Donnerstag, 2. September 2010
Brüderle: Karriere und Familie besser vereinbar machen
- Interviewter:
- BruederleRainer
- Medium:
- Financial Times Deutschland
Die Unternehmen hierzulande hätten ein ureigenes Interesse daran, das Potenzial weiblicher Spitzenkräfte voll auszuschöpfen, findet Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Bürokratische Quotenregelungen lehnt der Minister im Interview mit der Financial Times Deutschland ab.
Financial Times Deutschland: Sind in deutschen Unternehmen ausreichend Frauen in den Führungsetagen?
Rainer Brüderle Es gibt gerade in den Vorständen und Aufsichtsräten der großen deutschen Unternehmen nach wie vor verschwindend wenige Frauen. Unsere skandinavischen Nachbarn sind schon einen Schritt weiter. Wir haben hier Nachholbedarf.
FTD: In Norwegen hat ein konservativer Wirtschaftsminister eine Frauenquote im Aufsichtsrat eingeführt. Könnte es in Deutschland ein FDP-Wirtschaftsminister sein?
Brüderle: Es liegt im ureigensten Interesse der Unternehmen, das Potenzial weiblicher Spitzenkräfte voll auszuschöpfen. Langfristig kann es sich kein Unternehmen leisten, personelle Ressourcen brachliegen zu lassen. Die Koalition will Unternehmen unterstützen, damit Karriere und Familie besser vereinbar werden. Ich bin zuversichtlich, dass wir schon bald viel mehr Frauen in den Führungsetagen deutscher Unternehmen sehen - auch ohne eine gesetzliche Frauenquote.
FTD: Die Familienministerin will die Quote als letztes Mittel einsetzen. Sie auch?
Brüderle: Frauen werden sich durchsetzen, weil sie gute Arbeit leisten, nicht weil bürokratische Quotenregeln das vorschreiben.
FTD: Aber die Selbstverpflichtung hat doch wenig gebracht.
Brüderle: Bis jetzt ging es zu langsam voran. Doch gerade in jüngster Zeit gab es ermunternde Beispiele. Der Corporate Governance Kodex für börsennotierte Unternehmen etwa verpflichtet Unternehmen, Rechenschaft über eine angemessene Berücksichtigung von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten abzulegen.
FTD: Die Telekom hat als erstes Unternehmen eine Quote für weibliche Führungskräfte eingeführt.
Brüderle: Das war mutig. Andere Unternehmen müssen für sich entscheiden, ob und wie sie nachfolgen möchten.
FTD: Auch bei der Bahn oder der Post ist der Aufsichtsrat männlich. Die wenigen Frauen kommen von der Arbeitnehmerseite. Warum schickt der Staat nicht mehr Frauen in das Gremium?
Brüderle: Das Bundesgremienbesetzungsgesetz hat eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen zum Ziel. Auch der Staat kann auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn die besten Frauen Und Männer am richtigen Platz arbeiten.
Das Gespräch führte Monika Dunkel.
