Persönliches Engagement

Lebendige Beziehung: 25 Jahre Partnerschaft Ruanda-Rheinland-Pfalz

Ein deutsches Bundesland und eines der kleinsten Länder Afrika sind seit einem Vierteljahrhundert Partner in der Entwicklungszusammenarbeit.

Die Partnerschaft hat nicht nur zwei sehr unterschiedliche Länder unmittelbar an der Basis zusammengeführt. Sie ist auch außergewöhnlich und gestaltet sich sehr umfassend. Nicht nur die Landesregierung, Landkreise und Gemeinden, sondern auch Schulen, andere Institutionen und einzelne Bürgerinnen und Bürger sind daran beteiligt. Die beiden Länder, die flächenmäßig ähnlich groß sind, arbeiten ständig und intensiv daran, ihre Beziehungen lebendig zu halten.

Initiator der Zusammenarbeit mit dem zentralafrikanischen Staat war der damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Berhard Vogel. 1982 gründete er die Partnerschaft durch einen offiziellen Briefwechsel mit dem damaligen ruandischen Außenminister Francois Ngarukiyintwall. Die Idee: Rheinland-Pfalz wollte seine beschränkten Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit auf ein einziges Entwicklungsland konzentrieren.

Alle nachfolgenden Ministerpräsidenten, gleich welcher Partei, haben in diesen 25 Jahren die Partnerschaft nicht nur finanziell unterstützt, sondern sie auch mit Leben erfüllt. Das beweisen die vielen Projekte, die im „Land der tausend Hügel“, wie Ruanda auch genannt wird, durchgeführt wurden und werden.

Bewährungsprobe - der Genozid

Ihre bislang härteste Bewährungsprobe musste die Partnerschaft nach dem Genozid in Ruanda im Jahr 1994 bestehen. Bei dem Völkermord an der Tutsi-Minderheit verloren unterschiedlichen Schätzungen zufolge innerhalb von 100 Tagen fast eine Millionen Tutsis und Tutsi-freundliche Hutus ihr Leben. Ein schmerzhafter und langwieriger Aussöhnungsprozess ist immer noch im Gange.

Viele Beziehungen und Kontakte rissen durch den Tod oder die Flucht der bisherigen Partner ab. Trotz dieses schrecklichen Einschnittes und mancher Schwierigkeiten hat sich die Partnerschaft jedoch als tragfähig erwiesen. Sie ist zu einem anerkannten und beständigen Modell der Entwicklungszusammenarbeit geworden. Auch dadurch hat sich Rheinland-Pfalz hohes Ansehen in der ruandischen Bevölkerung erworben. 

Impulse für Entwicklung geben

Seit Beginn der Partnerschaft im Juni 1982 konnten in Ruanda etwa 1.400 Projekte mit einem Finanzvolumen von rund 60 Millionen Euro realisiert werden. Rund ein Fünftel der Summe kam durch Spenden zusammen. Schwerpunkte der Förderung sind Projekte im Erziehungswesen, im Bereich der Sozial-, Jugend- und Frauenarbeit, im Gesundheitswesen und im Infrastrukturbereich.

Zudem wurden Projekte im Bereich der Handwerks- und Gewerbeförderung, der Landwirtschaft und der Hochschulen gefördert und umgesetzt. Viele Projekte sind erfolgreich und haben die Lebensbedingungen der Partner in Ruanda spürbar verbessert. In vielen ruandischen Gemeinden wurden durch die Partnerschaftsprojekte wichtige Impulse für die Entwicklung gegeben.

Die Partner in Rheinland- Pfalz leben diese besondere Verbindung nicht nur durch zahlreiche Aktivitäten zu Gunsten des Partnerlandes, sondern auch durch vielfache Besuche in Ruanda.

Die Projekte der einzelnen Akteure leisten Hilfe zur Selbsthilfe. Sie entsprechen somit dem Grundprinzip und Gründungsgedanken der Partnerschaft, die es geschafft hat, ein gegenseitiges Geben und Nehmen zu institutionalisieren.

Auf ruandischer Seite knüpft die Partnerschaft an den Eigenanstrengungen und dem Selbsthilfewillen der Bevölkerung an und unterstützt diesen. Auf rheinland-pfälzischer Seite fördert sie die entwicklungspolitische Bewusstseinsbildung und ist zu einem wichtigen Teil der politischen Kultur geworden. 

Die Idee weitertragen

Vor allem aber erfüllen die vielen im Laufe der Zeit entstandenen persönlichen Kontakte und Freundschaften die Partnerschaft mit Leben und machen ihren Erfolg aus. Eine ganz wichtige Säule der Partnerschaftsbeziehungen sind die Schulpartnerschaften zwischen rheinland-pfälzischen und ruandischen Schulen. So wird die Idee in die nächste Generation getragen, die sie wiederum weiterträgt. 

Heute unterhalten 50 Kommunen, 12 Vereine und Stiftungen, 15 Pfarreien, 4 Hochschulen und 248 Schulen Beziehungen zu ruandischen Partnern.

Aber auch die Kleinsten sind eingebunden: Zum 25-jährigen Jubiläum der Partnerschaft fand ein Malwettbewerb für die rheinland-pfälzischen Kindergärten statt. Ein Kalender für 2008 mit ausgesuchten Werken ist das Ergebnis. Die Kleinen in den Kindergärten sollten angeregt werden, sich in Projekten mit dem Thema Afrika zu beschäftigen. Ruanda steht bei ihnen für Afrika und weckt die Neugier auf den vielfältigen, großen Nachbarkontinent. 

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