Montag, 9. Mai 2011
Bundeskonferenz setzt auf Integration als Medienthema
Ist Deutschland ein Integrationsland? Wie ist die Wahrnehmung in Deutschland und von Deutschland? Wie sieht die Wirklichkeit aus? Wie berichten die Medien über Integration? Ist die Vielfalt der Integrationsthemen in den Medien spürbar? Oder wird ausschließlich über Problemgruppen berichtet? Und werden bestehende Bilder nur noch reproduziert? Diese Themen greift die zweitägige Bundeskonferenz der Integrationsbeauftragten von Bund, Ländern und Kommunen in München auf.
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Bundeskonferenz der Integrationsbeauftragten in München
Foto: Oliver Bodmer
Deutschland als Integrationsland
Die Bundeskonferenz der Integrationsbeauftragten des Bundes, der Länder und der Kommunen steht am Montag, den 9. Mai und am Dienstag, den 10. Mai ganz unter dem Motto “Wahrnehmung und Wirklichkeit - Integrationsland Deutschland”. “Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem, was Wirklichkeit ist und was wahrgenommen wird”, so Staatsministerin Maria Böhmer. “Medien und Integration” stellt den Schwerpunkt der diesjährigen Konferenz der Integrationsbeauftragten dar.
Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Böhmer eröffnete am Montag die Bundeskonferenz mit den Worten: “Heute am 9. Mai beginnt die Volkszählung in Deutschland. Erstmals wird in unserem Land nach dem Migrationshintergrund gefragt. Das bedeutet, ein klares Bekenntnis dazu, dass Deutschland ein Integrationsland ist und das ist auch gut so.”
Integration in Bayern
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Banner der Bundeskonferenz 2011
Foto: IB
Danach begrüßte Staatsminister Marcel Huber - Leiter der Bayerischen Staatskanzlei alle Gäste. “Die Integration ist ein sehr wichtiges, aber nicht immer ganz einfaches Thema. Die Bundeskonferenz arbeitet sehr erfolgreich daran, dass sich Migranten in Deutschland zu Hause fühlen.” Das Thema Integration kommt in den Medien nicht so positiv weg. Die Wahrnehmung und die Wirklichkeit klaffen weit auseinander. Die Integration hat in Bayern eine große Bedeutung. Jeder fünfte Bayer hat einen Migrationshintergrund. Deswegen steht Integration ganz hoch auf der Agenda. 66,7 % der Zuwanderer gehen einer geregelten Arbeit in Bayern nach. Das Bundesland Bayern legt Wert auf Sprachförderung und lässt Sprachtests schreiben “mit dem Ziel, dass kein Kind in die Grundschule kommt, das nicht gut Deutsch sprechen kann”, so Huber.
Hep Monatzeder, Dritter Bürgermeister der Stadt München, freut sich, dass die diesjährige Bundeskonferenz der Integrationsbeauftragten in München stattfindet. “Denn München ist vielfältig, München lebt Vielfalt”, so Monatzeder. Rund 36 % der Münchner haben einen Migrationshintergrund. Menschen aus über 180 Nationen leben in dieser Stadt. Beispielweise soll ein Zentrum für den Islam in München entstehen, mit Moschee, Museum und Gemeindehaus, in dem Deutsch gesprochen wird.
Wie wirkt sich die Medienberichterstattung auf die Integration aus?
Auf Integration als Medienthema ging besonders Joachim Preuß von der Süddeutschen Zeitung ein. Er zeigte, was sich beispielweise eine Deutsch-Türkin mit Kopftuch in Deutschland wünscht: Normalität. Preuß erklärte: “Medien vermitteln oft kein differenziertes Bild.” Er sprach an, was in den Medien betont wird. Meistens seien das Negativbilder oder Zahlen, die erschrecken. “Es ist zwar nicht die Aufgabe der Journalisten, Missstände totzuschweigen. Doch sind Medien einfach problemorientiert”, so Preuß. Er wies darauf hin, dass keine Verallgemeinerungen von Beispielen stattfinden und dass Geschichten über kriminelle Ausländer nicht aufgebauscht werden dürfen. Stattdessen sollen Gemeinsamkeiten und Erfolgsgeschichten in den Mittelpunkt rücken.
Anerkennung von ausländischen Abschlüssen
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Eröffnungsrede von Staatsministerin Maria Böhmer während der Bundeskonferenz in München
Foto: Oliver Bodmer
In ihrer Rede ging Staatsministerin Böhmer auf neue Gesetzesregelungen ein: Ihr war es wichtig, einen Straftatbestand gegen Zwangsverheiratung zu erreichen. Der Aufenthaltstitel erlischt in Deutschland dann erst nach zehn Jahren. Im Rahmen der Bleiberechtsregelung war es Böhmer außerdem ein großes Anliegen, “dass gut integrierte Kinder ein Bleiberecht bekommen.” Staatsministerin Böhmer möchte, dass zudem mehr Migranten im öffentlichen Dienst ausgebildet und beschäftigt werden. Zusätzlich will sie die journalistische Aus- und Fortbildung qualifizieren.
Böhmer will vor allem die verbesserte Anerkennung ausländischer Abschlüsse in Deutschland in der Praxis durchsetzen. Der Gesetzesentwurf ist bereits vom Bundeskabinett verabschiedet worden. Nun sind die Länder an der Reihe. Das Gesetz soll auf Bundesebene noch dieses Jahr in Kraft treten. Entweder soll der ausländische Abschluss dem deutschen gleichwertig sein oder er wird zumindest teilanerkannt.
“Die klare Botschaft ist, alles daran zu setzen, dass sich alle Eingebürgerten hier zu Hause fühlen und dass wir alle ein Wir-Gefühl entwickeln”, so Böhmer. “ Die Kluft zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit soll endlich geschlossen werden!”
Bei der anschließenden Diskussion kamen viele Themen auf, zum Beispiel, wie sich die Medien für Integration öffnen können, wie Migranten für den Beruf des Journalisten gewonnen werden können und ob eine Neudefinition von Bezeichnungen erforderlich ist.
Was ist deutsch? Ist die Bezeichnung “Migrant” für jemanden, der in Deutschland aufgewachsen ist, gerechtfertigt? In den fünf Foren konnten die einzelnen Themen und Fragestellungen anschließend noch intensiver diskutiert werden.
