Ali Ertan Toprak
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Portrait Ali Ertan Toprak
Foto: REGIERUNGonline/Eckel
geboren 1969 in Ankara, Türkei
Ausbildung
In der Türkei geboren kam Toprak im Alter von zwei Jahren nach Deutschland, wo er in Hamburg und Recklinghausen aufwuchs. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Sozialwissenschaften an der Universität Duisburg-Essen.
Von 1998 – 2000 arbeitete Toprak als persönlicher Referent des damaligen Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir im Bundestag, bis Ende 2009 war er Abgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat von Recklinghausen.
Beruf
Generalsekretär der Alevitischen Union Europa (AABK)
(ehrenamtliche) Tätigkeit/Amt in Verband
Toprak koordiniert Projekte und Veranstaltungen der AABF und setzt sich dabei besonders für die Interessen religiöser, kultureller und ethnischer Gemeinschaften in der Türkei sowie in der deutschen und europäischen Diaspora ein. Zu seinen aktuellen Arbeitsschwerpunkten gehören die Etablierung der alevitischen Glaubenslehre in Lehre und Forschung an deutschen Universitäten sowie die Anerkennung der AABF als Körperschaft des öffentlichen Rechts.
sonstige Aktivitäten im Bereich Integration
Mit der AABF vertritt Toprak eine in Deutschland anerkannte Religionsgemeinschaft nach Art. 7 Abs. 3 des Grundgesetzes. In seiner Funktion als stellvertretender Bundesvorsitzender der AABF ist er sowohl Mitglied der Deutschen Islam Konferenz als auch des Integrationsgipfels der Bundesregierung.
persönliche Aussage zur Integration
Entscheidend ist, dass wir alle ein aufrichtiges Interesse daran haben, uns als eine Gesellschaft zu begreifen. Dabei spielt – ganz im Sinne des vielfach zitierten Böckenförde-Diktums „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“ – die politische Kultur eine essentielle Rolle. Wahlkampfauftritte demokratischer Parteien, bei der soziale und gesellschaftspolitische Problematiken, die die Gesamtgesellschaft als Ganzes betreffen, ethnisiert werden, schaden ebenso wie die Auftritte des Ministerpräsidenten der Republik Türkei in Köln und jüngst in Düsseldorf. Beides verhindert, dass Migrantinnen und Migranten ihre „Antennen“ nach Berlin und in die Landeshauptstädte ausrichten. Doch genau das müssen sie tun, um diese eine Gesellschaft zu begründen, innerhalb derer wir Alle leben wollen.
Wir alle (er-)leben Diversität in unserem persönlichen und beruflichen Alltag schon lange. Jetzt müssen wir beginnen, die Dimensionen dieser Heterogenität zusammenzudenken und auch politisch und gesellschaftlich zu nutzen. Dazu leistet eine Willkommens- und Anerkennungskultur einen wichtigen Beitrag und gelingt nur, wenn sich Migrantinnen und Migranten mit Deutschland identifizieren. Identifikation wiederum gelingt nur durch Chancengleichheit, Anerkennung und gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft.
Doch diese Haltung kann weniger politisch oder rechtlich verordnet, sondern muss vielmehr vorgelebt und gefördert werden. Sie ist eine Querschnittsstragie, die den Blick auf die Gesamtgesellschaft richtet, gesellschaftliche Machtstrukturen analysiert und die damit verbundenen Privilegien sowie die ungleiche Verteilung und Zuweisung von Ressourcen thematisiert. In gleicher Weise rückt diese Haltung den Menschen in den Mittelpunkt; signalisiert und praktiziert damit eine klare Verschiebung weg von der zugeschriebenen Gruppenmitgliedschaft und/oder kollektiver Mentalität einer Person („Türke“, „Kurde“, „Araber“, „Moslem“ etc.). Sie lässt nicht zu, dass sowohl neu Ankommende als auch bereits hier Lebende Ent-Individualisiert werden, sondern begreift sie mit ihren Potentialen als wichtige Ressource für unsere gemeinsame gesellschaftliche Entwicklung.
Erst jüngst sorgte Sarrazin mit seinen Theorien von Abstammung und Vererbung, die unbestritten jenseits des menschenrechtlich Zulässigen und des unveränderlichen Kerns des Grundgesetzes liegen, für Aufregung, aber nicht für kluge Debatten.
Im 21. Jahrhundert angekommen, sollten wir gemeinsam für Menschenrechte, Freiheit und Demokratie streiten und die Werte der Aufklärung und des Humanismus, dazu gehört auch die Erinnerung und das Bewusstsein für historische Ereignisse verteidigen. Und zwar unabhängig von politischen Konstellationen und Mehrheiten, unabhängig von Diskursen, die nicht der gelebten Wirklichkeit entsprechen, unabhängig von gesellschaftlichen Moden und ökonomischen Rahmenbedingungen. Ein zugegebenermaßen hoher Anspruch, an dem wir uns als Akteure des Wandels dennoch messen lassen müssen. Dazu gehören natürlich auch das Scheitern und das Eingestehen eigener Fehlleistungen und falscher Prioritäten, solange wir das Wesentliche, die Verständigung darüber, in welcher Gesellschaft wir leben wollen, nicht aus den Augen verlieren.
