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Montag, 30. Januar 2012

Kulturstaatsminister Bernd Neumann im Interview mit dem Magazin promedia: "Der DFFF hat die hohen Erwartungen und Ziele erfüllt"

Interview mit:
Bernd Neumann
Medium:
promedia

Staatsminister Bernd Neumann sprach im Interview mit Helmut Hartung über fünf Jahre Deutscher Filmförderfonds DFFF: seine Struktur, Ergebnisse und eine mögliche Fortsetzung.

- Das Interview im Wortlaut. –

promedia: Herr Staatsminister Neumann, fünf Jahre DFFF, welches sind die wichtigsten Ergebnisse?

Bernd Neumann: Der DFFF hat die in ihn gesetzten hohen Erwartungen und Ziele erfüllt. Er hat die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Filmwirtschaft in Deutschland in den zurückliegenden fünf Jahren wie auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der filmwirtschaftlichen Unternehmen erheblich verbessert. Wir können feststellen, dass wir nachhaltige Impulse für den Filmproduktionsstandort Deutschland gesetzt und auch positive volkswirtschaftliche Effekte erzielt haben. Wir haben den DFFF evaluiert, deshalb wissen wir auch, dass es uns mit dem DFFF gelungen ist, höhere Produktionsbudgets zu ermöglichen. Dies hat positive Effekte auf die künstlerische Spielräume, aber vor allem auch auf die Qualität und Attraktivität des deutschen Films. Der DFFF hat von Januar 2007 bis Ende 2011 insgesamt 527 Filmproduktionen mit rund 292 Mio. Euro gefördert, darunter allein 196 internationale Koproduktionen. Damit haben wir dafür gesorgt, dass sowohl der Filmstandort Deutschland als auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Filmwirtschaft mit all seinen Arbeitsplätzen gestärkt wurde – und sich hinsichtlich Leistungsfähigkeit und Ansehen absolut auf Augenhöhe mit anderen großen Filmnationen wie Frankreich oder Großbritannien bewegt. Auf den Punkt gebracht: Aus Deutschland kommt Kinoqualität – konstant, facettenreich und beeindruckend. Das war unser Ziel.

promedia: Nach wie vor klagen die Filmproduzenten unter zu geringem Eigenkapital. Warum kann der DFFF hier keine Abhilfe schaffen?

Neumann: Diese Frage lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten. Der DFFF als ein Mosaikstein der Filmfinanzierung kann an dieser Stelle nur langfristig eine Stärkung geben. Da der DFFF eine Zuschussförderung ist, werden solche Entwicklungen erst in einigen Jahren messbar sein, dann nämlich, wenn feststeht, welche Erlöse aus den einzelnen Projekten direkt an die Produzenten geflossen sind. Dies gilt insbesondere auch für die Verwertung im Ausland, die als zusätzliche Einnahmequelle gerade bei internationalen Koproduktionen durch den DFFF ja auch befördert wird.

promedia: 300 Millionen Euro wurden in fünf Jahren in den deutschen Film an Zuschüssen investiert. Ist das „gut angelegtes Geld“?

Neumann: Allerdings! Seit Einrichtung des Deutschen Filmförderfonds investieren deutsche Produktionsfirmen in Folge der zweckgebundenen DFFF-Fördergelder Jahr für Jahr rund das Sechsfache dieser Zuschüsse allein in Deutschland. Das bedeutet, für jeden Euro, den der DFFF an Förderung vergibt, werden mehr als sechs Euro in Deutschland ausgegeben. Insgesamt wurden seit 2007 von den geförderten Filmproduktionen fast 1,8 Milliarden Euro in Deutschland ausgegeben, das sind drei Viertel der gesamten Herstellungskosten, die bei über 2,4 Milliarden Euro lagen. Darüber hinaus war eine Vielzahl DFFF-geförderter Filme im Kino überaus erfolgreich, diese haben auch qualitativ zu einer ganz neuen Wahrnehmung deutscher Filme im Ausland gesorgt. Gleichzeitig können wir dem DFFF einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Verdienst zuschreiben, nämlich dass durch die vielen Koproduktionen eine wachsende Vernetzung zwischen deutschen und internationalen Produzenten entstanden ist - und weiterhin heranwächst. Ich glaube nicht, dass es in anderen Bereichen viele Investitionen gibt, deren Mitteleinsatz eine ähnlich positive Erfolgsbilanz und Rendite aufweisen. Nicht umsonst beneiden uns darum auch viele andere Länder, wie ich in meinen Gesprächen mit der Branche und auch im Ausland immer wieder erfahre.

promedia: Aber die „Oscars“ für deutsche Spielfilme gab es für Produktionen von vor 2007 – kommt jetzt mehr Masse statt Qualität?

Neumann: Bislang haben drei deutsche Filme in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ den OSCAR gewonnen, „Die Blechtrommel“, Nirgendwo in Afrika“ und „Das Leben der Anderen“. Aber auch Oscar-Nominierungen für das Bernd Eichinger Projekt „Der Baader Meinhof Komplex“ oder Michael Hanekes „Das weiße Band“, über die wir uns in den letzten Jahren immer wieder gefreut haben, sind sicherlich ein deutliches Signal für die Ausstrahlungskraft des deutschen Films. Wir wissen alle, dass nur wirklich außergewöhnliche Filme und beeindruckende kreative Leistungen die Chance auf eine solche Auszeichnung haben. Ähnliches gilt aber auch für andere große Festivals wie die Berlinale, in Cannes oder Venedig, wo DFFF-geförderte Filme regelmäßig im Wettbewerb stehen und ausgezeichnet wurden. Man kann nicht jedes Jahr einen OSCAR gewinnen, in diesem Jahr aber drücken wir natürlich ganz besonders Wim Wenders´ 3D-Dokumentarfilm „Pina“ die Daumen, der für Deutschland in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ ins Rennen geht. Eine besondere Auszeichnung liegt aber bereits jetzt schon vor: Der Film ist auf der short list „best documentary“ für den Oscar 2012 verzeichnet.

promedia: Sind deutsche Filme internationaler geworden?

