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Dienstag, 5. März 2013

300 Jahre Nachhaltigkeit

Das Prinzip, das aus dem Wald kommt

Der Beelitzer Stadtwald, 50 Kilometer südwestlich von Berlin: Wir treffen Förster Martin Schmitt und wollen von ihm wissen, was "Nachhaltigkeit" bedeutet. Es wird häufig darüber geredet, aber was ist damit gemeint?

Ein Mitarbeiter des Forstamtes Rantzau pflanzt junge Buchen Junge Buchen werden zwischen Nadelbäumen gepflanzt - ein Mischwald entsteht Foto: picture-alliance/ dpa

Unser Besuch im Wald hat seinen Grund, denn: der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. 1713 formulierte der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz seine Grundsätze einer nachhaltigen Forstwirtschaft. Der bekannteste: "Es dürfen nicht mehr Bäume gefällt werden, als neue nachwachsen."

Sozial, ökologisch, wirtschaftlich

Damals sei es nur um die Menge gegangen, erklärt Förster Schmitt. "Heute steht der Begriff in der Forstwirtschaft für einen Dreiklang aus sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit." Klingt kompliziert, ist es aber nicht.

Soziale Nachhaltigkeit bedeutet zum Beispiel, ortsansässige Unternehmen in die Waldbewirtschaftung einzubeziehen – so fließen die geschaffenen Werte in die Region. Schmitt erläutert, auch die Waldpädagogik gehört dazu. Im Beelitzer Wald gebe es viele Angebote für jedes Alter. Beispielsweise können jung und alt auf Walderlebnistouren die Natur mit allen Sinnen erleben.

Ökologische Nachhaltigkeit heißt: Naturschutz. In Beelitz wird der Wald von einer "Kiefernplantage" behutsam in einen Mischwald umgebaut. Wo bislang nur Kiefern standen, wachsen jetzt auch Eichen und Birken. Die Durchmischung des Nadelwaldes mit Laubbäumen macht den Wald gesünder und auch wirtschaftlicher. Reine Nadelwälder sind anfällig: Starke Stürme knicken die schlanken Bäume um. Bei Mischwäldern ist das Risiko geringer.

Nachhaltigkeit ist ein Generationenvertrag

Für die wirtschaftliche Nachhaltigkeit gelten noch heute Carlowitz’ Grundsätze. Auch wenn der Wald Rohstoff- und Energielieferant ist: Holzeinschlag und Holzzuwachs müssen in Einklang stehen.

Alle zehn Jahre machen die Forstbetriebe deshalb eine "Waldinventur". Daraus entsteht eine Handreichung für den Förster – die sogenannte Forsteinrichtung. Darin steht, wie viele Festmeter Holz pro Jahr und Hektar geerntet werden dürfen. Förster Schmitt bezeichnet diese Planung als "Mutter der Nachhaltigkeit". "Sie sorgt dafür, dass wir nachfolgenden Generationen einen gesunden, reichen Wald übergeben können. Nachhaltige Forstwirtschaft, das ist ein Generationenvertrag", sagt Schmitt.

Generationengerechtigkeit, Lebensqualität, sozialer Zusammenhalt, internationale Verantwortung: Wer heute entscheidet, muss immer auch an morgen denken. Das sind die Leitlinien der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung.