Montag, 7. September 2009
Open-Air-Ausstellung
„Friedliche Revolution 1989/90“
Die Ausstellung „Friedliche Revolution 1989/90“ auf dem Alexanderplatz erinnert mit eindrucksvollen Bildern an die Ereignisse vor zwanzig Jahren und zieht täglich Tausende Besucher in ihren Bann. Sie ist eine Koproduktion der Robert-Havemann-Gesellschaft e. V. mit der Kulturprojekte Berlin GmbH und wird gefördert mit Mitteln der Lotto Stiftung Berlin und des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
Der Alexanderplatz hat eine lange und bewegte Geschichte. Auf ihm wurden Ochsen verkauft, Rekruten gedrillt und Revolutionen ausgefochten. Berühmte Leute wohnten hier. Fontane hatte ganz in der Nähe seine Apotheke, Lessing ein Haus und Alfred Döblin setzte dem Platz ein literarisches Denkmal. Kurz nach dem Mauerbau beschloss die SED, aus dem Platz das Wohnzimmer der DDR zu machen. Davon hat er sich bis heute nicht erholt.
Im Jahr der Friedlichen Revolution spielte der Alexanderplatz eine ganz besondere Rolle. Von hier startete am 7. Oktober 1989, dem 40. und letzten Jahrestag der DDR, die erste große Berliner Protestdemonstration gegen die Diktatur seit dem Volksaufstand von 1953. Diese Demonstration wurde zwar noch mit Gewalt auseinander getrieben, trotzdem fanden sich Tausende Demonstranten in der Gethsemanikirche im Prenzlauer Berg wieder, dem damaligen Zentrum der Proteste in Ost-Berlin, und ließen sich auch von einem massiven Polizeiaufgebot nicht abschrecken. Der Alexanderplatz erlebte schließlich am 4. November 1989 die größte Protestkundgebung in der Geschichte der DDR. Die SED versuchte verzweifelt sich an die Spitze der aufgebrachten Massen zu stellen, aber Markus Wolf und Genossen wurden gnadenlos ausgepfiffen.
Seit dem 7. Mai 2009 hat der Platz wieder ein Gesicht. Die Open-Air-Ausstellung „Friedliche Revolution 1989/90“ erinnert mit eindrucksvollen Bildern an die Ereignisse vor zwanzig Jahren und zieht täglich Tausende Besucher in ihren Bann. Einige kommen zufällig und bleiben dann Stunden, andere kommen gezielt, um sich über das wichtigste Ereignis der deutschen Nachkriegsgeschichte zu informieren. Die Ausstellung ist eine Koproduktion der Robert-Havemann-Gesellschaft e. V. mit der Kulturprojekte Berlin GmbH. Sie wird gefördert mit Mitteln der Lotto Stiftung Berlin und des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
Auf dreihundert laufenden Metern informiert die Ausstellung mit über 700 Bildern, Vitrinen und Medienstationen über die einzige erfolgreiche Revolution in der deutschen Geschichte. “In dieser Ausstellung stehen die Akteure der Ereignisse im Mittelpunkt“ so der Projektleiter Tom Sello. „Im öffentlichen Berliner Raum gibt es bisher kaum Hinweise auf die Ereignisse von 1989/90. Dabei war Berlin einer der wichtigsten Orte des gesellschaftlichen Umbruchs. Die Havemann-Gesellschaft wird deshalb zusätzlich zur Ausstellung an 20 Orten in Ost- und West-Berlin Stelen aufstellen, die über die freudigen Ereignisse von 1989 und ihre Protagonisten informieren. Solche dauerhaften Revolutionsstelen installieren wir ebenfalls mit der finanziellen Unterstützung des Bundes und Berlins. Wie wir alle wissen, fand der gesellschaftliche Umbruch ja nicht nur in Berlin sondern in ganz Ostdeutschland statt. Überall, vom Dorf bis zur Großstadt, machten die Menschen Revolution. In unserer Ausstellung erinnern wir deshalb, an die große Kundgebung in Plauen am 7. Oktober 1989, die tagelangen Proteste Anfang Oktober in Dresden oder an den 9. Oktober in Leipzig. Nicht zu vergessen Polen: Ohne den Kampf von Solidarnosc kann man die Geschichte der Friedlichen Revolution in der DDR nicht erzählen.“
Gezeigt werden die Oppositionelle Aktivitäten, ausgehend von wenigen Menschen, die binnen kurzer Frist in Bewegungen umschlagen, die Gründung neuer Bürgerbewegungen und Parteien, die mutigen Demonstrationen und die hilflosen Reaktionen der kommunistischen Machthaber.
