Biologische Vielfalt

Amphibienvielfalt bewahren

Schon seit längerem rätselt die Wissenschaft über das weltweite Amphibiensterben. Die Ursachen sind vielfältig und nicht leicht zu erkennen. Verantwortlich machen Forschende die Zerstörung lokaler Lebensräume, die regionale Umweltverschmutzung, den sauren Regen und die verstärkte Ultraviolett-Einstrahlung infolge des Ozonlochs.

Besonders bedrohlich für die Amphibien ist derzeit jedoch die Ausbreitung eines Pilzes. Das Gefährliche an dem Chytridpilz ist, dass Schutzmaßnahmen im Lebensraum alleine anscheinend nicht helfen. Denn der Pilz kann auch unberührte und ungestörte Lebensräume anstecken - und plötzlich erlöschen ganze Amphibienbestände.

Amphibien oder Lurche sind die ältesten Landwirbeltiere. Ihr wissenschaftlicher Name leitet sich aus dem Griechischen (amphi) "auf beiden Seiten" und (bios) "Leben" ab, bedeutet also "doppellebig". Dies rührt daher, dass die meisten Amphibien zunächst ein Larvenstadium im Wasser durchlaufen und nach einer Metamorphose an Land leben können. In Deutschland gehören Frösche, Kröten, Molche und Salamander zu den Amphibien.

Bedrohung für den Menschen?

Mit dem Sterben der Amphibien geht nicht nur die natürliche Vielfalt verloren, sondern ganze Ökosysteme geraten ins Wanken. Auch in der Nahrungskette, an deren Ende der Mensch steht, spielen die Amphibien eine wesentliche Rolle.

Außerdem gehen mit dem Aussterben der Amphibienarten wertvolle medizinisch nutzbare Substanzen verloren. Beispielsweise ist der magenbrütende Frosch „Rheobatrachus silus“, der 1973 in Australien entdeckt wurde, seit elf Jahren ausgestorben. Ein harter Verlust für Magenkranke: Wirksame Medikamente können seitdem nicht mehr hergestellt werden.

Derzeit kann niemand voraussehen, welche Folgen das Verschwinden von Amphibien hätte. Eins aber scheint klar: Das Sterben der Amphibien betrifft auch die Menschen.

Hilfe durch das „Arche-Noah-Prinzip“

Was kann man dagegen unternehmen? In bisher ungestörten Lebensräumen lässt sich das „Arche-Noah-Prinzip“ anwenden. Die vom Chytridpilzes bedrohten Amphibienarten werden aus der noch gesunden Umgebung entnommen. Menschen bauen daraus eine Reservepopulation auf. Wenn die Probleme im Lebensraum behoben sind, werden die Nachkommen wieder ausgesetzt.

Was sich so einfach anhört, ist in der Praxis jedoch schwierig, denn: Zunächst muss eine Auswahl der zahlreichen Arten getroffen werden. Dann muss die Aufzucht tatsächlich gelingen. Und schließlich muss die Gesundheit der Tiere garantiert werden.

Möglich ist all dies nur mit einem Netzwerk international zusammenarbeitender Spezialisten. Dabei spielen zoologische Gärten eine wichtige Rolle. Dank der Infrastruktur der Zoos ist ein Netzwerk geschaffen worden, das die Haltung und Vermehrung bedrohter Arten managt. Auch der Kölner Zoo beteiligt sich an solchen Projekten.

Naturschutzprojekte des Kölner Zoos in Vietnam

Dabei ist es wichtig, direkt vor Ort, also im Lebensraum der Arten aktiv zu werden. Ein Beispiel ist das Naturschutzprojekt „Phong Nha - Ke Bang“ in Zentralvietnam. 1999 gründete es der Kölner Zoo gemeinsam mit der Nationaluniversität Hanoi und regionalen staatlichen Organisationen. Der Kölner Zoo setzt sich dort für den Waldschutz ein und unterstützt beispielsweise die Arbeit der Ranger. 

Inzwischen ist das Schutzgebiet ein großer Nationalpark, den die Unesco zum Weltnaturerbe erklärt hat. Seine steilen und dicht bewaldeten Karsthänge beherbergen eine reiche und teils einzigartige Tierwelt. Die Artenvielfalt Vietnams ist beeindruckend. Das belegen Neuentdeckungen zahlreicher Wirbeltiere in den letzten zehn Jahren. Lange Zeit wurde diese Vielfalt der Amphibien unterschätzt.

Biodiversität zu erfassen, ist die Grundlage, um Arten zu schützen und zu erhalten. Deshalb ist dies einer der wesentlichen Projektaspekte für den Kölner Zoo. Seit zehn Jahren konzentrieren sich die Forschenden im Projekt insbesondere auf die lokale Amphibien- und Reptilienfauna. Sie liefern wesentliche Hinweise für den Zustand des Lebensraumes. Aufgrund eigener Forschung konnten ungefähr 140 Arten nachgewiesen werden. Darunter sind viele Neunachweise und Neuentdeckungen, wie der nach dem Gebiet benannte "Phong Nha - Ke Bang Bogenfingergecko".

Am Stadtrand von Hanoi wird jetzt eine bereits bestehende Anlage zu einer professionellen Nachzuchtstation für bedrohte Amphibien- und Reptilienarten umgerüstet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf wenig bekannten und bedrohten Arten wie der chinesischen Krokodilschwanzhöckerechse.

(Autor: Dr. Thomas Ziegler, Leitung Aquarium und Koordinator Naturschutzprojekt Vietnam, Zoologischer Garten Köln)

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