Navigation und Service

Inhalt

Pisa-Studie

Schulische Bildung besser und gerechter

Schülerinnen und Schüler in Deutschland überzeugen mit guten Leistungen in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen. Der Anteil leistungsschwacher Jugendlicher sinkt. "Mehr Chancengleichheit ist unser Ziel", erklärte Bildungsministerin Johanna Wanka bei der Vorstellung der aktuellen Pisa-Studie.

Schülerinnen und Schüler der Oppenheim-Schule in  Berlin - Charlottenburg Pisa-Studie 2012: Leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler holen auf Foto: Sebastian Bolesch

Deutschland holt im internationalen Bildungsvergleich der OECD auf. Vor allem schwächere Schüler zeigen bessere Leistungen. "Deutschland hat sich in allen Wissensgebieten über den OECD-Durchschnitt hinaus verbessert'", sagte die amtierende Bundesbildungsministerin Johanna Wanka bei der Vorstellung der Pisa-Studie in Berlin.

Aufwärtstrend bei Naturwissenschaften

In den Naturwissenschaften hätten deutsche Schüler den Aufstieg in die Spitzengruppe geschafft. In Mathematik gebe es mit Japan, Korea, den Niederlanden, Estland und der Schweiz "nur fünf Länder, die besser sind als Deutschland". Die Ergebnisse zeigten auch für die Leistungsschwächeren aus sozial benachteiligten Schichten eine "Aufstiegsdynamik".

Pisa ist die Abkürzung für "Programme for International Student Assessment". Die international vergleichende Schulleistungsstudie wird im Auftrag der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erstellt. Sie erfasst die Lesekompetenz sowie die mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenz von 15-jährigen Jugendlichen. An der Pisa-Studie im Jahr 2012 haben alle 34 OECD-Länder und 30 Partner-Länder teilgenommen. In Deutschland wurden rund 5.000 Schülerinnen und Schüler befragt.

Mathe macht Spaß

Deutsche 15-Jährige rechnen so gut wie Schüler in Finnland, Kanada und Polen. Beim diesjährigen Pisa-Schwerpunkt Mathematik erreichten die Schülerinnen und Schüler in Deutschland 514 Punkte (2009: 513 Punkte). Sie liegen damit 20 Punkte über dem Schnitt der anderen Pisa-Teilnehmerländer (494 Punkte). Dies entspricht einem Lernvorsprung von einem halben Schuljahr. International belegt Deutschland unter 65 Teilnehmerländern den 16. Platz.

Jungen sind den Mädchen in Deutschland mit ihren Mathefähigkeiten im Schnitt um ein knappes Schuljahr voraus. Selbst dort, wo die Leistungen beider Geschlechter gleich seien, stünden Mädchen der Mathematik negativer gegenüber, erläuterte die Bildungsdirektorin der OECD, Barbara Ischinger. Sie hätten weniger Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Für ein Land, das auf kleine und mittelständische Unternehmen setzt und in dem Fachkräfte knapp sind, sei es heikel, "wenn Mädchen Mathematik als Buch mit sieben Siegeln empfinden", sagte Ischinger.

Anschluss an die internationale Spitzengruppe

Im Bereich Naturwissenschaften erzielten die Schülerinnen und Schüler mit 524 Punkten auch in den Naturwissenschaften ein deutlich über dem OECD-Schnitt liegendes Ergebnis. Hier ist der Anschluss an die internationale Spitzengruppe erreicht. Der Anteil der leistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler konnte auf 12,2 Prozent verringert werden (OECD-Durchschnitt: 17,8 Prozent).

Lesen über Durchschnitt

Mit 508 Punkten liegt Deutschland erstmals auch im Bereich Lesen über dem OECD-Durchschnitt (496 Punkte). Dabei ist es gelungen, den Anteil der leistungsschwächeren Jugendlichen auf 14,5 Prozent zu verringern (OECD: 18 Prozent). Nach wie vor lesen Mädchen sehr viel besser als Jungen.

Sozial Benachteiligte und Zuwanderer holen auf

Die Leistungssteigerung ist beachtlich. Damit ist Deutschland neben Mexiko und der Türkei das einzige Land, das nicht nur in den Fähigkeiten, sondern auch in der Chancengerechtigkeit Erfolge verbuchen konnte. Deutlich mehr Schüler aus sozial schwachen Familien besuchen in Deutschland inzwischen das Gymnasium. Dies gilt auch für Schüler aus Zuwandererfamilien.

Wanka erklärte, der größte Schock bei der Studie in 2000 sei gewesen, dass in einem reichen Land wie Deutschland der soziale Hintergrund eine derart große Rolle bei der Bildung gespielt habe. Diese Tendenz sei nun durchbrochen worden. Doch noch immer gebe es den Zusammenhang von Elternhaus und Bildungserfolg. Deswegen reiche das Ergebnis noch nicht aus. "Mehr Chancengerechtigkeit ist unser Ziel", betonte die Bildungsministerin. 

Bildungsreformen als Grundstein für Erfolg

Das deutsche Bildungssystem habe sich als lernfähig erwiesen, erklärte der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Stefan Dorgerloh. Er verwies auf die eingeführten Bildungsstandards, den Ausbau der Ganztagsbetreuung, die gezielte Leseförderung und die stärkere Unterstützung für lernschwache Schüler.

Ziel müsse sein, die Zahl der Risikoschüler auf unter zehn Prozent zu verringern und die Gruppe der Leistungsstarken auf 25 Prozent zu steigern.

Pisa-Sieger sind erneut die Schülerinnen und Schüler aus Schanghai, Singapur und Hongkong. Sie sind Gleichaltrigen in Deutschland um zwei bis drei Schuljahre voraus.

Dienstag, 3. Dezember 2013