Montag, 18. März 2013
Willkommenskultur
Eine Schule empfängt die ganze Welt
Sprachkurse, Patenschaften, gemeinsame Ausflüge: Die Bonn International School unternimmt eine ganze Menge, um Schülern und Eltern von Anfang an den Start in Deutschland zu erleichtern. Keine einfache Aufgabe bei 740 Kindern und Jugendlichen aus 65 Nationen. Doch Ziel der Schule ist, dass sich die Familien schnell in Deutschland zuhause fühlen.
Bonn International School – ein Bindeglied zwischen alter und neuer Heimat
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Chris Müller, der Direktor der Bonn International School, ist selbst erst seit einigen Monaten in Deutschland
Foto: Marion Theisen
„Sich-Zuhause-Fühlen ist ein Prozess, das geht nicht von heute auf morgen. Aber die Schule tut alles dafür, diesen Prozess für die neu nach Deutschland Zugezogenen so angenehm wie möglich zu machen“, sagt der Schulleiter der Bonn International School (BIS) Chris Müller. 740 Schüler aus 65 Nationen besuchen die Schule, vom Kindergartenalter bis zum internationalen Abitur.
Die Fluktuation ist in allen Jahrgangsstufen groß; die meisten Familien bleiben nur drei bis vier Jahre in Deutschland, dann dreht sich das Job-Karussell der Eltern weiter und die Familie muss erneut das Land wechseln. Chris Müller selbst kommt gebürtig aus Namibia. In den letzten 20 Jahren hat er in Sambia, New York, Rumänien, Paris und Tansania gelebt. All diese Orte hatten ihre guten Seiten, sagt er. „Aber ich war wirklich froh, als ich erfuhr, dass es nun nach Deutschland geht. Hier läuft einfach alles, es ist zuverlässig. Ob ich nun ein neues Schulgebäude baue oder meinen Wagen reparieren lasse.“
Schmelztiegel der Kulturen
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Familie Koratkar hat schon in vielen Ländern gelebt und fühlt sich in Deutschland sehr wohl
Foto: Marion Theisen
Anuradha Koratkar lebt nun schon seit acht Jahren in Deutschland. Sie ist gebürtige Inderin. Ihr Sohn Vivek (17) ist in den USA geboren, ihre Tochter Divya (10) in Portugal, wo ihr Mann fünf Jahre lang beruflich zu tun hatte. Die beiden sind ein gutes Beispiel für das, was im Fachjargon „Third culture kids“ genannt wird. Sie bringen viel aus den Kulturen mit, in denen sie bisher gelebt haben, passen sich auch den Gegebenheiten vor Ort an – und bilden damit eine „dritte Kultur“, die natürlich an einer Schule mit 65 Nationen ein sehr dehnbarer Begriff ist.
Sprachkurse und ehrenamtliche Eltern - die Parent Volunteers - bieten den neu zugezogenen Familien eine erste Orientierung im neuen Land. Man lernt sich auf gemeinsamen Ausflügen kennen oder beim wöchentlichen Elterncafé. Hier gibt es auch Tipps zur Freizeitgestaltung und Sportvereinen. Vivek zum Beispiel spielt seit einigen Jahren in der Jugendmannschaft der Telekom Baskets, und Divya ist im Schwimmverein. „Sport“, sagt ihre Mutter, „ist die beste Möglichkeit, um Kontakt zu deutschen Kindern zu bekommen.“ Und so will auch Schulleiter Chris Müller die sportlichen Aktivitäten an seiner Schule weiter ausbauen: „Unsere Sportmannschaften fahren bis nach Antwerpen, Luxemburg und Den Haag. Da ist es mir sehr wichtig, auch den Austausch mit den anderen Bonner Schulen zu intensivieren.“
Deutschland: grün und freundlich
Keiko Kataoka kommt aus Japan und ist mit ihrer Familie vor anderthalb Jahren nach Bonn gezogen. Ihr erster Eindruck: sehr viel Grün und nette, entspannte Menschen. „Vorher haben wir einige Jahre in Paris gelebt. Da waren die Leute teilweise sehr unfreundlich, vor allem wenn man die Sprache nicht so gut konnte. Das war eine harte Zeit für mich, denn für uns Japaner ist Freundlichkeit und Höflichkeit sehr wichtig“, erzählt sie. Ihre Töchter sind 6 und 10 Jahre alt. Auch Anuradha Koratkar war nach fünf Jahren in Portugal froh, nach Deutschland zu kommen: „In Portugal waren die Leute sehr auf sich selbst bezogen. Es war sehr schwer, Kontakte zu knüpfen.“
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Mary Ann und Alexandria Mann sind seit vier Jahren in Deutschland. Es ist ihr erster Auslandsaufenthalt.
Foto: Marion Theisen
Die Geschichte von Alexandria Mann ist eine ganz andere. Sie hat mit 12 Jahren zum ersten Mal die USA verlassen und sah sich mit ihrer ersten Fremdsprache konfrontiert. Heute ist sie 16 und gibt zu: „Das erste Jahr war sehr, sehr hart. Vor allem wegen der Sprache. Aber jetzt habe ich viele Freunde gefunden. Und ich genieße es sehr, dass man sich hier so frei bewegen kann.“ „In Atlanta mussten wir die Jugendlichen immer hin und her fahren“, ergänzt die Mutter. „Dort gab es nicht so ein gutes Nahverkehrs-Netz. Außerdem ist es in Bonn sicher, es gibt kaum Kriminalität. Und die Leute sind so nett: geduldig und tolerant. Wenn nur die Sprache nicht so schwierig wäre…“
Es geht auch auf Englisch
Die Sprache, heißt es immer, ist der Schlüssel zur Gesellschaft. Das gilt für die Kataokas, die Koratkars und die Manns nur bedingt. Denn sie alle sprechen Englisch – und sind begeistert, wie weit man damit in Bonn kommt. „Ich habe schon viel Deutsch gelernt, aber immer wenn ich damit anfange, antworten die Leute mir auf Englisch.“ Die meisten Eltern der BIS-Kinder arbeiten im gehobenen Management, in der Politik oder bei den UN und anderen Nicht-Regierungs-Organisationen. Das gesamte Umfeld der Familien ist mindestens zweisprachig.
„Auch beim Einkaufen oder in Ämtern trifft man überall Menschen, die entweder gut Englisch sprechen oder sich aber zumindest sehr bemühen, sich mit mir zu verständigen“, erzählt Mary Ann Mann. „Das wäre in den USA ganz anders. Jemand, der da kein Englisch spricht, wäre total verloren.“ Es ist immer auch eine Frage der eigenen Haltung, ergänzt sie. Wenn sie am Rhein spazieren geht, kommen die Leute nicht von selbst auf sie zu. Aber wenn sie die Initiative ergreift, entstehen oft sehr nette Unterhaltungen.
Die Bonn International School wächst stetig. Seit 2005 hat sich ihre Schülerzahl verdoppelt, auf jetzt 740. Die Stadt wird bunter, und die Menschen gewöhnen sich daran. Das internationale Flair der Schule und der vielen weltweiten Firmen und Organisationen ist für alle ein Gewinn. Und es ist sicher ein gutes Aushängeschild für andere, die in Betracht ziehen, nach Deutschland zu kommen.
Marion Theisen
