archiviert und bewertet diese Fakten der Deutsche Wetterdienst (DWD). Er ist das Nationale Klimadatenzentrum der Bundesrepublik Deutschland. Der DWD ist einer der größten nationalen Wetterdienste weltweit und international seit Jahrzehnten vernetzt. Das Klimamonitoring ist – wie die Beratung der Politik bei Fragen zum Klimawandel - eine gesetzliche Aufgabe des DWD. Sie dient der Daseinsvorsorge in Deutschland.
Um aktuelle Klimatrends aufspüren und zweifelsfrei nachweisen zu können, benötigt man möglichst weit zurückreichende Wetter-Aufzeichnungen. Der Deutsche Wetterdienst betreibt in Deutschland eines der weltweit dichtesten Messnetze mit rund 2.200 Stationen.
Klimaänderungen hat es in der Vergangenheit immer schon gegeben. Und es wird sie auch in Zukunft immer geben. In Deutschland lässt sich seit 1901 ein deutlich ansteigender Trend der Mitteltemperatur um gut 0,9 Grad nachweisen. Weltweit waren es etwa 0,7 Grad. Diese Entwicklung hatte Folgen. So konnten schon bisher zahlreiche Langzeitveränderungen, sowohl auf kontinentaler und regionaler Ebene als auch im Bereich der Meeresbecken beobachtet werden.
Dazu zählen Veränderungen der Temperaturen und des Eises der Arktis, der deutliche Wandel der Niederschlagsmengen, die Veränderungen im Salzgehalt der Ozeane. Auch die Windmuster, extreme Wetterereignisse einschließlich Dürren und Trockenheit, Starkniederschlägen und Hitzewellen gehören dazu.
Bereits seit den 1970er Jahren werden weltweit heftigere und länger andauernde Dürre- und Trockenheitsperioden in größer werdenden Gebieten beobachtet. Das betrifft insbesondere die tropischen und subtropischen Regionen.
Leider ist davon auszugehen, dass sich die Ozeane und die Erdatmosphäre weiter aufheizen. Auf der Grundlage unseres Wissens über die Klima-Geschichte und mit Hilfe von Klimasimulationsmodellen lassen sich verschiedene Zukunftsszenarien darstellen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Es wird bis 2100 weltweit deutlich wärmer werden, und zwar um plus 2 bis plus 5 Grad Celsius im Vergleich zum Jahr 1990.
Von höheren Temperaturen, veränderten Niederschlägen, einem Anstieg des Meeresspiegels und einer deutlichen Zunahme schwerer Unwetterkatastrophen sind alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Bereiche betroffen. Deshalb ist es wichtig, die Klimaentwicklung genau zu verfolgen. Das ist eine zentrale Aufgabe der nationalen Wetterdienste.
Je mehr wir über unsere Umwelt und unser Klima wissen, umso besser können wir uns auf die bevorstehenden Veränderungen einstellen.
Katastrophen, die durch den Klimawandel verursacht werden, können künftig den Zusammenbruch der gesamten Wirtschaft eines Landes zur Folge haben. Deshalb kommt es entscheidend darauf an, weltweit alle Kräfte zu bündeln. Sowohl die Anpassung an die Klimaveränderung als auch die Vorsorge sollte international abgestimmt angepackt werden.
Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) leistet dazu mit ihren Mitgliedern - den nationalen Wetterdiensten wie dem DWD - einen entscheidenden Beitrag. Angesichts der künftig drohenden Gefahren durch Dürre und Trockenheit, Überschwemmungen und extreme Temperaturen hat die WMO einen Aktionsplan zur Katastrophenrisikominderung ausgearbeitet. Dieser Plan soll bei konkreten nationalen und regionalen Projekten zur Anpassung an den Klimawandel zum Einsatz kommen. Sowohl auf politischer und organisatorischer als auch operationeller Ebene
Den nationalen Wetterdiensten und hydrologischen Diensten fällt dabei die wichtige Aufgabe zu: Sie haben ihre Länder beim Kampf gegen die negativen Folgen des Klimawandels aktiv zu unterstützen.
Es ist heute weithin anerkannt, dass die Anpassung an den Klimawandel und dessen Minderung die beiden wichtigsten Ziele sind. Ein Schwerpunkt der Tätigkeit der WMO ist deshalb, die Nutzung von Klimainformationen und der notwendigen Instrumente bei der Entwicklung und Umsetzung effizienter Anpassungsstrategien weltweit zu verbreiten. Die WMO fördert die wissenschaftsgestützte Entscheidungsfindung auf globaler, nationaler und regionaler Ebene.
Damit die erforderlichen Maßnahmen akzeptiert werden, sind zuverlässige Daten wichtig. Die Entscheider in der Politik müssen in der Lage sein, ihre Entscheidungen national wie lokal auf der Grundlage von aktuellen und wissenschaftlich belastbaren Daten zu treffen. In Deutschland ist es eine Kernaufgabe des Deutschen Wetterdienstes, diese Fakten im Rahmen der Politik- und Klimaberatung bereitzustellen.
(Autor: Wolfgang Kusch, Präsident des Deutschen Wetterdienstes, DWD, Offenbach)