Heimatsammlungen in Deutschland: Deutsche Erinnerungskultur 1945 bis heute
Schlesische, pommersche, ostpreußische oder auch einfach „ostdeutsch“ genannte Heimatstuben oder Heimatsammlungen gibt es in großer Zahl in Deutschland.
In den Heimatstuben werden Erinnerungsgegenstände unterschiedlicher Art und historisch, künstlerisch oder volkskundlich wertvolle Objekte, Bücher und Archivalien – häufig Unikate – aufbewahrt. Manches wurde bereits auf der Flucht mitgeführt, Vieles wurde später durch Ankäufe oder bei Besuchen in den früheren Wohnorten erworben. So entstanden im Laufe der Jahrzehnte nicht selten umfangreiche Sammlungen.
Erstmalig werden durch ein Projekt des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Oldenburg, in Kooperation mit dem Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel die kleinen musealen Einrichtungen und das in ihnen gesammelten Kulturgut als Ganzes betrachtet und dokumentiert. Dies ist auch deshalb notwendig, weil der Bestand vieler Einrichtungen auf Dauer nicht gesichert ist.
Datenbank der Heimatsammlungen
Bestehende und aufgelöste Heimatsammlungen werden in einer Datenbank erfasst und dargestellt. Jede einzelne Sammlung wird durch einen kurzen Abriss ihrer Geschichte und eine (summarische) Dokumentation ihrer Bestände charakterisiert.
Im Ergebnis wird – zunächst in Form einer laufend aufgebauten und von Anfang an öffentlich zugänglichen Internetpräsentation – erstmals eine umfassende Gesamtdokumentation vorgelegt. Sortiert nach Herkunftsgebieten, Standorten in den Bundesländern oder einzeln von Altenburg bis Zwickau können die Sammlungen in der Datenbank recherchiert werden. Benutzer finden hier beispielsweise Informationen über das Heimatmuseum der Bessarabiendeutschen in Stuttgart, seine Kontaktdaten, Öffnungszeiten, Geschichte, Sammlungen, Literaturhinweise. Auch über nicht mehr bestehende Sammlungen wie die 2003 aufgelöste Karpatendeutsche Heimatstube in Korbach kann man nachlesen. Wer sich für deren Bestände interessiert, wird auf das Karpatendeutsche Museum in Karlsruhe verwiesen, an das sie übergeben wurden.
Begleitende Monographie
In einer begleitenden Gesamtdarstellung soll die Geschichte und Bedeutung von Heimatsammlungen untersucht werden sowie ihre gesellschaftliche Funktion, die sie insbesondere für die Integration der Vertriebenen als Ort der Kommunikation und Identitätsbewahrung erfüllen. Ferner sollen die politische Dimension umrissen und eine kulturhistorische Einordnung der Heimatsammlungen vorgenommen werden. In einem interdisziplinären Zugang werden dabei Fragestellungen und Methoden der Geschichtswissenschaft, der Europäischen Ethnologie und der Museologie verknüpft. Quellen der geplanten Darstellung sind unter anderem die Sammlungen selbst, Dokumente und Archivalien der Kommunen und Länder, die Vertriebenenpresse sowie ergänzende Interviews.
In wechselseitiger Ergänzung sollen beide Projektteile die Bedeutung der Heimatsammlungen als Elemente der deutschen Erinnerungskultur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart dokumentieren.
