Fragte man in den ghanaischen Schulen nach elektrischer Energie, kam heraus: Weit über die Hälfte aller Schüler hat kein elektrisches Licht zuhause. Statt dessen benutzen die Familien Lampen mit Kerosin, die schädliche Abgase absondern. Aber auch Familien mit Stromanschluss leiden unter tagelangen Stromausfällen oder Rationierungen. Der Grund: Der Wasserspiegel im Staudamm des Obervolta ist drastisch zurückgegangen.
Licht ist aber Voraussetzung für Bildung, Arbeit und Kommunikation in den Abendstunden. In Afrika beginnt die Dunkelheit regelmäßig bereits zwischen 18 und 19 Uhr. Was lag also näher, als die Kinder über die Nutzung erneuerbarer Energie, sprich Solarleuchten, zu informieren? Unerschöpfliche Sonnenenergie hat Afrika ja mehr als genug.
Aber wie konnte man die Menschen in Ghana überzeugen, dass sie mit Solar-Leuchten ihre Lebenssituation konkret verbessern können?
Ekkehardt Barchewitz vom Verein "Solux" erklärt: „Wir wussten, dass der Göttinger Verein "Schulwälder für Westafrika" in Ghana mit über 70 Schulen zusammenarbeitet. Es lag also nahe, den Einstieg für unser Solarprojekt in Ghana über die dortigen Partnerschulen zu versuchen.“
Der Verein Solux e.V. aus Ottobrunn arbeitet in Ghana mit dem Verein Schulwälder für Westafrika e.V. aus Göttingen zusammen. Im April 2007 eröffneten sie eine Solarwerkstatt in der Stadt Nyakrom. Die Ottobrunner arbeiten bereits seit Jahren an der Verbreitung von Solarleuchten für Entwicklungsländer. Weltweit haben sie über 50 Solarleuchten-Werkstätten eröffnet.
Seit 2000 unterstützen die “Schulwälder“ durch Aufforstungsprojekte Schulpartnerschaften an westafrikanischen Schulen. Es ist ein Projekt gegen die weitere Zerstörung des Regenwaldes, denn 80 Prozent der Fläche sind bereits vernichtet.
Um der Zerstörung entgegenzuwirken, begann man Baumschulen einzurichten und die Schulhöfe wieder zu bepflanzen. Die zugrundeliegende Idee des Baumschulprojektes besteht darin, dass die Schülerinnen und Schüler das Pflanzen und die Pflege der Bäume erlernen. Dabei sollen sie ein Gefühl für die Bedeutung ihres Regenwaldes und Verantwortung entwickeln. Auch die Bevölkerung soll so zu einer anderen Einstellung zur Natur gebracht werden.
Das Projekt vermittelt nicht nur theoretisches und praktisches Wissen über die Anpflanzung von Bäumen. Die Kinder lernen auch verstehen, dass der Regenwald nachhaltig gesichert werden muss. Durch die Wiederaufforstung von Schulhöfen wird somit ein kleiner, aber wichtiger Baustein gegen die Regenwaldzerstörung realisiert.
Im Februar 2007 wurde erstmals das Thema Solarleuchten in das Projekt eingebunden. Ziel war, die Schulkinder in Ghana zu motivieren, im Schulwald-Projekt nach dem Motto „Baumpflanzung für Solarlampen“ mitzuarbeiten. Der Anreiz: Die Kinder, die engagiert Bäume pflanzen, werden mit einer subventionierten Solarlampe belohnt oder bekommen kleine Prämien. Und in der Gemeinde spricht sich dann schnell herum, dass man auch abends zuhause sauberes Licht haben kann.
Gefertigt werden die Solarleuchten von einer hierfür gegründeten Werkstatt, in der interessierte Lehrer und Erwachsene arbeiten. In einem Workshop zeigte ein Experte des Senior Experten Service aus Bonn (SES) den Teilnehmern, wie die Leuchten und Module montiert werden. Eingehend wurden alle Arbeitsgänge - von der Montage über die Wartung bis hin zum Testen von Solarleuchten - vermittelt und geübt. Schon während des Workshops entstanden etliche Leuchten, die bei der Abschlussfeier versteigert und verkauft wurden. Von dem Erlös konnten neue Leuchtenteile und Module gekauft werden.
Die Kosten für den SES-Einsatz übernahm das Bundesentwicklungsministerium. Der SES entsendet pensionierte engagierte Fachleute, die auch im Ruhestand ihr wertvolles Wissen ehrenamtlich weitergeben.
Eine Leuchte kostet circa 23 Euro. Den überwiegend sehr armen Menschen ist er meist nur möglich, wenn er durch einen Mikrokredit abgefedert wird. Hierzu ist man in guten Verhandlungen mit den örtlichen Geldinstituten.
„Solux e.V.“ und „Schulwälder für Westafrika e.V.“ haben sich deshalb ein Ziel gesetzt: Sie wollen den Familien der Schüler in Nyakrom weit über tausend Solarleuchten so kostengünstig wie möglich verkaufen. Dazu hat man sich ein Bündel von Maßnahmen einfallen lassen. Zum Beispiel:
Bei Erfolg des Projektes will man dieses dann auf alle 72 Partnerschulen in Ghana ausdehnen, so Barchewitz.