Die einen wollten die DDR reformieren, andere stimmten mit den Füßen ab und verließen das Land. Zusammen beseitigten sie die Diktatur der SED. Wie rasant die Entwicklung verlief, kann man daran ablesen, dass noch im Mai 1989 bei der Kommunalwahl ca. 90 Prozent Ja-Stimmen zur Einheitsliste abgegeben wurden und nur sechs Monate später Hunderttausende auf den Straßen den Machtanspruch der SED in Frage stellten. Wiederum nach einem knappen halben Jahr fanden die ersten freien Wahlen in der DDR statt.
Am deutlichsten wird der Wandel am Wechsel der Losungen von „Wir sind das Volk“ zu „Wir sind ein Volk“. Selbst nach der Maueröffnung riss der Strom der Ostdeutschen nicht ab, die das Land Richtung Westen verließen. Zur ersten freien Wahl für die Volkskammer der DDR hatte sich eine große Mehrheit der Wähler für die „Allianz für Deutschland“ entschieden, die den schnellsten Weg zur Wiedervereinigung versprach. Die Geschwindigkeit bestimmten dabei weiter die Bürger. Sie drängten die Regierenden zur Währungsunion und Einheit. Noch wenige Tage vor Inkrafttreten des Einigungsvertrages erzwangen sie eine Änderung. Die Stasiakten mussten offengelegt werden.
In der Ausstellung wird nicht nur der zeitliche Ablauf der Ereignisse wiedergegeben. Neben den Ergebnissen der gesellschaftlichen Um- und Neuordnung wird die Vielschichtigkeit des Prozesses der politischen Willensbildung, die Ziele der Bürger sowie ihre Motive deutlich. Das daraus entstehende Bild ist nicht homogen. Es zeigt unterschiedliche, zum Teil gegenläufige Interessen, die ganz bewusst nicht ausgespart bleiben.
Über eine halbe Millionen Menschen haben die Ausstellung seit ihrer Eröffnung am 7. Mai 2009 besucht. Die Besucher stammen aus allen Altersgruppen und kommen aus allen Teilen der Welt. Zeitzeugen treffen sich zufällig und tauschen ihre Erinnerungen aus. Junge Leute erklären ihren ausländischen Freuden die Ereignisse, die sie selbst nicht erlebt haben. Ohne Zweifel, die Ausstellung regt zur Diskussion an. 130 Schülergruppen aus allen Teilen der Bundesrepublik haben ihr Wissen erweitert. Aus den über 300 Eintragungen im elektronischen Gästebuch, die man auch im Internet unter www.revolution89.de nachlesen kann, spricht Begeisterung. So schreibt zum Beispiel Martin Praeger aus Stuttgart: „Sehr interessante Ausstellung, didaktisch klug, anregend, lässt einen die Geschichte noch einmal erleben.“ Andrea Hoodt aus Erfurt: „Ich war 10, als die Wende war und ich bekomme Gänsehaut, wenn ich die Ausstellung sehe.“ Für viele Berlin Touristen aus aller Welt, ist die Ausstellung zu einem Höhepunkt ihrer Reise geworden. „Eine schöne Ausstellung, die mir sehr gefallen hat. Schön, dass sie den Leuten kostenlos interessante Informationen bietet und einen guten Eindruck von der ehemaligen DDR gibt. Berlin ist eine schöne Stadt, die besucht werden muss!“ schreibt zum Beispiel Deniz Bektas aus Dänemark.
