Sanitäre Versorgung

Uganda unter der "sanitären Lupe"

Uganda gilt als ein Musterland der Entwicklungszusammenarbeit. Im April 2007 vermerkt das Bundesentwicklungsministerium (BMZ). "Uganda ist ein eindrucksvolles Beispiel für große Erfolge bei der Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern." Zwar gehöre das ostafrikanische Land noch zu den ärmsten weltweit. Doch sei es gelungen, den Anteil der absolut armen Bevölkerung in 15 Jahren fast zu halbieren -  auf 31 Prozent im Jahre 2005.

Dass ein Fortschritt in der Armutsbekämpfung nicht gleichzusetzen ist mit einer besseren sanitären Grundversorgung, zeigt sich, wenn deutlicher hingeschaut wird. Im Dezember 2007 erschien die  Studie des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) 'Wassermanagement – Sanitärversorgung und nachhaltiger Ressourcenschutz". Sie kommt zu dem Urteil: "Die städtische Wasserversorgung und Abwasserentsorgung ist in Uganda immer noch in einem katastrophalen Zustand." Auf dem Lande sei die Lage noch schlimmer.

Toilette ist nicht gleich Toilette

Die ugandische Regierung gibt an, 59 Prozent der Bevölkerung hätten heute Zugang zu Toiletten und Latrinen. Die britische Hilfsorganisation 'WaterAid' spricht hingegen von einer sanitären Abdeckung von nur 43 Prozent. Solche Angaben sagen nichts über die Qualität der Sanitärversorgung aus, bemerkt Ina Jurga, DED-Mitarbeiterin in Uganda. Manchmal gelte als sanitäre Grundversorgung schon eine einfache Grubenlatrine, die allerdings viele Probleme mit sich bringe. Das sind beispielsweise Ungeziefer, Krankheitskeime, Gestank, Grundwasserverschmutzung und unzureichende Leerung.

Bei starken Regenfällen laufen die vollen Gruben über und der Unrat verteilt sich, so nicht zuletzt in Kampala, der Hauptstadt Ugandas.

Die Bundesregierung will mit den von 2007 bis 2009 zugesagten 56 Millionen Euro die Armut in Uganda weiter senken und die Wasserver- und Abwasserentsorgung im städtischen Bereich ausbauen. Dies soll auch durch Mikrokredite, mit Hilfe von Privatenunternehmern und durch die Anwendung ökologisch nachhaltiger Konzepte im Energie- und Wasserbereich möglich gemacht werden.

Geld ist nicht alles

In Uganda geht es bei der Finanzierung vor allem um ein Verteilungsproblem. Drei Ministerien sind für unterschiedliche Sanitärbereiche zuständig. Zwar soll eine besondere sanitäre Fördersumme beschlossen werden, doch es ist unklar, wer das Geld verteilt - und wohin es geht.

Oder ist Geld doch alles?

Private Unternehmen lassen sich ihre Dienstleistungen bezahlen: So kostet der Bau einer Grubenlatrine mittlerer Qualität bis zu 250 Euro, eine Reinigung noch einmal 200 Euro. Die Installation einer Ecosan-Toilette ist doppelt so teuer – rund 500 Euro. Hier fallen später allerdings kaum noch Betriebskosten an, und mit den recycelten Stoffen lässt sich Geld verdienen. Doch zu Anfang muss die umweltfreundliche und nachhaltige Toilette bezahlt und auf lange Sicht gesehen auch instand gehalten werden.

Die Wiederverwertung von Abwasser und Fäkalien ist nachhaltiger und wirtschaftlicher als deren Einleitung in die Oberflächengewässer. Auf diesem Grundgedanken beruhen ökologische Abwasserkonzepte. International werden diese Konzepte auch als "ecological sanitation" oder kurz "ecosan" bezeichnet.

Die Bevölkerung und die Gemeinden sind sehr arm, berichtet Michael Oketch Omodo, Mitarbeiter des ugandischen Umweltministerium. Jede Familie sei selbst für die Entsorgung ihres Abwassers verantwortlich. "Ecosan ist im Vergleich zu den Grubenlatrinen bei der Anschaffung teurer. Und darum werden die Haushalte oft alte Latrinensysteme nutzen – trotz aller Nachteile."

Deutsche und internationale Experten sind sich darüber einig, dass vor allem extrem arme Menschen von der sanitären Krise betroffen sind. Im Falle Ugandas gibt es Konzepte, Gelder, Tatendrang, aber ein zentrales Problem bleibt: Wenn die entwicklungspolitischen Projekte schon lange ausgelaufen sind, müssen die sozial benachteiligten Ugander ihre sanitäre Grundversorgung selbst zahlen. Auch in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit fehlt es hier an klaren Konzepten.

Private Finanzierung ein Knackpunkt

Wie sollen Menschen, die von einem oder zwei Dollar pro Tag leben, diese Kosten tragen – sofort und langfristig? Auch DED-Mitarbeiterin Jurga nennt diese Frage einen Knackpunkt bei ihrer Tätigkeit in Uganda. Sie bestätigt, gerade die Finanzierung lebenswichtiger Sanitärmaßnahmen sei für die ganz Armen "oftmals ein Problem". Die Verantwortung für die Sanitärversorgung werde immer an die Familien abgegeben.

Uganda ist nur ein Beispiel. So wie hier kann sich in vielen armen Ländern der Großteil der Bevölkerung keine menschenwürdige Toilette leisten. Bleibt zu hoffen, dass das von den Vereinten Nationen ausgerufene Jahr der Sanitären Grundversorgung 2008 einen wichtigen Schub in diesem Bereich auslöst.

(Autor: Rousbeh Legatis, Inter Press Service Europa, IPS, Berlin/Bonn)

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