Umweltmanagement

Müll gefährdet grünes Image

Costa Rica ist stolz auf sein grünes Image. Das kleine mittelamerikanische Land ist von ungeheurer Vielfalt. Rund 27 Prozent der Fläche stehen unter Naturschutz. Dennoch gibt es Grund zur Sorge: Zuviel Abfall stapelt sich auf wilden Kippen, vergammelt in den Straßen und verschmutzt die wildromantischen Strände. Das soll sich ändern - mit deutschem Know-how.

San José im letzten Sommer: Die Vertreter des Gemeindeverbandes der costaricanischen Hauptstadt hören der Abfallexpertin Sandra Spies aufmerksam zu. Ansätze für eine “Integrierte Abfallwirtschaftsplanung“ ist ihr Thema. Die Expertin merkt, dass die Teilnehmer noch nicht ganz zufrieden sind. Warum? Ricardo Funes drückt es so aus: “Schulung ist gut und schön, doch wir brauchen Unterstützung bei der Umsetzung des Gelernten.“ Michelle Arias ergänzt: “Wir müssen das Wissen in unseren Gemeinden erst anpassen. Hierfür benötigen wir einen Tutor, einen Berater, der uns hilft.“

Genau hier setzt ein Programm an, das die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums durchführt.

Gemeinden können eine Ausgangsbeschreibung ihrer Abfallsituation einreichen. Gemeinderat und Bürgermeister müssen dieses Papier gemeinsam unterschrieben haben. Damit zeigen sie, dass sie an einem Strang ziehen. Nach einem Auswahlprozess erhalten sie von der GTZ Unterstützung bei der Entwicklung eines kommunalen Abfallwirtschaftskonzepts. Die GTZ finanziert die Beratung, die Maßnahmen zur Umsetzung bezahlen die Gemeinden selbst.

Beunruhigende Fakten

In dem Programm geht es auch um die Frage, wie sich die Belange von Wirtschaft und Umweltschutz in Einklang bringen lassen. Wie dringend notwendig das ist, belegen aktuelle Daten: In Costa Rica werden mehr als ein Drittel der Abfälle unkontrolliert abgelagert. Die Verwertungsquote für Recyclingstoffe ist mit weniger als zehn Prozent sehr niedrig.

Für die Zukunft des Landes ist diese Entwicklung kritisch: Ballungsräume, Gewerbegebiete und Touristenzentren drohen immer mehr zu verschmutzen. Die Ministerien erlassen zwar Gesetze, um die Situation in den Griff zu bekommen. Die Gemeinden, die für die Müllentsorgung zuständig sind, fühlen sich jedoch bei der Umsetzung allein gelassen.

Wege aus der Sackgasse

Das mit dem Planungsministerium Costa Ricas vereinbarte Umwelt-Programm soll aus dieser verfahrenen Situation herausführen. Ein nationaler Abfallwirtschaftsplan ist erarbeitet worden. Nun muss er von den Bürgern, Gemeinden, Unternehmen und Ministerien gleichermaßen „gelebt“ werden.

Das Programm bringt alle Beteiligten an einen Tisch. Die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und Privatunternehmen soll besser werden, zum Beispiel um öffentliche Dienstleistungen zu planen und wirtschaftlich anzubieten. Unternehmen sollen sich fachlich und finanziell beteiligen, damit ressourcenschonende Produktionsverfahren und Recycling-Anlagen eingeführt werden. Die Kommunen wollen dazu beitragen, dass mehr Haushalte an das Abfallsystem angeschlossen werden. Auch der informelle Sektor ist in den nationalen Abfallwirtschaftsplan einbezogen. Denn viele Menschen leben davon, durch die Straßen zu ziehen und Wertstoffe zu sammeln. Durch die Förderung von kleinen Recycling-Kooperativen bekommen die Sammler bessere Arbeitsbedingungen.

Auf die Wirkung kommt es an

Klar, dass bei einem solchen Vorhaben besonders Aus- und Weiterbildung eine große Rolle spielen. Die Kernfrage ist jedoch, ob es gelingt, auch tatsächlich die beabsichtigten Wirkungen zu erzielen. Dafür hat die GTZ in Costa Rica ein differenziertes, landesweites Monitoring- und Evaluationssystem aufgebaut.

GTZ-Programmleiter Wilfried Hülstrunk erklärt das Prinzip: “Wir sammeln kontinuierlich Informationen und werten sie aus, um zu sehen, ob wir auf dem richtigen Weg sind.“ Die Daten geben Auskunft darüber, ob zum Beispiel Haushalte und Betriebe ihre Abfallmengen verringert haben. Und sie zeigen, ob die vereinbarte Recyclingquote erreicht ist, ob Deponien in Betrieb gegangen und wilde Müllkippen geschlossen worden sind.

Ein Nebeneffekt des Programms ist, das mittlerweile eine Plattform für die Aus- und Weiterbildung im Bereich Evaluation entstanden ist. Die Saar-Universität hilft außerdem der Universidad de Costa Rica, einen bestehenden Masterstudiengang Evaluation weiter zu entwickeln.

Neben diesem universitären Angebot bietet das deutsche Centrum für Evaluation (CEval) Kurse an. Diese Kurse sind offen für Teilnehmer aus Ministerien, Behörden und zivilgesellschaftliche Organisationen aus ganz Mittelamerika und erfahren eine große Nachfrage.

Versöhnung von Ökonomie und Ökologie?

Schon zeigt sich: Das Monitoring trägt dazu bei, Transparenz in die Abläufe zu bringen und die staatlichen und privatwirtschaftlichen Aktivitäten besser zu vernetzen. Statt unkoordinierter Einzelaktionen auf kommunaler oder betrieblicher Ebene beginnen nun alle Akteure im Land, an einem Strang zu ziehen. So steigen die Chancen, dass das grüne Image Costa Ricas nicht von ausufernden, wilden Müllkippen überwuchert wird.

Autor: Professor Reinhard Stockmann, Saar-Universität, Leiter des Centrums für Evaluierung (Ceval)

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