Neumann: Die Zahl der vom DFFF geförderten internationalen Koproduktionen ist in den letzten fünf Jahren kontinuierlich angestiegen. Im letzten Jahr bewilligte der DFFF 44 Förderungen für internationale Koproduktionen, das sind zehn mehr als vor fünf Jahren. Bemerkenswert ist aber auch, dass mittlerweile internationale Großproduktionen aus Deutschland heraus entwickelt werden, was früher fast undenkbar war. 2010 galt dies für „Die drei Musketiere“ in 3D, der unter Federführung eines deutschen Produzenten zum größten Teil in Deutschland entstanden ist, und im letzten Jahr für Tom Tykwers „Cloud Atlas“. Es zeigt sich, dass große Stoffe mit deutschen Regisseuren und einem deutschen Team nun auch in Deutschland realisiert werden. Daran hat der DFFF mit seinen stabilen Strukturen einen beträchtlichen Anteil.

promedia: Wie attraktiv ist Deutschland dadurch für internationale Filmproduktionen geworden?

Neumann: Der Anreiz für internationale Produktionen, in Deutschland zu drehen, ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Dies liegt zum einen natürlich an den Fördermitteln des DFFF, aber auch an der hohen Professionalität, die die Filmwirtschaft hierzulande mittlerweile auszeichnet. Es kommt sicherlich nicht von ungefähr, dass Filme wie „Der Vorleser“, die mit Deutschland zu tun haben, nun auch in Deutschland realisiert werden. Selbstverständlich stehen wir an dieser Stelle im Wettbewerb mit anderen Ländern, aber da haben wir, wie sich immer wieder zeigt, schon gute Karten.

promedia: In den fünf Jahren sind über 500 Filme mit DFFF-Mitteln gefördert worden, also im Schnitt bekam jede zweite Filmproduktion, die ins Kino kam, Mittel vom DFFF. Ist das viel oder wenig?

Neumann: Das Kino lebt von der Vielfalt und ich bin der Meinung, dass der Markt 100 vom DFFF geförderte Filme im Jahr verkraften kann. Außerdem sind unter den Filmen, die der DFFF gefördert hat, schließlich nicht nur große Produktionen mit mehreren hundert Kopien, sondern viele kleinere Dokumentarfilme, die mit einer sehr viel geringeren Kopienzahl in die Kinos kommen und hier durchaus Achtungserfolge erzielen können.

promedia: Warum bekamen die anderen 50 Prozent kein Geld von Ihnen?

Neumann: Ganz einfach: Weil die anderen Produktionen die Fördervoraussetzungen des DFFF nicht erfüllen konnten.

promedia: Inwieweit profitieren auch kleinere Filme vom DFFF?

Neumann: Der Produktionsstandort Deutschland ist im Laufe der letzten fünf Jahre nicht nur für internationale Kinoproduktionen immer attraktiver geworden. Von den 527 Produktionen, die der DFFF zwischen 2007 und 2011 gefördert hat, hatte annähernd jeder zweite Film, 234 an der Zahl, ein Budget unterhalb von zwei Mio. Euro. Ohne Dokumentarfilme zählt immer noch mehr als jeder vierte Spiel- und Animationsfilm zu dieser Budgetklasse. Gerade der DFFF hat dafür gesorgt, dass eine Vielzahl von kleinen und mittleren Produktionen der unterschiedlichen Genres entstehen konnte. Darunter befinden sich übrigens auch eine ganze Reihe von filmischen Perlen wie Andreas Dresens „Halt auf freier Strecke“, „Pina“ von Wim Wenders, „Alle Anderen“ von Maren Ade oder „Kirschblüten – Hanami“ von Doris Dörrie. Vom DFFF profitiert haben vor allem aber Dokumentarfilme, deren Budgets nur bei vier von 125 geförderten Produktionen höher als 2 Mio. Euro lag.

promedia: Der DFFF ist auch international zu einem Modell geworden. Was bedeutet diese Konkurrenz für den DFFF?

Neumann: Konkurrenz belebt das Geschäft, und natürlich spiegelt sich darin auch der Erfolg eines zeitgemäß flexiblen Fördersystems wieder, das in dieser Form einzigartig war und nun auch seine Nachahmer gefunden hat. Dies gilt auch für unsere österreichischen Nachbarn, wo man vor zwei Jahren mit dem Fonds „Filmstandort Österreich“ eine dem DFFF vergleichbare Förderung geschaffen hat. So etwas freut uns, weil es wiederum auch den deutschen Produzenten auf der Suche nach internationalen Koproduktionspartnern zugutekommt.

promedia: Wie geht es mit dem DFFF 2013 weiter?

Neumann: Hierzu ist grundsätzlich festzustellen, dass der DFFF kein Selbstläufer ist. Dieses Förderprogramm war von Anfang an immer ein befristetes Förderinstrument. Das wird auch bei Förderprojekten in anderen Bereichen so gehandhabt. Für den zweiten, derzeit noch geltenden Förderzeitraum, also 2010 bis 2012, konnte ich eine Verlängerung des Programmes bei den Haushältern in unveränderter Höhe erreichen. Im laufenden Haushaltsaufstellungsverfahren für 2013 steht die Entscheidung für eine Verlängerung des DFFF an, und ich kann an dieser Stelle nur versichern, dass ich mich aus Überzeugung für eine Fortsetzung des Programmes einsetzen werde.