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Montag, 18. März 2013

Bildung

Fit durch Frühstart

Ein Sprachförderprogramm für Kinder aus bildungsfernen Familien verbessert deren Lesefähigkeiten und Integration. Das Projekt "Frühstart" wendet sich aber auch an die Eltern, um sie zur Zusammenarbeit zu motivieren.

Erzieherin mit Kindern Spielerisch Deutsch lernen Foto: Ulf Dieter

Ein Vormittag in der Kita der Christuskirche von Bad Nauheim. Vier Kinder stehen um ein Osternest. Erzieherin Gabriela Ott fragt: "In welcher Jahreszeit liegt Ostern?" Schnell rufen Liyan, Mia, Dominik und Mika: "Frühling!" Als die Erzieherin ihnen einen Zweig mit vertrockneten Blättern hinhält, sind die Kinder zunächst etwas ratlos. Doch schließlich meint Dominik: "Das ist bestimmt der Herbst!" Fröhlich üben die Kinder neue Wörter, Aussprache und ganze Sätze.Sie singen, reimen und machen Sprachspiele.

Einmal in der Woche lernen die Vier- bis Fünfjährigen spielerisch Deutsch – durch das Sprachförderprogramm "Frühstart" für Kinder aus bildungsfernen Familien. "Dank dieser Förderung", sagt Gabriela Ott, "sind einige Kinder mit Zuwanderungshintergrund sogar besser als junge Muttersprachler, wenn sie in die Schule kommen. Eine guteVoraussetzung für den Erfolg in der Grundschule." 

Überzeugungsarbeit für Eltern

Im Lesen schneiden Deutschlands Grundschüler gut ab. So das Ergebnis der internationalen Vergleichsstudie IGLU von 2012. Gerade Kinder ausländischer Herkunft haben ihre Ergebnisse verbessert. Projekte wie "Frühstart" haben dazu beigetragen.

Ein Problem ist allerdings: Manche Eltern wollen nicht mitarbeiten, weil ihnen das deutsche Bildungssystem fremd ist. "Frühstart" bildet deshalb ehrenamtliche Elternbegleiter aus – mehrsprachig und meist mit Migrationshintergrund. Sie "überbrücken" den Kontakt zwischen Eltern und Kindertagesstätte. So konnten sie einen türkischen Vater überzeugen, der seine Tochter nicht logopädisch behandeln lassen wollte. Er hatte gedacht, sie würde dann als behindert gelten.

Was ist Frühstart?
Die Hertie-Stiftung, die Herbert-Quandt-Stiftung und die Türkisch-Deutsche Gesundheitsstiftung haben das Projekt zunächst für zwölf Kitas entwickelt. Seit 2008 haben sich 38 weitere Kitas angeschlossen. Ein kommunaler "Frühstart"-Ansprechpartner koordiniert die Zusammenarbeit im Bildungs-und Integrationsbereich vor Ort. Dafür hat das Bundesbildungsministerium die "Allianz für Bildung" ins Leben gerufen.