Mittwoch, 30. Januar 2013
Gedenkstunde
"Wehr Dich!"
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat an der traditionellen Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag teilgenommen. Die deutsch-israelische Schriftstellerin Inge Deutschkron hielt eine Rede über eigene Erlebnisse während des Nationalsozialismus.
Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus
Foto: Bundesregierung/Breloer
"Mein Kind, Du bist Jüdin." Diese Worte richtete die Mutter an die junge Inge Deutschkron wenige Tage nach der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933. "Du gehörst nun zu einer Minderheit," zitierte die Autorin ihre Mutter weiter. Doch was dies bedeutete, konnte sich die damals 11jährige Inge Deutschkron nicht erklären.
In einer ergreifenden Rede erzählte die bekannte Autorin heute vor dem Deutschen Bundestag von ihren persönlichen Erfahrungen während des Nationalsozialismus, von der Trennung vom Vater, der 1939 nach England flüchtete, sowie den Erlebnissen im Untergrund.
"Menschenrechte behaupten sich nicht von allein"
"Du musst den anderen in Deiner Klasse zeigen, dass Du nicht geringer bist als sie." Dieser Rat ihrer Mutter von 1933 blieb Inge Deutschkron im Gedächtnis. "Wehr Dich!" gab sie ihre Mutter im Plenarsaal wörtlich wieder.
Ein Satz, der ihr ganzes Leben bestimmt habe. Und an den auch Angela Merkel appellierte. „Menschenrechte behaupten sich nicht von allein, Freiheit bewahrt sich nicht von allein, Demokratie gelingt nicht von allein“, ermahnte die Bundeskanzlerin kurz vor der Gedenkstunde im Rahmen der Eröffnung der Ausstellung "Weg in die Diktatur" in der Topographie des Terrors.
Voller Plenarsaal
Der Geschichte von Inge Deutschkron lauschten neben der Bundeskanzlerin auch der Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundesratspräsident Winfried Kretschmann sowie der Präsident des Bundesverfassungsgericht Andreas Voßkuhle. Ebenso waren fast alle Bundesministerinnen und Bundesminister gekommen.
Für die musikalische Untermalung sorgten die Chormitglieder der Synagoge Pestalozzistrasse.Sie trugen neben dem Gebet „El Male Rachamim“ das jüdische Totengedenken „ Enosch K’chatzir Jamaw“ in der Vertonung von Louis Lewandowski sowie die Hymne „Adon Olam“ in der Vertonung von Salomon Sulzer vor.

