Montag, 21. Mai 2012
Bundeskonferenz
„Wir kommen in der Integrationspolitik voran“
Mit einem eindringlichen Plädoyer für eine „nachhaltige Integrationspolitik durch Regelangebote“ eröffnete Staatsministerin Böhmer die Bundeskonferenz der Integrationsbeauftragten von Bund, Ländern und Kommunen in Wiesbaden. Neben dem Paradigmenwechsel von der Projektförderung zu Regelangeboten sprach sich die Staatsministerin vor den 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern für eine verstärkte Netzwerkbildung vor Ort aus.
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Eröffnung der Bundeskonferenz 2012
Foto: Integrationsbeauftragte
Nur so, erklärte sie in ihrer Rede, könne die für eine erfolgreiche Integration unerlässliche Vernetzung vor Ort erreicht werden.
Im Fokus der zweitägigen Bundeskonferenz in der hessischen Landeshauptstadt stehen neben dem Modellprojekt „Integration verbindlicher machen – Integrationsvereinbarungen erproben“ auch die Verbesserung der Ausbildungssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund sowie die Aspekte der frühkindlichen Sprachförderung und die interkulturelle Öffnung von Vereinen.
Mit großer Zustimmung quittierten die Konferenzteilnehmer die „maßgeblichen Fortschritte“, die Wissenschaftler den deutschen Integrationsbemühungen im zweiten Integrations-Indikatorenbericht attestieren. Diese drückten sich, so die Staatsministerin, unter anderem in einem gesunkenen Anteil arbeitsloser Migranten wie auch durch einen deutlichen Anstieg höherer Bildungsabschlüsse bei jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund aus. „Integration ist die gesellschaftliche Aufgabe der Zukunft“, unterstrich Böhmer, die bei aller Freude über den „Rückenwind für die Thematik Integration“ auch den mitunter wehenden Gegenwind nicht unerwähnt ließ. Doch nur durch eine nachhaltige Integrationspolitik, die sich weg von der Defizitorientierung und hin zur Potenzialorientierung bewege, „kommen wir voran“, erklärte die Staatsministerin.
Der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden bescheinigte die Integrationsbeauftragte des Bundes „viele Weichen“ gestellt zu haben. Hier wird, wie von ihr gewünscht und gefordert, Integration „zur Chefsache“ gemacht, wie Wiesbadens Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller bestätigte. „Migranten sind ein Gewinn für die Gesellschaft“, erklärte Müller, der mit Verweis auf das städtische Integrations-Monitoring „signifikante Verbesserungen“ etwa bei der Anzahl von Gymnasiasten und Auszubildenden mit Migrationshintergrund anführte. Auch Hessens Sozialminister Stefan Grüttner erklärte in einem Grußwort zur Eröffnung der Bundeskonferenz, dass eine erfolgreiche Integration „im Interesse des Lands“ sei; in Hessen beispielsweise habe jeder achte Einwohner einen nicht-deutschen Pass und jeder vierte Einwohner einen Migrationshintergrund.
Um die Vernetzung vor Ort zu stärken, initiierte die Integrationsbeauftragte vor gut einem Jahr Jahren in 18 Kommunen und Ländern das auf eineinhalb Jahre angelegte Modellprojekt der individuellen Integrationsvereinbarungen. Neben der effizienteren Vermittlung von Integrationsangeboten soll so unter anderem an 18 Standorten in Deutschland eine dauerhafte Willkommens- und Begegnungskultur etabliert werden.
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Bundeskonferenz der Integrations- und Ausländerbeauftragten
Foto: Integrationsbeauftragte
Nach wie vor – und darüber herrscht Einigkeit bei den Teilnehmern der Bundeskonferenz – sind Bildung, und Sprache, der Schlüssel zur Integration. Die frühkindliche Sprachförderung, die für einen reibungslosen Start in der Grundschule unerlässlich ist, spielt dabei eine zentrale Rolle. In diesem Zusammenhang hob Staatsministerin Böhmer auch die Bedeutung des familiären Umfeldes und die Bereitschaft der Eltern, aktiv mitzuwirken und vor allem auch selbst die deutsche Sprache zu erlernen, hervor. Der Bund habe, so Böhmer, bei der Sprachförderung wichtige Zeichen gesetzt, in dem er vier Jahre lang 400 Millionen Euro in die rund 4000 Schwerpunkt-Kitas investiert. Und es kämen immer neue Herausforderungen auf Deutschland zu: etwa durch die europäische Binnenwanderung, die junge Menschen vor allem aus Osteuropa nach Deutschland führt. Auch für solche Quereinsteiger gelte es, Sprachangebote zu schaffen, so Böhmer.
Wie wichtig die Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen bei der Integration ist, hat sich nach den Worten Böhmers auch bei der Erarbeitung des Nationalen Aktionsplanes „Integration“ gezeigt. Er enthält unter anderem den einhelligen Wunsch nach einem Anstieg von Auszubildenden und Beschäftigten mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst, also in Schulen, bei der Polizei, der Feuerwehr und in den Verwaltungen. Ferner wurde in den Nationalen Aktionsplan der Bereich „Gesundheit und Pflege“ aufgenommen, der insbesondere dem kontinuierlichen Anstieg alter Menschen mit Migrationshintergrund Rechnung trägt.
