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Mittelmeerdrittländer

Unter den Begriff "Mittelmeerdrittländer" fallen die Mittelmeeranrainer, die nicht Mitglied der Europäischen Union sind. 

Bereits 1972 schloss die Europäische Gemeinschaft erste Abkommen mit den Drittländern des Mittelmeerraums ab. Die Abkommen hatten nicht alle denselben Zuschnitt. Die meisten regelten vor allem handelspolitische Fragen und finanzielle Hilfen.
  

1991 entwarf die EU ein umfassendes Politikkonzept, das die Beziehungen zu den Mittelmeerdrittländern auf eine neue Basis stellte. Sie verfolgte zwei Hauptziele: Einerseits wollte sie den Zusammenhalt und den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Drittländern des Mittelmeerraumes und der Europäischen Union fördern; andererseits ging es darum, die Zusammenarbeit und regionale Integration zwischen diesen Ländern selbst zu unterstützen.

Handelsvereinbarungen erleichtern den Mittelmeerdrittländern den Zugang zum Binnenmarkt; Industrieprodukte aus der Region können frei in die Europäische Union eingeführt werden, der Zugang für landwirtschaftliche Produkte wurde weitgehend liberalisiert.

Der Rat von Cannes beschloss im Juni 1995 die "Partnerschaft Europa - Mittelmeer" (Euro-Med). Ziel dabei wares, Sicherheit und Stabilität in der Mittelmeerregion zu fördern. Die Partnerschaft umfasst sowohl wirtschaftliche als auch politische Fragen. In ihrem Rahmen soll ein umfassender Dialog zwischen der Europäischen Union und den Partnern im Mittelmeerraum erreicht werden. Folgende Ziele will die Europäische Union im Rahmen der Partnerschaft Europa-Mittelmeer verwirklichen:

  • Eine wirtschaftliche und finanzielle Zusammenarbeit, mit der eine euro-mediterrane Freihandelszone bis zum Jahr 2010 errichtet werden soll.
  • Einen verstärkten, regelmäßigen politischen Dialog mit dem Ziel, eine Charta für Frieden und Stabilität zu erarbeiten. Diesem Dialog kommt gerade im Zusammenhang mit der Nahost-Krise und mit dem Kampf gegen den Terrorismus eine gesteigerte Bedeutung zu.
  • Eine Partnerschaft im sozialen, kulturellen und menschlichen Bereich. Sie soll zu einem tiefergehenden gegenseitigen kulturellen Verständnis sowie zur Förderung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten führen. Migrationsfragen und der Kampf gegen organisierte Kriminalität und Terrorismus sind nicht nur im politischen, sondern auch in diesem "kulturellen" Dialog ein wichtiges Thema.
Partnerländer im Euro-Med-Prozess sind Ägypten, Algerien,  Israel, Jordanien, Marokko, Libanon, die Palästinensische Autonomiebehörde, Syrien und Tunesien. Libyen hat Beobachterstatus.

Im November 1995 wurde mit einer Konferenz in Barcelona, bei der die Außenminister der Europäischen Union und der Mittelmeerdrittländer zusammentrafen, die neue Partnerschaft Europa-Mittelmeer besiegelt. Im Rahmen dieses sogenannten Barcelona-Prozesses fanden im April 2002 in Valencia und im November 2005 in Barcelona weitere Treffen zwischen der EU und den Mittelmeerdrittländern statt.

Auf beiden Gipfeln wurde die Intensivierung des politischen Dialogs und die Verknüpfung wirtschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Aufbau demokratischer und zivilgesellschaftlicher Strukturen beschlossen. Außerdem soll der kulturelle Austausch verstärkt und der gemeinsame Kampf gegen den Terrorismus ausgebaut werden.

Der Barcelona-Prozess mündete 2008 in die Mittelmeerunion.