Freitag, 15. Juli 2011
Video: Besuch des Genoveva-Gymnasiums in Köln - Maria Böhmer will mehr Abiturienten unter Migranten
Am letzten Tag ihrer Integrationstour hat Staatsministerin Maria Böhmer das Genoveva-Gymnasium in Köln besucht. Die 670 Schülerinnen und Schüler dort sprechen zusammen 42 unterschiedliche Sprachen und haben ihre Wurzeln in mehr als 30 Ländern weltweit. Das Gymnasium schafft es dennoch, dass fast alle ihr Abitur machen.
Durch ein eigenes Lernkonzept bereitet das Gymnasium seine Schülerinnen und Schüler für ein Studium vor, darunter zahlreiche Jugendliche, die bei ihrer Einschulung kaum Deutsch sprechen. – Ein Vorbild für viele andere Schulen, betonte Maria Böhmer bei ihrem Besuch.
„Gut ausgebildete Menschen, gleich welcher Herkunft, sind die Zukunftsträger unseres Landes“ sagt die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Maria Böhmer gleich zu Beginn ihres Besuchs. „Viel zu viele Schülerinnen und Schüler erreichen nicht das Ergebnis, was sie eigentlich aufgrund ihrer Begabung und ihres Leistungsvermögens erreichen könnten. Besonders wichtig ist: Nur wer die deutsche Sprache gut beherrscht, schafft es auch.“
Wie das Gymnasium in Köln-Mülheim diese Aufgabe bewältigt, das wollte Staatsministerin Maria Böhmer von Lehrern und Schüler selbst erfahren. Böhmer ist seit Anfang der Woche bundesweit auf Integrationstour, um Projekte auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und um Leuchtturmprojekte ausfindig zu machen, die Vorbild für gelungene Integration sein können. „Am Genoveva-Gymnasium habe ich etwas erlebt, was ich selten an einer Schule gesehen habe. Hier gibt es einen Wohlfühlfaktor sowohl bei Lehrern als auch bei Schülern, was das Lernen an dieser Schule positiv beeinflusst“, sagte Böhmer während ihres Gesprächs mit Schülern und Lehrern. „Von diesem Klima und von diesem Konzept können andere Schulen lernen“, so Böhmer weiter.
Das Genoveva-Gymnasium nutzt die Potenziale der jungen Migranten
Für sein Engagement hatte das Genoveva-Gymnasium dieses Jahr den Deutschen Schulpreis erhalten. Die Jury hatte vor allem beeindruckt, dass das Gymnasium konsequent, hochprofessionell und höchst wirksam das umsetze, was Bildungsreformer seit Jahren fordern. Es gilt, das Potenzial von Migrantenkindern zu nutzen, die in vielen deutschen Großstädten zwar schon die Mehrheit ihrer Generation stellen, aber überproportional häufig Hauptschulen besuchen.
„Alle reden von Integration, wir machen sie einfach“, fasst Schulleiter Bernd Knorreck das Motto des Genoveva-Gymnasiums zusammen. „Wir können durch Tests sehr genau sehen, ob Kinder die Fähigkeiten haben, die nötig sind, um das Abitur zu schaffen. Wenn sie noch nicht genug Deutsch können, dann ist das für uns kein Problem. Das lernen sie dann bei uns.“ – So wie die 15-jährige Kaya aus Polen. Vor einem Jahr kam sie mit ihren Eltern aus Lublin im Osten Polens nach Köln. Sie war in ihrer Heimat eine gute Schülerin, doch Deutsch konnte sie kaum. Trotzdem durfte sie direkt am Genoveva-Gymnasium anfangen, nachdem sie den Aufnahmetest in Englisch und in ihrer Muttersprache Polnisch bestanden hatte. – Deutsch lernt sie seitdem in speziellen Sprachkursen der Schule. Anfangs war es schwer, doch mittlerweile - nach 12 Monaten - kann sie schon gut Deutsch: „Ich kann Polnisch, Russisch, Slowenisch, Englisch und jetzt auch Deutsch. Wenn ich mein Abitur habe, will ich Journalistin werden, da kann ich die vielen Sprachen bestimmt gut gebrauchen.“
Seiteneinsteiger sind oft besonders erfolgreich
Seiteneinsteiger, so heißen Kinder wie Kaya am Genoveva und Lehrer Karsten Müller hat gerade zwei Seiteneinsteigerinnen neu in seiner Klasse, zwei Mädchen aus Malta. Auch diese beiden sprechen kaum Deutsch. Doch ihr Aufnahmetest lief sehr gut und sie werden nach dem Sommerferien hier am Genoveva anfangen. „Oft sind es die Seiteneinsteiger aus unserem Sprachkurs, die am Ende das beste Abitur an unser Schule machen“, so die Erfahrungen von Lehrer Karsten Müller.
Begleitet wird das alles von zusätzlichen Nachhilfeangeboten durch Studenten der Universität Köln, die im Netzwerk ‚Chancenweit‘ kostengünstige Nachhilfe anbieten. Bezahlbare Nachhilfe ist wichtig, denn viele Eltern der Schülerinnen und Schüler in Köln-Mülheim haben ein geringes Einkommen. - Zudem gib es ein Tanz-Projekt, das für die Ganztagsschüler am Genoveva bis Klasse neun Pflichtfach ist. Tanz funktioniere auch, wenn es mit der Sprache noch nicht klappt, meint Tanzpädagogin Sarah Schuhmacher: „ Tanz als Ventil für Emotionen sorgt für ein besseres Miteinander, sogar für bessere Noten. Gerade Jungs, die aus streng muslimischen Familien kommen und selten Gefühle zeigen dürfen, bekommen so einen Zugang zu ihren Gefühlen.“
Ein erfolgreicher Weg, den Maria Böhmer bei der Erarbeitung des Nationalen Aktionsplans Integration verstärkt in den Blick nehmen wird.
